Nach nur drei Monaten das Aus Bahn kündigt – Bahnhofskiosk in Lingen schließt wieder

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Betretene Mienen bei Kioskbetreiber Julius Frilling und seiner Mitarbeiterin Anja Helming: Nach wenigen Monaten hat die Bahn jetzt aus feuerschutztechnischen Gründen den Mietvertrag für den Lingener Bahnhofskiosk zum 31. März gekündigt. Foto: Wilfried RoggendorfBetretene Mienen bei Kioskbetreiber Julius Frilling und seiner Mitarbeiterin Anja Helming: Nach wenigen Monaten hat die Bahn jetzt aus feuerschutztechnischen Gründen den Mietvertrag für den Lingener Bahnhofskiosk zum 31. März gekündigt. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Erst Mitte Dezember ist der Kiosk im Lingener Bahnhof nach fast einem Jahr Leerstand wieder eröffnet worden. Jetzt hat die Bahn Kioskbetreiber Julius Frilling nach nur drei Monaten gekündigt.

Anja Helming macht ein betretenes Gesicht. Über 13 Jahre hat sie im Lingener Bahnhofskiosk bei Pächterin Heike Flüthmann gearbeitet, bis diese Ende 2013 den Betrieb aufgab . Helming war froh, als Frilling den Kiosk im Dezember wieder eröffnete und sie an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren konnte. Doch die Freude ist von kurzer Dauer. „Die Bahn hat den Mietvertrag aus feuerschutztechnischen Gründen zum 31. März gekündigt“, erklärt der Kioskbetreiber. Er habe etliche tausend Euro in die Neugestaltung des Kiosk investiert. „Das amortisiert sich nicht in drei Monaten“, klagt Frilling. Von der Bahn ist er enttäuscht: „Schließlich war Frau Flüthmann unter den gleichen Bedingungen jahrelang hier drin“, kann er die genannten „feuerschutztechnischen Gründe, die nicht weiter detailliert benannt worden seien,“ nicht nachvollziehen. Ihm sei im Dezember ein sechsmonatiger Mietzeitraum mit der Option auf eine unbefristete Verlängerung von der Bahn angeboten worden.

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen bedauert die Entscheidung der Bahn. „Wir haben intensive Gespräche mit der Bahn geführt, aber sie war nicht bereit, von der Kündigung abzugehen.“ Die Brandschutzgründe müsse man „so akzeptieren“. Die Stadt würde sich weiterhin ein Kioskangebot am Bahnhof wünschen.

Derzeit stehe die Stadt mit Frilling in Verhandlungen über eine Lösung auf dem im städtischen Eigentum befindlichen Bahnhofsvorplatz. „Der Bahnhof ist das Eingangstor der Stadt. Eine Lösung muss optisch ansprechend sein, auch wenn man nur über einen temporären Zustand nachdenkt.“ Nicht so gerne würde die Stadt dort eine „Blechkiste“ sehen, so Altmeppen.

Frilling erklärt, dass er bereits mehrere mobile Lösungen für den Bahnhofsvorplatz angeboten habe. „Eine feste Anlage amortisiert sich erst nach mehreren Jahren.“ Es gebe konstruktive Gespräche mit der Stadt, um kurzfristig ein Kioskangebot auf dem Bahnhofsvorplatz zu schaffen. Aber einen fließenden Übergang wird es nicht geben.“

Offen sei auch die weitere Zukunft des gesamten Bahnhofsgebäudes, so Altmeppen. Die Bahn prüfe nach seinem Wissensstand derzeit einen Verkauf. „Es gibt noch kein Angebot. Aber die Bahn hat gesagt, sie würde im Falle eines Verkaufs auf uns zukommen.“ Die Entscheidung, ob die Bahn verkaufen wolle, werde wohl noch einige Wochen dauern. Sollte die Stadt ein Angebot bekommen, werde sie dieses prüfen.

Eine Sprecherin der Bahn bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion die Kündigung zum 31. März. Über die Gründe gibt es unterschiedliche Aussagen der Bahn.

„Von vorneherein wurde eine temporäre Vermietung mit dem Kioskbetreiber vereinbart. Da dieser seinen rechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist, haben wir ihm zum 31. März gekündigt“, heißt es in einer Mitteilung der Bahn. Eine Darstellung, die Julius Frilling entschieden zurückweist: „Mir wurde mit der Begründung, das Eisenbahnbundesamt habe aus feuerschutztechnischer Hinsicht den Betrieb des Kiosks untersagt, gekündigt.“ Ein entsprechendes Schreiben, in dem von Vertragsverletzungen keine Rede ist, liegt unserer Redaktion vor.

Zwar sei es richtig, dass der Mietvertrag für den Kiosk im Bahnhofsgebäude zunächst bis zum 30. Juni befristet gewesen sei, sagt Frilling. Doch in einem ebenfalls unserer Redaktion vorliegenden Schreiben der Bahn vom 2. Dezember macht diese Frilling Hoffnung auf mehr: „Mietbeginn ist der 1. Januar, befristet auf sechs Monate mit der Option einer unbefristeten Verlängerung“, teilt das Unternehmen Frilling darin mit.

Dass die Bahn das Empfangsgebäude des Lingener Bahnhofs definitiv verkaufen möchte, war bislang nicht bekannt. Doch auch dies geht aus der Antwort der Bahn auf die Anfrage unserer Redaktion hervor: „Das Empfangsgebäude (nicht die Verkehrsstation) soll verkauft werden. Die Stadt ist hierfür unser erster Ansprechpartner. Ein Zeitplan hierfür steht noch nicht fest“; teilt die Bahn mit.

Nach Mitteilung der Bahn steht auch das Reisezentrum im Lingener Bahnhof auf der Kippe, wenn die Westfalenbahn den Betrieb der Regionalstrecke Münster-Norddeich Ende des Jahres übernimmt. „Der bisherige Verkauf aller Bahnangebote durch die Deutsche Bahn ist dann nicht mehr zulässig. Aus diesem Grund prüft die Bahn den Umfang der ggf. verbleibenden Infrastruktur für Beratung und Verkauf DB-eigener Produkte,“ teilt das Unternehmen mit.

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