„Immaterielles Kulturerbe“ BN: Lingener Kivelinge ins Verzeichnis der UNESCO

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Das Kivelingsfest in Lingen 2014: Die Wachsektion „Fättmännkes Noahdriever“ zieht auf. Foto: Wilfried RoggendorfDas Kivelingsfest in Lingen 2014: Die Wachsektion „Fättmännkes Noahdriever“ zieht auf. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Bürgernahen in Lingen haben eine Initiative gestartet, um die Kivelinge in das bundesweite UNESCO-Verzeichnis immateriellen Kulturerbes aufnehmen.

In einer Erklärung forderte Robert Koop, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der BN dass die Stadt Lingen und ihre Kivelinge in dieser Richtung gemeinsam aktiv werden. Die Kivelinge und ihr jahrhundertaltes Fest gehören nach seiner Auffassung „als einzigartige Veranstaltung unserer Stadt auf diese deutsche Liste.“

Anfang Dezember hatte Deutschland die ersten 27 Einträge in das neue bundesweite „Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Das nationale Kulturerbe-Verzeichnis geht nach Angaben der Bürgernahen zurück auf ein UNESCO-Übereinkommen. Es soll Formen immateriellen Kulturerbes vermitteln, ihre Identität und Kontinuität sichern, die von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet werden. Das nationale Kulturerbe endet, so die BN, nicht bei Baudenkmälern oder Museumsausstellungen. Es umfasse auch Traditionen und lebendige kulturelle Ausdrucksformen, wie zum Beispiel gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste.

Zu den ersten 27 Einträgen in das neue nationale deutsche Verzeichnis zählen daher auch das Peter-und-Paul-Fest in Bretten, das Malchower Volksfest und die Lindenkirchweih Limmersdorf. Koop: „In diese Reihe gehört natürlich das seit Jahrhunderten in dreijährigem Turnus gefeierte Lingener Kivelingsfest. Die BN schlägt vor, sich mit dem Kivelingsfest in der nächsten UNESCO-Runde zu bewerben, auch wenn das sicherlich ein ambitioniertes Vorhaben ist, denn diese Runde startet bereits im kommenden Frühjahr.“

Die Bürgernahen erwarten den weiteren Angaben zufolge „ein zügiges, mithilfe externer Experten erarbeitetes Bewerbungskonzept, eine baldige Sitzung des Kulturausschusses und einen Beschluss des Rates“.

Das Kivelingsfest würde im Falle einer Aufnahme in das bundesweite UNESCO-Verzeichnis immateriellen Kulturerbes nach Ansicht der BN die ihm gebührende Aufwertung erfahren. Weitere Folge einer Eintragung in das bundesweite Verzeichnis dürfte, so die BN, eine größere Sichtbarkeit der kulturellen Ausdrucksform in der Öffentlichkeit und in den Medien sein. Kivelinge und Stadt müssten sich zugleich verpflichten, bestehende oder neu konzipierte Maßnahmen zum Erhalt des Festes umzusetzen, um die Voraussetzungen für seine Fortdauer zu schaffen. „Es geht also nicht um die Konservierung eines bestimmten Zustands. Natürliche Veränderungsprozesse sind willkommen“, heißt es dazu bei der deutschen UNESCO-Kommission. Eine solche Entwicklung liegt im Interesse aller Lingener in ihrer „Stadt der Kivelinge“, erklärte BN-Fraktionsvorsitzender Koop. „Wir erwarten daher eine breite Unterstützung unserer Initiative, die Bereitstellung der erforderlichen Mittel für die Bewerbung und vor allem ein großes Engagement mit viel Herzblut im Rathaus. Auch die Kivelinge können auf ihrer in wenigen Tagen bevor- stehenden Generalversammlung dazu ein erstes, wichtiges Zeichen setzen.“


Die Kivelinge:

Der Ursprung der Kivelinge gründet sich auf eine Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert. Bei Kämpfen zwischen dem Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Münster wurde die männliche Bevölkerung Lingens so stark dezimiert, dass zur Verteidigung als letztes Aufgebot die jungen, unverheirateten Jugendlichen der Stadt auf die Wälle gerufen wurden. Durch ihre Unterstützung gelang es, die Eroberung der Festung Lingen zu verhindern und die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Es wird vermutet, dass durch diese Begebenheit auch der Name „Kiveling“ seinen Ursprung hat. Es handelt sich hierbei um die Verkleinerungsform des mittelhochdeutschen Wortes „kiven“, was soviel wie kämpfen oder streiten bedeutet – also „Kleiner Streiter“ oder „kleiner Kämpfer“.

Zwar können diese Vorgänge grauer Vergangenheit nicht durch Dokumente belegt werden, nachdem bei dem großen Stadtbrand im Jahre 1548 fast alle schriftlichen Urkunden verloren gingen. So ist vieles nur aus mündlichen Überlieferungen bekannt. Ein erster schriftlicher Beweis für die Existenz der Kivelinge und ihres Festes findet sich in den Stadtrechnungen der Jahre 1557 / 1558. Ein Posten gibt hier eine Zuwendung der Stadt an die Kivelinge an: „Die jungen Schützen oder Bürgerkinder beehrt mit 1/2 Tonne Bier, facit 1 Mark“.

(Quelle: www.kivelinge.de)

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