EU-Programm in Niedersachsen Schulobst wird in Lingen neu entdeckt

Von Johannes Franke


Lingen. „Esst mehr Obst, und ihr bleibt gesund.“ Den in die Jahre gekommenen Werbespruch beherzigen sehr viele Grundschulkinder und entdecken die Schulobstwelt. Die am EU-Schulobst- und -Gemüseprogramm in Niedersachsen teilnehmenden Schulen erhalten dreimal pro Woche Obst und Gemüse für jedes Schulkind – so auch die Carl-Orff-Schule, die Grundschule Gauerbach und die Castellschule in Lingen.

Seit Schuljahresbeginn liefert der Bioland-Hof Vaal in Schapen als zugelassener Lieferant die Erzeugnisse. „Wir erhalten seit Oktober saisonal frisches Obst und Gemüse aus der Region, aber auch Bananen, Orangen, Mandarinen, Weintrauben“, sagt Denise Haim, Lehrerin an der Castellschule.

Frederik besucht dort die Klasse 4b. Ganz begeistert berichtet er über seine Erfahrungen und die seiner Mitschüler. „Obst essen wir alle ganz gerne, aber Kohlrabi und Möhren sind auch nicht schlecht“, sagt er. Es gibt einen wöchentlich wechselnden Obstdienst, der die Erzeugnisse zubereitet. „Das finde ich toll, denn dann kann man sich ein bisschen auf später vorbereiten.“ Frederik meint, dass er nach dem Verzehr dem Unterricht besser folgen könne: „Auf jeden Fall bin ich satt, kann mich meistens besser konzentrieren und bin aktiver.“

Zwei Kinder waschen Obst und Gemüse und schneiden es in mundgerechte Stücke. Für die Äpfel benutzen sie einen speziellen Apfelschneider. Kurz vor dem zweiten Frühstück verteilen sie Obst und Gemüse in den einzelnen Klassen und verzehren es gemeinsam. Mittwochs, donnerstags und freitags heißt es: „Entdecke die Schulobstwelt!“

Die drei Schulen nahmen an der landesweiten Ausschreibung teil, bewarben sich für das Projekt und banden es konzeptionell in ihr Schulprogramm ein. Mindestens für ein Jahr gehören sie nun dazu, können sich für das nächste Schuljahr erneut anmelden. „Eine dauerhafte Teilnahme an dem Programm über mehrere Jahre hinweg ist möglich und wünschenswert, da nur mit einer regelmäßigen Obst- und Gemüseversorgung ein nachhaltiger Effekt auf das Ernährungsverhalten der Kinder zu erwarten ist“, heißt es im Flyer zum Programm.

An der Grundschule Gauerbach sei es etwas anders, erläutert Birgitt Bauer. Dort holen die Kinder den Obst- und Gemüsekorb, den Lehrer für die Kinder zubereiten. Gegen zehn Uhr frühstücken alle gemeinsam. Nach der dritten Stunde können auch restliche Stückchen mitgenommen und gegessen werden. Auch am Nachmittag steht in den Klassen ein Obst- und Gemüseteller bereit.

In der Carl-Orff-Schule bereiten einige Lehrer mit den Kindern das Frühstück gemeinsam vor, sagt Bettina Wiechmann. „Während der Projektwoche besuchten wir den Bioland-Hof, durften über die Felder gehen, Obst ernten und natürlich probieren“, erklärte die Lehrerin. Die Schüler erfuhren viel über die Abläufe und wie die Erzeugnisse in die Körbe gelangen, die uns geliefert werden.

An der Castellschule gehört Frederik schon zu den „Größeren“, die Verantwortung übernehmen. Die Kinder in der ersten und zweiten Klasse erhalten Elternunterstützung. Auch die Kooperationsklasse, die zum Christophorus-Werk gehört, ist inklusiv in dieses Projekt eingebunden. Die Eltern aller Schulen finden das EU-Schulobst- und -Gemüseprogramm gut und unterstützen diese Maßnahme.

„Lebensmittel sind wertvoll, und falls etwas überbleibt, soll man sie nicht wegwerfen, sondern essen oder spenden“, betont Frederik.

Für alle Schulen formulierte Denise Haim, man sähe, dass die Kinder bewusster mit Obst und Gemüse umgehen würden. „Am Ende des Schultages ist alles aufgegessen“, freut sich Birgitt Bauer. Den Schulen entstehen keine Kosten. Es sei für alle eine Bereicherung, keine Belastung, sind sich die Lehrerinnen einig.

Die Castellschule hat bereits einen Thermokomposter angeschafft. Die anfallenden Obst- und Gemüseschalen werden kompostiert und die gewonnene Erde dem Schulgarten zugeführt. So schließe sich die Nahrungskette, und das Ganze ließe sich nachhaltig verfolgen.

Weitere Informationen zum Programm Schulobst Niedersachsen gibt es auf www.schulobst.niedersachsen.de