Viel Spaß in der Emslandarena Ralf Schmitz handwerkelt in Lingen an den Lachmuskeln

Von Sebastian von Melle

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Ralf Schmitz brachte die Emslandarena in Lingen mit Handwerkerweisheiten zum Lachen. Foto: Sebastian von MelleRalf Schmitz brachte die Emslandarena in Lingen mit Handwerkerweisheiten zum Lachen. Foto: Sebastian von Melle

Lingen. Umzugskartons, ein staubiger Sessel, eine Kloschüssel, Leiter und Farbeimer: In der Emslandarena hat Komiker Ralf Schmitz am Freitagabend etwa 1800 Gästen sein Programm „Aus dem Häuschen“ mit skurrilen Geschichten aus der Welt der Heimwerker und Renovierer präsentiert.

Mit Mikro und Kamera flitzte er zu Beginn unter die Leute und unterhielt sich mit Alfred und Sabine über die „Eierlikörpopofraktion“. Erstaunt stellten wir fest, wie das hyperaktive begabte Kerlchen aus Köln, das jeder Fernsehzuschauer schon mal gesehen haben dürfte, innerhalb weniger Sekunden aus den phlegmatischen „Zombies von Lingen“ eine lachende Fangemeinde formte, die ihrem Meister willig folgte.

Sympathisch ist der 40-Jährige, klein an Gestalt, mit perfekter Körperspannung und irrsinniger Auffassungsgabe gesegnet. Er rast über die Bühne, plappert wie ein Wasserfall und lacht alle zwei Sekunden, eine davon über seine eigenen Witze. Ralf ist einer von uns, irgendwie nett und so spontan, da macht es auch nichts, wenn mancher Gag so flach ausfällt wie sein Waschbrettbauch.

Zwei Anekdoten zum Warmwerden, ein paar Interviews mit dem Publikum, ein Blick ins Fotoalbum, es geht Schlag auf Schlag.

„Zwei Zimmer, Treppe, Wand“, steht da angeblich in einem Wohnungsangebot. Je mehr der Komiker beteuerte, seine Geschichten seien wahr, desto mehr Zweifel machten sich breit, gab es doch 2008 in Köln mal eine Kunstausstellung mit diesem Titel. Je spontaner er zu agieren schien, desto mehr waren Anklänge an Techniken des Improvisationstheaters erkennbar.

Immer wieder holte er Stichworte aus dem Saal: Was kann beim Renovieren kaputt gehen? „Die Ehe“. Wo können sich Menschen begegnen? „Im Baumarkt, in der Umkleide, bei Fressnapf“.

Wer hier in der ersten Reihe saß, wusste, was er tat, denn regelmäßig holt Schmitz sich Assistenten auf die Bühne, die meist weiblich und einen Kopf größer sind als er. So ließ sich Marie auf ein Rollenspiel ein, bei dem Schmitz „zwei Futterschalen und einen Kratzbaum“ kaufte und denselben Dialog dann mal besoffen, gleichgültig oder erregt wiederholte. Zuweilen landete er unter der Gürtellinie oder mit seiner Hitler-Parodie – obwohl einige Kinder im Saal waren – in der Tabuzone.

Dabei gab es durchaus witzige Beispiele in seinem schier unerschöpflichen Baumarktsortiment wie die Safari auf der Suche nach Verkäufern, Ralfs Versuch, mit einer Flex ein Bild aufzuhängen oder wenn er auf Sarahs Klingel-Kommando fließend mal deutsch, mal „kapputschisch“ parlierte. Auch seine Tipps, was man mit einem Akkuschrauber alles machen kann (von der E-Zahnbürste über den Klorollenaufroller bis zum rotierenden Lippenstift), hatten etwas. Der Exkurs in Gebärdensprache dagegen war mehr als platt, und dass Reiner Calmund als Wandfarbe saufender Fettwanst verulkt wird – naja.

Vielleicht weiß Schmitz, dass er trotzdem oder gerade deshalb von seinen Fans geliebt wird. Immerhin versuchte es der Rheinländer mit den zurückhaltenden Norddeutschen. Sine Frage an die angelnde Andrea vom Mittellandkanal: „Gibt’s ‚n Wort, das ich lärnen kann im Dialehäkt?“ beantwortete diese jedoch schlagfertig: „Nö, ich sprech ja kein Dialekt.“

Schließlich sang er noch mit Anna-Lena „in der Sauna“ zu diversen Musikstilen auf Zuruf schlüpfrige Lieder, um dann als sprechende Puppe vom Zwei-Meter-Mann Björn über die Bühne geschoben zu werden. Hoch zufrieden ging die Mehrheit nach Hause. Alfred und Sabine werden den Abend ohnehin nicht so schnell vergessen.


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