Ghanaer zu Gast im LWH Kardinal Turkson wirbt in Lingen für Gemeinwohl

Von Johanna Lügermann

Um die Statue von Ludwig Windthorst versammelten sich (von links) Hermann Kues, Generalvikar Theo Paul, Kardinal Peter Turkson, Johannes Kröger, Michael Reitemeyer und Ulrich Waschki. Foto: Johanna LügermannUm die Statue von Ludwig Windthorst versammelten sich (von links) Hermann Kues, Generalvikar Theo Paul, Kardinal Peter Turkson, Johannes Kröger, Michael Reitemeyer und Ulrich Waschki. Foto: Johanna Lügermann

Lingen. Ludwig Windthorst ist ein Vorbild gewesen, weil er seine christlichen Werte in die Politik getragen hat. Dies hat Kardinal Peter Turkson anlässlich der Jahrestagung der Ludwig-Windthorst-Stiftung am Freitagabend im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen erklärt. Der Ghanaer ist seit 2009 Vorsitzender des „Päpstliches Rates für Gerechtigkeit und Frieden“.

In seinem Vortrag vor den Stiftungsmitgliedern forderte der 66-jährige Geistliche mehr Einsatz für das Gemeinwohl. „Das Gelingen eines menschlichen Lebens hängt nicht nur von dem Einzelnen ab, sondern auch von der Gesellschaft“, sagte er. Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die Wirtschaftsordnung seien dabei wichtige Faktoren. Eine Grundlage für die Entwicklung des Gemeinwohls seien freie Wahlen und der Gebrauch des Wahlrechtes.

Auch in Deutschland gebe es Probleme, welche die Gesellschaft betreffen, führte der Kardinal weiter aus. Dazu gehören nach seiner Auffassung die Überalterung der Gesellschaft und viele Flüchtlinge, meinte Turkson: „Diese sind jedoch, im Gegensatz zu denen anderer Länder, lösbare Probleme.“

Der Kardinal forderte die Schaffung einer internationalen Autorität für mehr Gerechtigkeit. Klimaverhandlungen zeigten, wie schwierig eine gemeinsame Einigung sei. Mut mache jedoch das Engagement auf lokaler Ebene. Turkson ermutigte: „Europa ist eure Zukunft“ und warnte zugleich: „Europa darf sich nicht genug sein, wir brauchen ein globales Gemeinwohl.“

In einem Gespräch mit Ulrich Waschki, dem Chefredakteur der Bistumspresse, erklärte der Kardinal, dass Frieden und die Entwicklung von Gemeinwohl unmittelbar zusammenhängen. Er sprach außerdem über seine Eindrücke von der Arbeit im Vatikan und wie er zum Theologiestudium kam.

1948 wurde Turkson in Ghana als viertes von zehn Kindern geboren. „Ich wollte damals Mathematiker oder Physiker werden, aber meine Lehrer haben etwas anderes in mir gesehen“, erzählte er. Dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, Bibelwissenschaftler zu werden, zeige sich nun im Rückblick: „Vieles ist in der Bibel verwurzelt. Ich kann mich immer darauf berufen und bin nie ohne Meinung zu einem Thema.“

Arbeit der Laien wichtig

Dies sei, so Turkson in seinem Vortrag weiter, wichtig für die Tätigkeit im Päpstlichen Rat, denn das Spektrum der Themen dort sei groß. Bei der Entwicklung des internationalen Rechtes komme es jedoch auch auf die Arbeit von Laien an, erklärte der Kardinal. Er hoffe deshalb, dass das Ludwig-Windthorst-Haus weiter ein Ort des katholischen, politischen und sozialen Engagements bleibe.