Veranstaltung im Burgtheater Ingo Scheller Gast im Lingener Erzählcafé

Der ehemalige Hochschullehrer Ingo Scheller aus Oldenburg gemeinsam mit den Studierenden Frederik Hochheimer und Anna Weidinger (von links) beim Erzählcafé. Foto: HochschuleDer ehemalige Hochschullehrer Ingo Scheller aus Oldenburg gemeinsam mit den Studierenden Frederik Hochheimer und Anna Weidinger (von links) beim Erzählcafé. Foto: Hochschule

Lingen. Bei vielen Plätzchen, Kaffee und Tee gegen die kalte Jahreszeit haben sich rund 30 Gäste im Burgtheater eingefunden, um aus Ingo Schellers Berufsleben zu erfahren. Der seit elf Jahren pensionierte Scheller kam aus einem Dorf an der Schlei nach Lingen, um beim Erzählcafé, einer Veranstaltung des Burgtheaters und des Deutschen Archivs für Theaterpädagogik (DATP), sein Berufsleben Revue passieren zu lassen.

Die Materialien aus dieser Zeit hatte Ingo Scheller bereits dem DATP übergeben. Unterstützung erhielt er dabei von den Studierenden Anna Weidinger und Frederik Hochheimer aus dem fünften Semester Theaterpädagogik. Sie haben im Vorfeld viel recherchiert, moderierten die Veranstaltung und hatten seinen Lebenslauf aufgeschrieben.

Solche Erzählcafés als besondere Form von Lehre sind regelmäßiger Bestandteil des Moduls „Archäologie der Theaterpädagogik“ von Prof. Marianne Streisand, die zugleich Leiterin des DATP ist.

Der Lebenslauf fing mit dem Geburtsdatum an: Scheller kam 1938 in Berlin als viertes von sieben Kindern zur Welt, seine Eltern waren in der damaligen Turner- und Jugendbewegung aktiv. Dies scheint sein ganzes Berufsleben geprägt zu haben. Denn nach weniger erfolgreichen Schuljahren und zweimaligem Sitzenbleiben, erzählt Scheller, habe er seine erste große Inszenierung geplant: Seine Abiturprüfung. Trotz dieser Erfahrungen und vermutlich durch den Einfluss seiner Eltern studierte Scheller Germanistik, Theaterwissenschaften und Sport auf Lehramt in Hamburg, Göttingen und Marburg. Zum Referendariat ging es dann 1967 nach Osnabrück.

Regeln verändert

„In meinen ersten Berufsjahren an Schulen habe ich immer die Regeln des Deutschunterrichts verändert“, erzählt der sich selbst als „Brecht-Schüler“ bezeichnende 76-Jährige. „Ich habe gemerkt: Irgendetwas stimmt mit dem Schulsystem nicht.“ So beschäftigte er Hauptschüler draußen mit Geländespielen und stellte fest: „Plötzlich konnten die sprechen, die im Klassenraum beim Deutschunterricht kein Wort herausbrachten.“ Vom Lehrer wurde Scheller dann Hochschullehrer an der Universität Oldenburg. Er untersuchte Lernprozesse an Schulen und fing mit dem szenischen Spiel an.

Darüber entstand beim Erzählcafé dann eine interessante Diskussion, wie szenische Interpretation ausgestaltet werden kann. Scheller erklärte, wie er als Spielleiter klassische Bühnenstücke mit Schülern im Klassenraum bearbeitete – nicht zu dem Zweck, diese nachher aufzuführen, sondern mit dem Ziel, dass die Schüler in Lernprozessen Selbsterkenntnis erlangen, sich selbst neu sehen und neu interpretieren. Einen Lernprozess in Gang zu setzen gelang ihm – der selbst anfangs meinte, er wolle eigentlich nie auf einer Bühne stehen – wohl auch bei den Studierenden im Publikum. Durch Theaterpädagogik Veränderungsprozesse im bestehenden (Schul-)System in Gang zu bringen, war abschließender Gegenstand der Diskussion.

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