Arbeiten zum Jahreswechsel Den Tieren der Barkmanns in Messingen ist Silvester egal



Lingen. Am Silvesterabend wird gefeiert, ob nun ganz gemütlich im Kreis der Lieben oder auf einer Party, wo es richtig kracht. Und am Neujahrstag ist dann langes Ausschlafen angesagt, um den Jahresbeginn ganz in Ruhe zu verbringen. Der Jahreswechsel steht im Zeichen der noch nachklingenden Weihnachtsstimmung.

Doch manche Menschen müssen ihren Dienst auch an den Feiertagen versehen. Taxifahrer, Gastronomen, Polizisten sowie Pfleger und Ärzte stehen einem dabei zuerst vor Augen. Aber auch Tätigkeiten, auf die man nicht sofort kommt, dürfen nicht liegenbleiben.

„Für uns ist es ganz normal, dass wir jeden Tag die Tiere versorgen. Egal ob an Weihnachten, in den Sommerferien oder auch zu Silvester und Neujahr. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Tieren“, sagt Landwirt Bernhard Barkmann aus Messingen-Brümsel. 1700 Mastschweine, 150 Bullen und 35 Bullenkälber wollen schließlich gefüttert werden. Täglich kontrolliert Barkmann jedes Tier, ob es genügend getrunken und gut gefressen hat.

„Mein Vater ist ein Frühaufsteher. Er füttert in der Frühe schon die Bullen. Es reicht, wenn ich um 10 Uhr den Stall betrete und abends dann noch einmal den Fütterungsdienst übernehme“, wiegelt Barkmann Junior ab. Die großen Feten seien aber ohnehin seit Jahren vorbei. In diesem Jahr freut sich der Familienvater auf die Rückkehr seiner Tochter Sophie, die vier Monate in Wales verbracht hat. Seine Frau Corinna ist eine gebürtige Kölnerin und vermisst den großstädtischen Silvesterrummel auch kein Stück. Aber ihr ist es wichtig zu betonen, dass man nicht vergessen soll, dass Hausfrauen an den Feiertagen auch arbeiten müssen! Und wenn ein Tier krank wird? „Dann hole ich den Tierarzt. Die haben einen Notdienstplan.“

Dr. Ruth Paproth würde in diesem Falle allerdings nicht kommen. Zwar ist sie Tierärztin, aber sie versorgt Haustiere. Am Neujahrstag hat sie von 8 Uhr bis 22 Uhr Bereitschaftsdienst. Unter der Telefonnummer 0170 9517812 nimmt sie tierische Notfälle aus Lingen und Umgebung entgegen. „Spätestens um 1 Uhr morgen gehe ich schlafen. Allerdings rufen die meisten Leute nicht ganz so früh an“, weiß die Veterinärmedizinerin mit der Praxis in der Meppener Straße 70 in Lingen aus Erfahrung. Auch an Feiertagen können Hunde, Katzen und Meerschweinchen erkranken. Nach dem Silvesterabend kommt noch dazu, dass viele Hunde von der Knallerei verstört sind. „Ich hatte einmal einen Hund, neben dem direkt ein Böller hochgegangen war. Er hatte ein Knalltrauma und blieb zeitlebens taub. Manche Hunde flüchten vor Angst und rennen vor fahrende Autos“, erzählt sie.

Um menschliche Notfälle geht es bei Pfarrer Jens Brandebusemeyer, der am Neujahrstag „Priester im Notfall“ ist. „Rund um die Uhr – und eben auch an Feiertagen – ist unter der Telefonnummer 0591 9104444 ein katholischer Geistlicher aus Lingen erreichbar, für den Fall, dass jemand im Sterben liegt. Wir fahren dann hin, nehmen die Krankensalbung vor, geben die Kommunion als Wegzehrung und sprechen mit den Angehörigen das Sterbegebet“, erklärt der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Marien Biene/Maria Königin, worum es bei dieser Notfallnummer geht.

