Über 50 Teilnehmer vor Betriebsgelände Demonstranten in Lingen: Lassen ANF nicht in Ruhe

Von Thomas Pertz


Lingen. Über 50 Bürger haben am Sonntag vor dem Werksgelände der Brennelementefabrik ANF im Industriepark Süd in Lingen die Schließung von Atomanlagen in Deutschland gefordert.

Dies galt ausdrücklich auch für die Brennelementefabrik von ANF, die zum französischen Konzern Areva gehört. „Wir werden die Anlage nicht in Ruhe lassen“, machte eine Sprecherin vor den Teilnehmern der Demonstration deutlich.

Atomkraftgegner aus Russland, Frankreich und den Niederlanden sowie Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz hatten am Samstag in Münster „ein Ende der zahllosen Urantransporte, die nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit den Betrieb der Atomindustrie sicherstellen“, gefordert. Zugleich forderten sie einer Mitteilung zufolge den Stopp des weltweiten Uranabbaus und die Stilllegung der uranverarbeitenden Industrie. Zudem solle die Bundesregierung endlich die Urananreicherung in Gronau sowie die Brennelementefertigung in Lingen beenden. Beide Anlagen sind bislang vom Atomausstieg ausgenommen und beliefern Atomkraftwerke in der ganzen Welt.

Am Sonntagvormittag hatten die Vertreter verschiedener Initiativen zunächst vor der Urananreicherungsanlage in Gronau demonstriert und waren anschließend gegen Mittag in Lingen eingetroffen. Als Gäste dabei waren Raschid Alimov und Olga Podosenova. Die beiden Umweltschützer aus St. Petersburg und Jekaterinburg im Ural engagieren sich nach Angaben von Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen seit Jahren gegen den Import von atomarem Abfall aus Westeuropa, unter anderem auch aus Gronau.

Vom französischen Antiatomnetzwerk „Sortir du nucleaire“ (Atomausstieg kam Charlotte Mijeon. Die 29-jährige Pariserin verwies in einer Ansprache vor dem Werkstor von ANF darauf, dass das Unternehmen schließen müsse, wenn es Deutschland mit dem Atomausstieg ernst meine.

Von ihrem Land wünscht sich die Umweltaktivistin die gleichen Aktivitäten. „Wir wollen den Atomausstieg auch in Frankreich“, machte Mijeon deutlich. Zwar gebe es auch in ihrem Land Widerstand gegen die Atomkraft und entsprechende Anlagen, aber nicht in solch einem Maße wie in Deutschland. Viele Franzosen wüssten nicht, dass die Brennelemente zum Betreiben der Reaktoren im Land auch aus dem Ausland kämen.

Die Französin verwies in diesem Zusammenhang auf die Verflechtungen von Areva mit dem französischen Staat. Sie bezeichnete das Unternehmen als „Staat im Staate“, das in privater Hand längst insolvent wäre.


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