Feurige Performance Viel Beifall für Neujahrskonzert im Lingener Theater



mel Lingen. Das Neujahrskonzert im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe ist kein netter Reigen beliebter Melodien gewesen. Unter dem Motto „Tanz ins neue Jahr“ erlebte die Kulturszene eine feurige, leidenschaftliche, ästhetische und begeisternde Performance der Extraklasse, eine gelungene Kooperation verschiedener kongenialer Partner, die mit diesem Nachmittag die Latte hoch gelegt haben.

Dirigent Olaf Nießing und sein Lingener Kammerorchester baten zum Tanz, und die Tanzgalerie Svetlana Lorenz zeigte, wo die Geigen hängen.

Recht brav begann es mit der Ballettgruppe und dem „Frühlingsstimmenwalzer“ von Strauss. Nießing ließ als Auftakt seiner informativen, gut verständlichen und heiteren Moderation aufhorchen mit einer Erzählung aus Ecuador. Quintessenz: Gemeinsame Zeit für Familie und Kinder, für Geschichten (und wohl auch für Musik und Tanz) ist unbezahlbar. Es schlossen sich Piazzollas melancholischer „Winter“ und – tänzerisch überzeugend illustriert von Petra und Bernhard Kües – sein knisternder „Libertango“ an.

En passant etwas Musikgeschichte, als Nießing erwähnte, dass der Argentinier sich zeitweilig wegen der Oberschicht in Buenos Aires von seinen Tangos distanzierte, bis er mit dem Tango nuevo das „einzig bisher gelungene Crossover-Projekt“ zwischen Klassik und Latino-Musik erfand. Auch das Publikum spannte der Maestro mit ein: „Sie hören wie bei Bach einen Orgelpunkt auf dem klingenden A, singen Sie einfach mit.“

Beim „Ägyptischen Marsch“ von Strauss ließen Caroline Lemm und ihre Bauchtanzgruppe Harriza in orientalischer Pracht die Hüften kreisen, und die Herren im Saal bildeten trotz der Ablenkung und des schwierigen Textes („La“) den Chor der Pharaonen. Bei Hardimans Soundtrack zu „Lord of the Dance“ steppte die Showgruppe der Tanzgalerie, und der Saal jubelte.

Ein schönes reines Orchesterstück war nach der Pause „Danzon No. 2“ von Márquez, mit seiner Synthese aus kubanischen Rhythmen und spanischen Tanzformen und dem furiosen Finale eine gute Überleitung zu den Tänzen aus Tschaikowskys „Schwanensee“. Hier hatten Svetlana Lorenz, Ina Hollenberg und Caroline Lemm eine schöne Choreografie zusammengestellt, die den „Spanischen Tanz“, den „Ungarischen Tanz“, den „Tanz der Schwäne“ und den „Walzer“ mit beeindruckenden Kostümen und eleganten Bewegungen sinnenhaft erlebbar machten. Die „frisch aus dem Speicherbecken entschlüpften Schwäne“ hatten nach Aussage des Dirigenten noch Eis unter ihren goldenen Stepptanzschuhen.

Eine Walzerrunde

Strauss’ „An der schönen blauen Donau“ habe als Fußballhymne, Protestsong gegen Pinochet, Landemusik einer chinesischen Fluglinie schon manchen Stresstest hinter sich und gelte in der Kulturkritik, so Nießing, als der erste Schlager, von dem Brahms gesagt habe, er sei leider nicht von ihm. Der sensible Beginn und die Übergänge ließen etwas heisere Hörner hören, ansonsten konnte das Kammerorchester hier noch mal voll aufdrehen. Plötzlich nahm sogar die Tanzlehrerin persönlich dem Maestro für eine Walzerrunde den Stab aus der Hand.

Zum krönenden Kaiserwalzer drehten noch einmal neun Paare (darunter ein mutiger Junge!) ihre Runden, fast so vollendet wie in Wien. Der Radetzkymarsch und Hardimans Stepptanz als Zugaben entließen ein berauschtes Publikum.

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