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„Reaktorphysikalische Gründe“ Kernkraftwerk Emsland in Lingen erst Dienstag am Netz

Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen soll am Dienstag wieder ans Netz gehen. Foto: KramerDas Kernkraftwerk Emsland in Lingen soll am Dienstag wieder ans Netz gehen. Foto: Kramer

pe/dpa Lingen. Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen wird erst am Dienstag wieder ans Netz gehen. Dies sagte RWE-Sprecher Lothar Lambertz am Samstagabend im Gespräch mit unserer Redaktion.

Am Samstagvormittag war die RWE noch davon ausgegangen, dass der Reaktor am Sonntag wieder Strom produzieren könnte.  RWE-Sprecher Lambertz nannte am Samstagabend „reaktorphysikalische Gründe“ für das verschobene Anfahren des Atomreaktors.

 Der Zeitplan hänge vom Ergebnis der laufenden Prüfungen ab, die von Mitarbeitern des Ministeriums kontrolliert würden, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

Keine Gefahr 

Das Vorkommnis wird nach seinen Angaben gemäß den deutschen Meldekriterien in die Kategorie N (Normal) eingestuft und der Behörde fristgerecht gemeldet. Nach der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen (INES) sei es der Stufe 0 (unterhalb der Skala = keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) zuzuordnen. Eine Gefährdung des Personals, der Umgebung oder der Anlage sei damit nicht verbunden, betonte Lambertz.

Der 1400-Megawatt-Block war am Freitag heruntergefahren worden, nachdem die Undichtigkeit an der Probenahmeleitung festgestellt worden war. Radioaktivität ist bei dem Vorfall nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums nicht ausgetreten.

Initiativen wollen Aus des Meilers

Nach dem Zwischenfall fordern Anti-Atomkraft-Initiativen das sofortige Aus für das Werk. Der Betreiber RWE und die Atomaufsicht in Hannover müssten das Kernkraftwerk umgehend vom Netz nehmen, bevor es wegen fortschreitender Materialermüdung zu weiteren Pannen und Problemen komme, verlangten mehrere Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. An dem 27 Jahre alten Reaktor habe es bereits 2012 Leckagen am Entwässerungs- sowie am nuklearen Abwasseraufbereitungssystem gegeben. 2013 sei es zu einem kleinen Feuer gekommen. Im November 2014 hatten die Initiativen nach eigenen Angaben eine Resolution zur sofortigen Stilllegung auf den Weg gebracht.

Nach Ansicht von Wenzel erfordern die älteren Anlagen gerade auch in der Restlaufzeit ein „besonderes Maß an Vorsicht“. „Unsere Prüfungen müssen dafür sorgen, dass die Sicherheit bis zur letzten Minute gewährleistet ist“. Das Werk Emsland soll 2022 als letzter niedersächsischer Atomreaktor vom Netz gehen.


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