Für Menschenrechte und Solidarität Lingen setzt bei Demo Zeichen mit Gänsehautgefühl

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lingen. Diese Gänsehaut kommt nicht vom kalten Wind. Mehr als 2000 Menschen stehen auf dem Marktplatz, und es ist still. Totenstill. In einer Schweigeminute erinnert die Menge an die Opfer des Terroranschlages von Paris. Lingen ist „Charlie“. Es war der bewegendste Moment eines denkwürdigen Montagabends.

Eine Stunde zuvor, um 18 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Wind pfeift kalt um die Ecke, ungemütlich ist es. Wie gemütlich ist es in Damaskus, der Hauptstadt Syriens, wo ein Bürgerkrieg Hunderttausende in die Flucht getrieben hat? Ein ganz kleiner Teil von ihnen und anderen Bürgerkriegsregionen auf dem Globus wird auch ins Emsland kommen. Dass die Flüchtlinge dort willkommen sind, möchte die Demonstration am Montagabend deutlich machen.

Eine halbe Stunde vor Demobeginn steht erst eine Handvoll Teilnehmer auf dem Bahnhofsvorplatz. Aber innerhalb von wenigen Minuten schieben sich von mehreren Seiten einer Bugwelle gleich Menschen aller Altersgruppen auf den Platz. Sie kommen nicht nur aus Lingen, sondern aus der ganzen Region. Transparente aus Haselünne sind zu sehen und aus der Grafschaft. „Tolerante Emsländer gegen die Idiotisierung des Abendlandes“ ist auf einem Schild zu lesen.

Als der lange Demozug vor dem Alten Rathaus angekommen ist, hält Heribert Lange als Vorsitzender des Forums Juden-Christen ein flammendes Plädoyer für Toleranz und Menschenwürde. Die Pegida-Bewegung nutze den islamistischen Terroranschlag in Paris dazu, weiter Angst vor Überfremdung zu schüren. Mit dem „Aufstand der Anständigen“ in Lingen sollen die Bürger nach seinen Worten für ein Bündnis der Solidarität gewonnen werden. Parolen wie „Das Boot ist voll“, wie sie Pegida und in Teilen auch die AfD vertreten, gelte es entgegenzutreten. Der Vorsitzende des Forums ruft dazu auf, „gemeinsam den dumpfen Parolen der Brunnenvergifter von Pegida zu widerstehen“. Lingen sei offen für Menschen, die auf der Flucht seien, offen für die Vielfalt ihrer Anschauungen und ihrer Buntheit.

Er sei überwältigt von diesem „Zeichen der Toleranz und Menschlichkeit“, betont Oberbürgermeister Dieter Krone. Lingen sei weltoffen. Die Kurdin Medina Atalan, die seit 29 Jahren hier lebt, verwies auf die ausgeprägte Willkommenskultur in der Stadt. „Hier leben Menschen, die als Fremde kamen und längst heimisch geworden sind. Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Der Liveticker zum Nachlesen


Stimmen von Teilnehmern der Demo:

„Ich demonstriere für ein buntes und schönes Leben für alle Menschen.“

Adnen Marzouk (Deutsch-Tunesier)

„Niemand kann sich vorstellen, was Asylbewerber in ihrer Heimat durchmachen. Ich bin hier, damit Lingen bunt wird.“

Heike Bund

„Ich bin gegen diese dumpfe Massenhysterie, die von Pegida ausgeht und irrationale Ängste unter den Menschen schürt. Ferner bin ich dafür, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt, weil sich unser Land seiner Verantwortung nicht entziehen darf. Es gibt weitaus ärmere Länder,die schon weitaus mehr Flüchtlinge aufgenommen haben.“

Georg Aehling

„Ich bin heute Abend hier, weil ich meine, dass dieses Thema jeden etwas angehen muss. Ich bin erschrocken über die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Europa und der Auffassung, dass alle Bürger aufgerufen sind, dagegen etwas zu tun.“

Marlies Ostermann

„Ein eindrucksvolles Bekenntnis in Lingen für Menschenrechte und Toleranz und gegen Fremdenhass.“

Günter Wigbers

„Dies ist ein ganz starkes Signal, das Lingen da setzt.“

Ulrich Boss

„Ich würde mich freuen, wenn es 1000 werden.“

Robert Koop

„Wir gehen schweigend zum Marktplatz zur Erinnerung an die Opfer in Paris.“

Heribert Lange

„Es wird Zeit für eine solche Veranstaltung. Verschiedene Kulturen stellen eine große Bereicherung da.“

Gerd Otten

„Man muss Solidarität zeigen.“

Gregor Dziuba

„Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“

Heribert Lange

„Vor so viel Mut verneige ich mich respektvoll. Lingen kann stolz sein auf seine Willkommenskultur.“

Medina Atalan

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN