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Engagiert für die Gleichstellung 20 Jahre Frauenbüro in Lingen


Lingen. Seit 20 Jahren betreibt die Stadt Lingen ein hauptamtliches Frauenbüro. Was drei dort tätige Frauen seither in Lingen bewegt haben und was die Frauenwelt im Allgemeinen in diesen Jahrzehnten bewegt hat, darum drehte sich am Sonntag im Saal der Wilhelmshöhe alles beim Festakt zu diesem Jubiläum.

Seit Anfang 1993 – sogar noch vor der offiziellen niedersächsischen gesetzlichen Verpflichtung im Juni 1993 – steht Angelika Roelofs als hauptamtliche Kraft für die Gleichbehandlung und Förderung von Frauen in den Diensten der Lingener Bürgerinnen – und Bürger, denn seit 2005 heißt sie Gleichstellungsbeauftragte. In diesem Jahr entfällt die Pflicht für Städte der Größe Lingens, eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu beschäftigen. Lingen aber hält an der Hauptamtlichkeit fest. Die Stelle teilte sich Roelofs bis 1999 mit Gabriele Jahnke, seitdem mit Angelika Knöpker.

Oberbürgermeister Dieter Krone war „untersagt“ worden, in seiner Ansprache einen Rückblick zu geben, denn dies wollten die Frauen in szenischen Beiträgen selbst tun, wie er schmunzelnd einschränken musste. Daher nahm er Bezug auf die allgemeine Situation der Gleichstellung. Dass Frauen 2010 noch 22 Prozent weniger Verdienst hatten als Männer bei teilweiser höherer Qualifizierung, dass kein einziges DAX-Unternehmen von einer Frau geführt werde, dass Männer noch immer verspottet werden, wenn sie Elternzeit nähmen, prangerte er an. Der Arbeit einer Gleichstellungsbeauftragten zollte er Respekt: Juristisches, gesellschaftliches, therapeutisches und pädagogisches Grundwissen sowie eine hohe Flexibilität verlange diese Tätigkeit.

Roelofs selbst moderierte die szenische Darstellung der Geschichte des Gleichstellungsbüros. Einzelne Geschehnisse aus Lingen spielten die Akteurinnen der Theatergruppe „Weibblick“ nach, andere überregionale Aspekte nahmen sie aufs Korn. Dass die deutsche Damenfußballnationalmannschaft als Siegerinnen der EM 1989 je ein Kaffeeservice als Prämie erhielt, empörte sie.

Apropos Mannschaft: Darf sich ein Frauenfußballteam überhaupt Mannschaft nennen? Oder sind sie Mitglied? Auch die Diskussion um die sprachliche Übermacht der Männer trieb die Truppe um Birgit Kemmer spielerisch auf die Spitze. Dies alleshier wiederzugeben, dakönnen wir uns „geradenoch befrauschen“.

Jede Frau ist anders, jeder sind andere Themen wichtig, schon in Deutschland. Dass Frauen aus anderen Ländern mit anderen Sorgen, aber auch anderen Talenten unter uns leben, thematisierten die „Weibblicklerinnen“, aber auch Multikulti-Einlagen des togoischen Duos Mimi Kombate und Zain Landozz, afrikanisches Trommeln unter der Leitung von Lothar Eifler und die farbenfrohen Tänzerinnen der russischen Gruppe „Rossinka“. Die kulturellen Beiträge wechselten mit Grußworten von Maria Hülsing aus dem Kreishaus von der Arbeitsgemeinschaft, emsländischer Gleichstellungsbüros sowie von Kornelia Böert aus dem Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Gleichstellungsbüros.

Frecher letzter Akt: der Frauenjazzchor „mit weiblicher Note“. Das bekannte Kirchenlied „Lobet den Herren“ wurde zum Spottlied „Lobet die Herren“.

Zum Abschluss gab es für Angelika Roelofs, die Birgit Kemmer augenzwinkernd „meine geliebte Berufsemanze nannte, noch Geschenke von den „Weibblicklerinnen“, Blumen von allen emsländischen Gleichstellungsbüros und von einem Mann eine Medaille für zwanzig Jahre Frauenbeauftragte.


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