Kurze Werke mit viel Authentizität Filme von Harald Lorenz im Centralkino in Lingen

Von Manfred Buschhaus

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Harald Lorenz vor seiner cineastischen Heimat, dem Centralkinol. Foto: Manfred BuschhausHarald Lorenz vor seiner cineastischen Heimat, dem Centralkinol. Foto: Manfred Buschhaus

Lingen. „Spuren der Zeit“ – Unter diesem Motto hat der Lingener Filmemacher Harald Lorenz vor einer großen und engagierten Fan-Gemeinde im Centralkino in Lingen einen Einblick in die faszinierende Welt der Kurzfilme gegeben.

Der Kurzfilm wird im allgemeinen Sprachgebrauch nach seiner geringeren Vorführzeit als Gegensatz zum Langfilm verstanden. Unabhängig von seiner Definition wird der Kurzfilm heute vorwiegend als eigenständiges Genre mit besonderen Ausdrucksmöglichkeiten begriffen. Er eröffnet dem Filmemacher künstlerische Möglichkeiten, die dem Langfilm abgehen. Harald Lorenz zeigte an diesem Abend alle diese organisatorischen Vorteile und künstlerischen Lichtseiten wie in einem bunten Strauß der Möglichkeiten.

So gelang es ihm, in die rund zwei Stunden sieben Filme hineinzupacken, deren gestalterische Bandbreite vom Schwarz-Weiß- bis zum Farbfilm, vom Experimental- bis zum dokumentarischen Film gespannt war.

Letzterer offenbarte das Dilemma dieses Genres, indem er unschlüssig zwischen sozialem Engagement und darstellender Sachfotografie hin und her schwankte (Juskovzy). Schwer erträglich die lange stehenden Kopfbilder tief bewegter alter Menschen. Das gefällig Idyllische kam mit Folklore, Gesang von einem Frauen- und einem Kinderchor sowie mehrfachen Auftritten nicht zu kurz ( „Russinka“).

In ähnlich erzählendem, also fast konventionellem Stil kommen weitere Kurzfilme daher wie „Sandkunst und der Bulldozer“, „Das Haus mit der Sonne“, eine rührende Hommage an eine Kita in Lingen, und „Impressionen vom Welt-Kindertheaterfest 2014 “, der mit 15 Minuten längste Kurzfilm des Abends.

Enorme Möglichkeiten

Gestalterisch besonders interessant stechen von dieser Gruppe von Filmen die beiden Kurzfilme „Die Tür“ und „Laufmacen“ ab. Während der erste als Schwarz-Weiß-Film grafische Gestaltungsprinzipien von Stehbildern auf Laufbilder zu übertragen versucht und dabei sehr interessante Lösungen entwickelt, lebt „Laufmacen“ eher von der verbreiteten rätselhaften Atmosphäre.

Diese Aneinanderreihung von Filmen unterschiedlicher Kategorien machte sehr schön die enormen Ausdrucksmöglichkeiten des Kurzfilms deutlich mit seiner meist beweglichen Führung durch die Handkamera, seine explosiven Perspektivwechsel und harten Schnitte, die dem Werk eine unglaubliche Authentizität verleihen.

Nach über zwei Stunden kommt der Schluss abrupt. „Das war’s“, meint Harald Lorenz lapidar. „Hoffentlich nicht!“, möchte man sagen.

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