Linke fordern Fabrikschließung Bundesregierung: Weiter Brennelemente aus Lingen



Lingen. Entwarnung für die Brennelementefabrik in Lingen: Die Bundesregierung will die Stilllegung der Anlage trotz Atomausstieg in Deutschland nicht forcieren. Und auch der finanziell gebeutelte französische Mutterkonzern Areva stärkt seiner Firma im Emsland den Rücken. Nur die Linken im Bundestag wollen die Fabrik lieber heute als morgen schließen.

„Sowohl die Brennelementefertigung in Lingen als auch die Urananreicherungsanlage in Gronau müssen abgeschaltet werden“, fordert Hubertus Zdebel. Als atompolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken sind ihm die beiden Fabriken im Westen der Bundesrepublik ein Dorn im Auge. „Das ist paradox: Deutschland schaltet seine eigenen Atomkraftwerke wegen Sicherheitsbedenken ab, sorgt aber zugleich dafür, dass im Ausland Atomkraftwerke weiterbetrieben werden. Teilweise unmittelbar an der Grenze zur Bundesrepublik.“ Ein konsequenter Atomausstieg sehe anders aus.

„Gegenwärtig nicht“

Deswegen wollte Zdebel zusammen mit Kollegen aus der Links-Fraktion von der Bundesregierung wissen, ob sie den Ausstieg aus der Kernenergie auf die Fabrik in Lingen erweitern oder aber den Betrieb zumindest auslaufen lassen wolle. „Gegenwärtig nein“, antwortete die Regierung jetzt in einem Antwortschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Von einer Brennelementefertigung wie im Emsland gingen nicht die Gefahren aus, die Grundlage für die schrittweise Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland seien.

Turbulenzen nach Fukushima

Darüber hinaus gibt die Antwort aber auch Einblick in die wirtschaftlichen Turbulenzen in Lingen, die der Atomausstieg 2011 nach dem GAU in Fukushima nach sich gezogen hatte. Demnach brach die Auslastung der Fabrik bei einer Gesamtkapazität von 650 Tonnen Uran, die jährlich verarbeitet werden können, von 89 Prozent im Jahr 2009 auf 39 Prozent im Jahr 2013 ein. Hintergrund: Deutsche Kraftwerke wurden zum Teil umgehend stillgelegt und fielen damit als potenzielle Abnehmer der Produkte aus dem Emsland aus. Für das vergangene Jahr scheint sich aber eine Stabilisierung abzuzeichnen: Laut Regierung stieg die Auslastung 2014 auf 45 Prozent. Stand November.

Brennelemente nach Fessenheim

Eine Liste der Brennelemente-Empfänger zeigt, dass von Lingen aus Kraftwerke in ganz Nord- und Westeuropa beliefert werden. Unter anderem auch der umstrittene französische Meiler im elsäsischen Fessenheim. Hier hatte sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kürzlich an die französische Regierung gewandt und mit Verweis auf Sicherheitsbedenken eine Abschaltung des Atomkraftwerks nahe der deutsch-französischen Grenze gefordert.

Areva mit Finanzproblemen

Apropos Frankreich: Bedrohlicher als der Atomausstieg in Deutschland dürfte derzeit für die Fabrik in Lingen mit den mittlerweile nur noch knapp 300 Angestellten ohnehin die wirtschaftliche Lage des Mutterkonzerns Areva sein. Der versucht derzeit den Bankrott abzuwenden. Von zwei Milliarden Euro ist die Rede, die der französische Staat zuschießen soll, um den einstigen Vorzeigebetrieb des Landes zu retten.

„Auslastung derzeit gesichert“

Auf Nachfrage bei der Deutschlandzentrale von Areva in Erlangen heißt es, der Standort Lingen sei „wichtiger Teil der internationalen Brennelementfertigungsaktivitäten.“ Im vergangenen Jahr seien wichtige Aufträge aus Schweden und Finnland eingegangen. Aber auch für Anlagen in Deutschland werde weiter produziert. Zudem profitiere der Standort Lingen von der in Belgien beschlossenen Laufzeitverlängerung der dortigen Kraftwerke. „Damit ist die Auslastung derzeit gesichert.“

Übrigens teilte die Bundesregierung den Linken auch mit, dass ein Schaden an einem Ofenrohr mittlerweile behoben sei. Der Defekt hatte im November eine teilweise Stilllegung der Anlage nach sich gezogen. Der Vorfall habe allerdings keine radiologischen Auswirkungen gehabt.


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