„Bedenken sehr ernst genommen“ Krematorium in Lingen soll 2016 gebaut werden

Wenige Hundert Meter hinter der Kapelle in Brögbern, nahe der Duisenburger Straße soll ein Krematorium gebaut werden. Ein Teil der Bevölkerung versucht dieses zu verhindern. Archivfoto: Burkhard MüllerWenige Hundert Meter hinter der Kapelle in Brögbern, nahe der Duisenburger Straße soll ein Krematorium gebaut werden. Ein Teil der Bevölkerung versucht dieses zu verhindern. Archivfoto: Burkhard Müller

Lingen. Nach fast einem Jahr wird jetzt das Thema „Krematorium in Brögbern“ wieder in die Öffentlichkeit getragen. Nach zwölf Monaten, in denen die Lingener Stadtverwaltung alle eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet und aufgenommen hat.

„Wir haben uns diese Zeit gelassen, weil wir die Bedenken und Ängste der Bürger sehr ernst genommen und nichts unversucht gelassen haben, alle sicherheitsrelevanten Aspekte nicht nur umzusetzen, sondern durch zusätzliche Auflagen an die Investoren noch zu erhöhen.“ Das erklärten Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher auf Nachfrage unserer Redaktion.

Ein Blick zurück: Die Stadt beabsichtigt, in dem Lingener Ortsteil Brögbern den Betrieb eines Krematoriums. Das Krematorium soll nördlich der Duisenburger Straße und nordwestlich des evangelischen Kirchengeländes entstehen. Allerdings will die Kommune das Krematorium nicht selber errichten und betreiben. Für das Vorhaben steht die RE-Spectrum Brögbern GmbH zur Verfügung, die über die notwendigen Flächen verfügt und ein entsprechendes Vorhaben umsetzen möchte. Rat und Verwaltung unterstützen die Planung vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach Einäscherungen. (Weiterlesen: Das Krematorium in Brögbern)

In dem Gebäude sind unter anderem ein Ofen- und Filterraum, Kühl- und Einführräume, ein Leichenschauraum, Büroräume, Sanitäranlagen, Aufbahrraum und eine Aula mit Sitzgelegenheiten vorgesehen. In der Aula des Krematoriums kann eine Abschiedsfeier stattfinden, bevor die Einäscherung erfolgt. Das vom Investor vorgesehene Gebäude darf acht Meter hoch sein, der dazugehörige Schornstein hat eine Höhe von 18 Metern. Eine Gastronomie auf dem Gelände des Krematoriums selber wird ausgeschlossen.

Nach Angaben der Verwaltung sieht ein entsprechender städtebaulicher Vertrag unter anderem vor, dass sich RE-Spectrum verpflichtet, ein Krematorium für einen Einzugsbereich mit einem Radius von 30 bis 40 Kilometern um Lingen zu errichten und zu betreiben – ein Versorgungsgebiet für etwa 430000 Einwohner. Zudem dürfe nur ein Verbrennungsofen installiert werden und dessen Nutzung auf maximal 1500 Einäscherungen pro Jahr beschränkt sein – innerhalb einer 5/6-Tage-Woche.

„Die Nachfrage in Lingen, sich nach dem Tode kremieren zu lassen, steigt weiter. Wir liegen jetzt schon bei rund 40 Prozent mit steigender Tendenz“, erläuterte der Verwaltungschef. Zum Themenkomplex Dioxine, Furane, Stickoxide, Feinstaub oder Quecksilber sagte Schreinemacher: „Unsere Auflagen an die Betreiber des Krematoriums bewirken, dass sich alle Messungen unterhalb der Toleranzgrenze bewegen oder sogar als irrelevant betrachtet werden können.“ Ländervorgaben würden teilweis um das 25-Fache unterschritten.

Krone: „Wir planen für Brögbern eines der modernsten, wenn nicht das modernste Krematorium Deutschlands und stehen nach wie vor voll hinter dem Projekt. Sollte alles im Sinne der Verwaltung laufen, wird mit einem Baubeginn Anfang 2016 gerechnet.“

2014 hatte sich erheblicher Widerstand gegen das Krematorium formiert. Die von einer Bürgerinitiative eingeschaltete Rechtsanwaltskanzlei kritisierte unter anderem eine fehlende Bedarfsanalyse und monierte die Informationspolitik der Stadt.

Am kommenden Dienstag wird die weitere Vorgehensweise ab 16.30 Uhr im Ortsrat Brögbern (Heimathaus) vorgestellt. Einen Tag später kommen die Planungen im Planungs- und Bauausschuss der Stadt Lingen ab 16 Uhr im Rathaus zur Sprache.


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