Das Schwere leicht gemacht Chinesischer Nationalcircus tritt im Theater Lingen auf

Von Meike Blunk

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lingen. Wieder einmal haben die jungen Artisten des Chinesischen Nationalzirkus, unter der künstlerischen Leitung von Roul Schoregge im Theater an der Wilhelmshöhe in Lingen mit einem atemberaubenden Programm das Publikum begeistert.

Seit mehr als 25 Jahren macht sich das, von Produktion zu Produktion variierende, Ensemble dieses traditionsbewussten, wie auch innovativ denkenden Zirkus das Motto „Das Schwere leicht machen“ zu Eigen. Jedes Jahr werden junge Artisten aus den mehr als eintausend vorhandenen Zirkusschulen der Volksrepublik China ausgewählt, um dann mit Schoregge und seinem Team eine neue Show zu kreieren, in der die Einheit von Körper, Geist und Seele jedes Einzelnen zählt.

In der aktuellen Produktion, die den Titel „Die verbotene Stadt“ trägt, geht es um einen kulturellen Einblick in die im 15. Jahrhundert er- baute Stadt, zu der die normale Bevölkerung jedoch über fünfhundert Jahre lang keinen Zutritt hatte. Eine Stadt, die den kaiserlichen Dynastien Ming und Qing unterlagen und als Machtsymbol des jeweiligen Kai- sers fungierte.

In der Inszenierung des Chinesischen Nationalzirkus erfährt ein kleines Mädchen, namens Orchidee, die Aufnahme in diese abgeschirmte Welt, da sie als Auserwählte gesehen wird und von nun an dort zu lernen und zu leben habe. Mit neugierigen Blicken erschließt sie sich in ihrem neuen Zuhause Einblicke in die bislang fremde Welt und erfährt, dass das Leben dort vielseitig und von künstlerischem Tatendrang durchzogen ist.

Die innere Ordnung ist nach der Philosophie Kon- fuzius organisiert, der Harmonie und die innere Mitte als höchstes menschliches Gut ansah. Die vielen Dienerinnen und Diener (Konkubinen und Eunuchen) haben, unter Einhaltung dieser Regeln und mit künstlerischen Ausdrucksformen stets für das Wohlbefinden und die Zerstreuung des Kaisers zu sorgen. Mit Hingabe erledigen sie diese Aufgaben und entdecken darin ein hohes Maß an kultureller Ästhetik, mit der sie auch die Lasten des Alltages vergessen können. Vasen, Hüte und Teller werden durch die Luft gewirbelt und balanciert.

Es geht in dieser zirzensisch erzählten Geschichte um die formvollendete Auseinandersetzung von Körper, Geist und Seele und deren harmonische Darbietungsweisen. Die vielen jungen Akrobaten zeigten mit großer Leichtigkeit, dass sie keinen Handstand machen, sondern, wie Orchidee es nannte, ein Handstand sind; dass sie auf grazile, anmutige Weise die Schwerkraft zu über listen verstehen und mit äquilibristischem Geschick Stühle so nach oben stapeln können, als würden sie von einer unsichtbaren Himmelsleiter gehalten werden.

Luft- und Bodenartistik

Darüber hinaus gab es Verbiegungsartistinnen, die mit ihren Körpern Bewegungsabfolgen vollzogen, so als sei er ein Spielzeug, das sich beliebig hin und herdrehen lasse. Das Publikum war von der unglaublich dynamischen Beweglichkeit der Artisten, ihrer anmutigen Präsenz und der erzählten Geschichte begeistert. „Die verbotene Stadt“ vermittelte den über viele Jahrhunderte gereiften Stellenwert von hochkarätiger Luft- und Bodenartistik, sowie ihren philosophisch untermauerten Glaubenssätzen.

Weitere Nachrichten aus Lingen finden Sie unter www.noz.de/lingen


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN