Vorschlag der Kreis-CDU Gesamtschule in Lingen soll Werner-Remmers-Schule heißen

Die CDU im Emsland schlägt vor, die Gesamtschule Emsland in der Heidekampstraße in Lingen nach dem früheren Kultusminister Werner Remmers umzubenennen. Grafik: Heiner WittwerDie CDU im Emsland schlägt vor, die Gesamtschule Emsland in der Heidekampstraße in Lingen nach dem früheren Kultusminister Werner Remmers umzubenennen. Grafik: Heiner Wittwer

Lingen. Die emsländische CDU schlägt vor, die Gesamtschule Emsland in Lingen nach Werner Remmers umzubenennen. Der gebürtige Papenburger, der 2011 im Alter von 80 Jahren starb, war erster emsländischer Kultusminister in der Regierungszeit von Ernst Albrecht. Deutliche Kritik am CDU-Antrag übt die SPD-Kreistagsfraktion. Dieser sei an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte Bernd-Carsten Hiebing, Vorsitzender der Emsland-CDU und Fraktionsvorsitzender im Kreistag, dass er den Vorschlag im Rahmen einer Klausurtagung der CDU gemacht habe. Er sei einstimmig begrüßt worden. Daraufhin habe er die Kreisverwaltung als Schulträger gebeten, die Gesamtschule über den Vorschlag zu informieren und sich auch mit der Familie Remmers in Verbindung zu setzen. „Selbstverständlich soll der Gesamtschule nichts übergestülpt werden“, betonte Hiebing.

Der Vorschlag soll nun in den entsprechenden Gremien der Schule und dem Kreisschulausschuss am 24. März diskutiert werden, bevor er dann in der Kreistagssitzung am 18. Mai zur Abstimmung stehen wird.

„Ich würde mir wünschen, dass man unserem Vorschlag folgt“, sagte Hiebing. Remmers sei ein hervorragender Kultusminister gewesen, der auch offen gewesen sei für neue Wege in der Schulpolitik. „Gerade er steht wie kein Zweiter für die Vielfalt des Schulsystems“, sagte der Christdemokrat. Die Gesamtschule Emsland in Lingen bezeichnete er als ausgezeichnete Schule, die gerade erst wieder landesweit geehrt worden sei und sich auch im Wettbewerb mit den umliegenden Gymnasien hervorragend bewährt habe. Der Beschluss zur Einrichtung der IGS sei 1993 im Kreistag mit sehr großer Mehrheit gefasst worden.

Ganz anders als die Christdemokraten bewertet die emsländische SPD den Vorschlag. „. Die Schule soll den Namen einer Person erhalten, der einer Partei angehört hat, die die Gesamtschulen seit vielen Jahren und auch heute noch bekämpft“, heißt es in einer Mitteilung der Sozialdemokraten. Seit Jahrzehnten kämpfe die CDU auf Landes- und Emslandebene gegen die Integrierten Gesamtschulen. Sie verhindere außerdem bis heute den Aufbau einer Oberstufe an der Gesamtschule in Lingen, so die SPD. Dies würde den Schülern ermöglichen, bis zum Abitur dort zu bleiben. Der Vorschlag sei auch ein Affront gegen die große Elterninitiative, die sich Anfang der 90er für die Einrichtung der damaligen IGS stark gemacht habe, kritisiert Fraktionsvorsitzende Karin Stief-Kreihe.

Martin Weber, erst seit wenigen Tagen als neuer Leiter der Schule im Amt, äußerte sich am Donnerstag auf Anfrage der Redaktion zurückhaltend zum Vorschlag. Er wolle zunächst das Gespräch mit dem Landrat suchen.

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Der Antrag der CDU-Kreistagsfraktion, die Gesamtschule Emsland in Lingen in

„Werner-Remmers-Gesamtschule“ umzubenennen, im Wortlaut:

„Seit Ihrer Gründung im Jahr 1993 als „Integrierte Gesamtschule (IGS)“ hat sich die Gesamtschule Emsland in Lingen bis heute zu einem unverzichtbaren Baustein in der emsländischen Bildungslandschaft entwickelt. Sie ist zu einer Einrichtung geworden, die sowohl im Bereich der baulichen, als auch der technischen Ausstattung auf einem hohen Niveau ist – und damit auch auf lange Sicht wettbewerbs- und zukunftsfähig.

Im Jahr 2000 begann die Debatte über die endgültige Namensgebung der Schule. Nach kontroversen Beratungen und der Prüfung verschiedener Vorschläge hat der Kreistag Ende des Jahres 2002 dann beschlossen, der Schule den Namen „Gesamtschule Emsland“ zu geben. Die CDU-Kreistagsfraktion hält es derweil für angebracht, die Namensgebung erneut in die Gremien des Kreistags zu Beratung einzubringen. Konkret wird vorgeschlagen, die Schule in „Werner-Remmers-Gesamtschule“ umzubenennen.

Seine Wurzeln hatte Werner Remmers in Papenburg, in der Stadt Lingen nahm er später seinen Wohnsitz. Vom Emsland aus wurde Werner Remmers im Jahr 1976 als Kultusminister Mitglied der niedersächsischen Landesregierung. Als CDU-Bildungspolitiker setzte sich Werner Remmers für die Einführung einer Orientierungsstufe in der fünften und sechsten Klasse ein und hielt trotz Kritik an der Gesamtschule fest. In seiner Verantwortung als Kultusminister setzte er Ende der 1970er Jahre auf pragmatische Lösungen statt auf ideologische Debatten um die Frage der Zukunft der Gesamtschulen als Angebotsschule – auch gegen Kritik innerhalb der CDU. Werner Remmers war nicht nur eine große emsländische Persönlichkeit, sondern einer der profiliertesten Köpfe des politischen Katholizismus in den 80er und 90er Jahren. Mit seiner christlichen Weltanschauung, seiner Denke und seiner verbindlichen Art ist er bis heute Vorbild für nachfolgende Politikergenerationen. Als Visionär auf der einen Seite und Mann der Tat auf der anderen hat er zudem nachhaltige Spuren in der Bildungslandschaft Niedersachsens hinterlassen.

Letztlich ist es auch seinem beharrlichen Engagement geschuldet, dass die Gesamtschule Emsland in Lingen zu der erfolgreichen Schule geworden, die sie heute ist. Daher liegt es nahe, der Gesamt-schule Emsland seinen Namen zu geben.“

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