Dieser Dienst ist nach seinen Angaben allerdings keine Telefonseelsorge. Diese ist unter 0800/1110111 bzw. 0800/1110222 erreichbar. Darüber hinaus finden in beiden Pfarreien um 17 Uhr feierliche Messen zum Jahresschluss statt. Eine davon liest er, die andere sein Kollege Pastor Georg Klesse. Er wird bereits um 9.30 Uhr die Neujahrsmesse in St. Marien Biene lesen, während Brandebusemeyer erst wieder um 11 Uhr in Maria Königin vor die Gemeinde treten muss. „Nicht vergessen sollten wir die Küster, die überall pünktlich um Mitternacht die Glocken läuten“, weist der Pfarrer auf einen guten Brauch hin. Den privaten Teil des Silvesterabends verbringt er mit befreundeten Priestern in Salzbergen. „Abgrillen, Zuprosten, und direkt nach Mitternacht wieder heim“. Ab 6 Uhr morgens könnte schließlich das Notfallhandy klingeln.

Dass gar nicht erst ein Notfall eintritt, ist Aufgabe von Christian Waidmann. Er gehört der Freiwilligen Feuerwehr Lingen/Stadtmitte an und versieht mit vier Kameraden sowie zwei Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes Dienst beim Silvesterkonzert am Theater an der Wilhelmshöhe.

„Etwa um 17.15 Uhr müssen wir vor Ort sein. Zwei Kameraden beziehen ihren Posten im Saal, zwei hinter der Bühne. Der Ranghöchste sitzt als Wachführer im Wachraum der Feuerwehr. Zu unseren Aufgaben gehört die Überprüfung der Fluchtwege. Wir haben ein Auge auf feuergefährliche Stoffe, besonders, wenn in einem Stück etwas mit Zigaretten, Wunderkerzen etc. gemacht wird. Im Ernstfall sorgen wir für eine sichere Evakuierung“, schildert der Löschmeister, der wie seine Kameraden diese wichtige Aufgabe ehrenamtlich versieht. Ob er das Silvesterkonzert auf dem Bildschirm des Wachraums oder im Saal mitverfolgen kann, entscheidet sich meistens erst abends, je nachdem, ob er als Löschmeister der ranghöchste Anwesende ist. Feierlich wird es für den Familienvater anschließend, wenn er zu seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn heimkehrt.

Und wenn’s Silvester mehr knallt, als erwünscht war, woher erfahren die Bürger es dann? Von den Medien natürlich! Inga Graber ist Chefredakteurin bei der Ems-Vechte-Welle und hat über Silvester und Neujahr das sogenannte „Action-Handy“ dabei. „Hier treffen die Blaulichtmeldungen von Polizei und Feuerwehr ein. Im Normalfall reicht es, wenn ich diese Meldungen online stelle. Sollte jedoch etwas Größeres passieren wie beispielsweise die Explosion eines Tankschiffes oder eine Bombendrohung wie im Lookentor, müsste ich selber raus und von vor Ort berichten“, erklärt Graber. Die meiste Arbeit könne sie von zuhause aus erledigen.

Das Radioprogramm der Ems-Vechte-Welle hat Senderchef Jan Schenkewitz schon voreingestellt. So wird zum Beispiel der Mitschnitt vom Weihnachtskonzert des Leipziger Bachorchesters im Kulturforum Sankt Michael Neujahr ab 19 Uhr automatisch ablaufen. Wenn alles friedlich verläuft, kann Radioredakteurin Graber ihre im kleinen Kreis geplante Feier ohne Störungen verbringen.

Und wie ist es mit der Tageszeitung? Zwei Lokalredakteure der LT haben Dienst Neujahr, lange Feiern nach Mitternacht ist für sie dieses Jahr also nicht drin. Schlimm? „Silvester ist 2015 auch wieder, dann sind eben andere Kollegen dran“, nehmen sie es gelassen.


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