Ansicht vom 18. Jahrhundert Blick auf Lingen vor 200 Jahren

Die neu entdeckte Stadtansicht im Emslandmuseum zeigt Lingen um das Jahr 1775 vom Böhmerhof aus.Die neu entdeckte Stadtansicht im Emslandmuseum zeigt Lingen um das Jahr 1775 vom Böhmerhof aus.

Lingen. In einem Kölner Auktionshaus ist dem Lingener Emslandmuseum jetzt der Erwerb einer bislang unbekannten Stadtansicht aus dem 18. Jahrhundert gelungen. Die in einem sehr lebendigen Stil gehaltene Darstellung, Fachleute sprechen von einer „lavierten Federzeichnung“, zeigt einen Blick auf die Stadt von Nordosten mit Einzeichnung aller wichtigen Gebäude.

Im Vordergrund beleben Jäger bei der Hasenjagd und ein pflügender Bauer das Bild. Aus der noch vom Stadtgraben eingefassten Bebauung ragen die Kirchen und öffentlichen Gebäude hervor, die im Bild durch Zahlen markiert sind.

Dargestellt sind unter anderem die drei Altstadtkirchen, das Rathaus, das Palais Danckelman und die damalige Universität. Der Zeichner erfasste die Stadtsilhouette vermutlich von einem etwas erhöhten Standort aus, wahrscheinlich von einem der Sandhügel in Höhe des Böhmerhofes. Offenkundig handelte es sich bei dem Maler, dessen Name nicht angegeben ist, um einen recht begabten Künstler. Museumsleiter Andreas Eiynck vermutet ihn im Umkreis des niederländischen Malers Jan Salomon Wahl (1728–1788), der 1786 zwei der großen Ölgemälde für das Lingener Rathaus lieferte.

Die jetzt aufgetauchte Zeichnung trägt die Datierung 1775 und zeigt gewisse Übereinstimmungen mit Wahls Stadtansicht von 1786. Möglicherweise handelt es sich um eine Vorstudie für das spätere Gemälde. Auch typografische Hinweise in der Ausführung der Zahlen und Buchstaben deuten auf
die Urheberschaft eines
niederländischen Zeichners hin.

Anhand der Falz- und Klebespuren auf der Rückseite ist eindeutig ersichtlich, dass die Zeichnung ursprünglich in ein Buch eingeklebt war – vielleicht in eine Künstlermappe oder ein Erinnerungsalbum eines Lingener Studenten. Der Auftraggeber und die Überlieferungsgeschichte der Zeichnung sind jedenfalls bislang noch ungeklärt.

Nach Angaben des Museums sind Lingener Stadtansichten aus dem 18. Jahrhundert nur als Einzelstücke in sehr geringer Zahl überliefert. Daher ist diese Neuerwerbung für die Stadtgeschichte auch von ganz besonderem Wert. Die lichtempfindliche Grafik wird daher ab Silvester dieses Jahres in einer kleinen Präsentation im Museum ausgestellt. Geplant ist ferner eine Sonderausstellung „Das neue Bild vom alten Lingen“ mit Festungsplänen und Stadtansichten aus der Zeit von 1560 bis 1860. Diese wertvollen Bilddokumente bilden einen Schwerpunkt in der Druckgraphischen Sammlung des Lingener Emslandmuseums.


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