Kofferraum voller Tornister Bürger in Lingen sammeln Schulmaterial für Flüchtlinge

Vom Radiergummi bis zum Turnbeutel: Die Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ der Pfarreiengemeinschaft St. Marien Biene/Maria Königin hat ihre Schulmaterialsammlung dem SKM übergeben. Foto: Christiane AdamVom Radiergummi bis zum Turnbeutel: Die Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ der Pfarreiengemeinschaft St. Marien Biene/Maria Königin hat ihre Schulmaterialsammlung dem SKM übergeben. Foto: Christiane Adam

Lingen. Vom Radiergummi bis zum Ranzen, vom Tacker bis zum Turnbeutel, dazu jede Menge Hefte, Stifte und allerlei mehr, was Schulkinder im Alltag benötigen: Das ist bei der Schulmaterialsammlung der Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ der Pfarreiengemeinschaft St. Marien Biene/ Maria Königin in Lingen zusammengekommen.

„Die ursprüngliche Idee dazu hatten unsere Erstkommunionkinder. Deren Erstkommunion-Motto war das Teilen. Wir haben die Idee sozusagen aufgeschnappt und verlängert“, erzählt der Diakon der Gemeinde, Christian Eilers. Die Projektgruppe besteht außer ihm noch aus Johannes Kröger, Bernward Rusche und Jette Seifert. In beiden Kirchenfoyers, der Grundschule Altenlingen, der Marienschule und dem Gymnasium Georgianum wurden Kisten aufgestellt, in die Anspitzer, Lineale, Collegeblöcke und anderes hineingelegt werden konnten. Die Projektgruppe hatte ein Plakat erstellt, mittels dessen dazu aufgefordert wurde.

„In den sozialen Medien ist es weit über 3000-mal angeklickt worden“, zeigt sich der Diakon über den „relativ großen Zuspruch“ erstaunt. „Die Leute sind zurzeit sehr empfänglich für dieses Thema“, begründet er den Erfolg.

Empfänglich für den Gedanken, sehr konkrete Hilfe für mittellos ankommende Flüchtlingskinder zu leisten, waren auch Anne Gans und Petra Kuhr. Die beiden sind Inhaberinnen des Biener Geschäftes „Hegemann – Schreiben Lesen Spielen Schenken“. Nimmt man das Motto des Schreibwarengeschäftes wörtlich, so könnte man sagen: Viele Menschen haben Letzteres getan, damit Flüchtlingskinder die ersten drei Dinge ohne Not tun können. „Es kamen Kunden in unseren Laden und sagten: Ich habe hier eine Summe x, was könnt ihr dafür in die Sammelkiste legen? Das fand ich sehr beeindruckend“, schildert Kuhr das großzügige Verhalten, das sie im Ladenlokal erlebt hat.

Ebenso großzügig haben sich Vertreter für Schulzubehör gezeigt. Einen Kofferraum voller Ranzen und Faulenzermappen habe ein Vertreter vorbeigebracht. All diese Dinge, ob nun neu oder gebraucht, aber noch funktionstüchtig, sind nun Anne Lütjohann und Dominik Thiering vom SKM überreicht worden. Sie arbeiten beim Katholischen Verein für soziale Dienste in Lingen in der Migrations- und Flüchtlingsarbeit. Zuvor hatte es zwischen der Projektgruppe und dem SKM eine Absprache gegeben, denn beiden Seiten ist wichtig, dass nicht an mehreren Stellen das Gleiche gemacht wird. So soll Überaktionismus verhindert werden. Der SKM bemüht sich derzeit um eine stadtweite Vernetzung aller Aktivitäten, die für Flüchtlinge in Gang gesetzt werden .

„Das Schöne an dieser Aktion ist, dass es eine sehr konkrete Hilfe ist. Die Kinder der Flüchtlinge unterliegen in Deutschland der Schulpflicht, und somit benötigen sie auch die Schulmaterialien. 100 Euro pro Kind werden staatlicherseits zur Verfügung gestellt“, erläutert Lütjohann. Das reiche aber bei Weitem nicht, um den Bedarf abzudecken.

Diakon Eilers ist zudem wichtig, dass man einem Menschen nicht direkt ansieht, dass er in Armut lebt. „Deshalb legen wir auch Wert darauf, dass die abgegebenen Materialien in Ordnung sind.“ Dabei haben sich sogar die Eltern des Diakons mit einer rührenden Geste eingebracht: Sie haben sämtliche Filz- und Kugelschreiber ausprobiert sowie alle Bunt- und Bleistifte angespitzt und nach Farben geordnet, sodass jedes Kind die gesamte Palette erhalten kann. Die Aktion Schulmaterial ist mit Ostern zwar beendet, aber die nächste Aktion der Projektgruppe „Flüchtlinge – Heimat geben“ ist schon in der Pipeline: In Kooperation mit zwei Schulen sollen gespendete Fahrräder als Verkehrsmittel wieder fahrtüchtig gemacht werden.


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