Beleidigung und Körperverletzung Sechs Monate Haft ohne Bewährung für Mann aus Lingen

Das Amtsgericht in Lingen hat einen 48-Jährigen zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Foto: Manuel GlasfortDas Amtsgericht in Lingen hat einen 48-Jährigen zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Foto: Manuel Glasfort

Lingen. Das gibt es auch nicht so oft: Ein zeitweise obdachlos lebender Mann hat die Ladung zu seiner Gerichtsverhandlung auf offener Straße zugestellt bekommen. Jetzt wurde der 48-Jährige vom Amtsgericht Lingen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Vom Tatvorwurf der Sachbeschädigung in Tateinheit mit Bedrohung wurde er freigesprochen.

Der vielfach vorbestrafte und alkoholkranke Angeklagte wurde verurteilt, weil er im Mai einem mehrfach von der Polizei ausgesprochenen Platzverweis nicht nachgekommen war. Der Platzverweis war erfolgt, weil der Angeklagte volltrunken vor den Einkaufswagen eines Supermarktes in Lingen gelegen hatte.

Nachdem die Polizei sich schließlich entschlossen hatte, den äußerst aggressiv auftretenden Mann in Gewahrsam zu nehmen, hatte dieser sich nicht nur durch heftige verbale Äußerungen, sondern auch mit Schlägen und Tritten gewehrt. Als dem Angeklagten im Zellenbereich eine Blutprobe entnommen werden sollte, hatte der 48-Jährige einen Polizeibeamten in die Hand gebissen. Dieser musste sich aufgrund einer drohenden Hepatitis-C-Infektion in einer Klinik behandeln lassen. Die Blutprobe ergab einen Alkoholwert von 2,91 Promille.

Zudem war dem nahezu daueralkoholisierten Mann vorgeworfen worden, auf dem Parkplatz eines anderen Einkaufsmarktes einen
20-jährigen Pkw-Fahrer mit einem Messer bedroht zu haben, nachdem er mit zwei Äpfeln nach dessen Wagen geworfen habe. Zudem soll er mit der Faust eine Beule in das Auto geschlagen haben, was einen Schaden von rund 500 Euro verursacht hat.

„Gewagter Sprung“

Er sei von dem Auto fast umgefahren worden, erklärte der Angeklagte und habe sich nur noch mit einem gewagten Sprung retten können. Daraufhin habe er den Fahrer zur Rede stellen wollen. Ein Messer habe er zwar bei sich geführt, aber nur, weil er sich zuvor Äpfel geschält habe. Nach Auffassung des Strafrichters hatte das mutmaßliche Opfer seine Beteiligung an dem Geschehen schöngeredet. Denn ein Zeuge bestätigte, dass der Autofahrer deutlich zu schnell auf den Supermarktparkplatz gefahren sei und dass der Angeklagte sich dadurch bedroht gefühlt habe.

Den Vorwurf, er habe in einem Laden Waren im Wert von 25 Euro mit einer Lastschrift bezahlt, ohne über das notwendige Geld zu verfügen, hatte der 48-jährige damit erklärt, dass er überzeugt gewesen sei, noch etwas mehr als 30 Euro auf dem Konto zu haben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN