In der Pflege zählt das Menschliche Studierende des Campus Lingen üben Beratungsgespräche

Pflegestudentin Luisa Tschritter erklärt dem angehenden Theaterpädagogen Leon Bluhm die Funktionen eines Rollators. Im Hintergrund schauen Theaterpädagogen und Pflegestudierende gemeinsam zu, so auch Dajana Benner. Die Lehrkraft für besondere Aufgaben im Pflegestudiengang sitzt ganz links. Foto: Wilfried RoggendorfPflegestudentin Luisa Tschritter erklärt dem angehenden Theaterpädagogen Leon Bluhm die Funktionen eines Rollators. Im Hintergrund schauen Theaterpädagogen und Pflegestudierende gemeinsam zu, so auch Dajana Benner. Die Lehrkraft für besondere Aufgaben im Pflegestudiengang sitzt ganz links. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Herr Schmidt ist 72 Jahre alt. Nach einer Knie-OP vor zehn Jahren fällt ihm das Gehen immer schwerer. Luisa Tschritter, sie studiert den dualen Studiengang Pflege auf dem Campus Lingen, erklärt ihm den Umgang mit einem Rollator. Das Ganze ist ein Rollenspiel, denn Herr Schmidt wird von dem angehenden Theaterpädagogen Leon Bluhm dargestellt.

Von diesem Rollenspiel profitieren demnächst auch die Patienten des Elisabeth-Krankenhauses in Thuine. Dort absolviert Tschritter einen Teil ihrer praktischen Ausbildung. Aber auch die Studierenden der Theaterpädagogik und des dualen Studiengangs Pflege lernen voneinander.

„In der Ausbildung lernen wir zwar, Beratungsgespräche zu führen, aber die konstruktive Kritik an Übungen beschränkt sich auf die rein fachliche Beurteilung“, so Tschritter. Dies sei in der Zusammenarbeit mit den Theaterpädagogen anders. „Die haben Aspekte wie Auftreten, Verhalten, Stimme, Zwischenmenschlichkeit angesprochen.“ Die Theaterpädagogen wüssten sehr genau, wie sie solche Dinge beobachten und auch zu kritisieren hätten.

Theaterpädagoge Bluhm ist sich da nicht so sicher: „Wir haben heute erstmals in der Praxis gelernt, Kritik an anderen zu üben, die ankommen soll, ohne zu verletzen. Ich war gespannt darauf, wie das funktionieren würde.“

Es hat funktioniert. Dies zeigt die Bereitschaft der Pflegestudentin Tschritter, nach dem ersten Durchgang des Rollenspiels und der nachfolgenden Kritik aus der Gruppe, die sich aus angehenden Theaterpädagogen und Pflegefachkräften zusammensetzt, die Szene noch einmal anzuspielen. „Du weißt nicht, wohin mit deinen Händen“, lautet eine Anmerkung der Theaterpädagogen.

Im zweiten Durchgang macht Tschritter es besser. Ihre Hände liegen jetzt ruhig auf dem Tisch. Die Pflegestudentin hat schnell gelernt, ihre Körpersprache zu kontrollieren und somit Kompetenz und Selbstsicherheit zu vermitteln. Und sie brennt ein „fachliches Feuerwerk ab“: Der „Herr Schmidt“ erwähnt im zweiten Durchgang des Rollenspiels, das er jahrelang auf dem Bau gearbeitet habe. „Dann sind sie es ja von da gewohnt, festes Schuhwerk zu tragen. Bitte machen sie das auch jetzt. Es hilft ihnen beim sicheren Gehen mit dem neuen Rollator und vermindert die Sturzgefahr im Haus“, erklärt Tschritter ihrem „Patienten“.

Menschlich ankommen

Diese gemeinsame Lehrveranstaltung der auf den ersten Blick so unterschiedlichen Studiengänge haben Rahel Kurpat und Dajana Benner entworfen. Die Theaterpädagogin Kurpat ist sich sicher, dass die Studierenden Fähigkeiten besitzen, mit denen sie die Kompetenz Pflegestudierender erweitern. „Die Theaterpädagogen können denen erklären, warum sie beispielsweise im Auftreten unsicher wirken.“

Benner, Lehrkraft für besondere Aufgaben im dualen Studiengang Pflege, betont, dass die beiden Studiengänge voneinander profitieren würden: „Es gibt sehr viele Schnittstellen. Theaterpädagogen und Pflegekräfte müssen beide auf ihre Art auf Menschen eingehen.“ Ihr ist gemeinsam mit Kurpat eines wichtig: „Die Studierenden lernen, dass sie immer eine bestimmte Rolle spielen.“ Sei es die des kritischen Leiters eines Rollenspiels, als solche wurden die Theaterpädagogen im Rahmen ihres Studienmoduls „Spielleitung“ eingesetzt, oder die Rolle des Pflegenden, der lernen müsse, Privates und Dienstliches voneinander abzugrenzen – dabei trotzdem menschlich bei seinem pflegebedürftigen Mitmenschen anzukommen.

Voneinander zum Wohle der Patienten gelernt haben nicht nur Tschritter und Bluhm: Insgesamt haben 17 Studierende der Theaterpädagogik und 25 angehende Theaterpädagogen an diesem gemeinsamen Projekt teilgenommen.


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