Neue Broschüre Auf den Spuren jüdischen Lebens im Emsland

Von Johanna Lügermann

Vorgestellt wurde die Broschüre von (v.l.) Benno Vocks, Heribert Lange, Heiner Schüpp, Johanna Rickling, Carsten Borchard und Annette Sievers. Foto: Johanna LügermannVorgestellt wurde die Broschüre von (v.l.) Benno Vocks, Heribert Lange, Heiner Schüpp, Johanna Rickling, Carsten Borchard und Annette Sievers. Foto: Johanna Lügermann

Lingen. Halb verwitterte Grabsteine mit hebräischen Schriftzeichen erinnern an jüdisches Leben im Emsland. Nur wenig, wie diese Friedhöfe, ist davon noch zu finden. Um das Bewusstsein für die Geschichte von jüdischer Kultur in der Region zu stärken, haben die Emsländische Landschaft und der Emsländische Heimatbund die Broschüre „Auf den Spuren jüdischen Lebens im Emsland“ herausgegeben.

Darin sind Gedenkorte und Geschichten einzelner Personen zu finden. Jetzt wurde das Heft im Lingener Emsland-Museum vorgestellt. Die Zahl der im Emsland lebenden Juden war nie hoch, sagte Kreisarchivar Heiner Schüpp. Schlechte wirtschaftliche Verhältnisse boten keinen Anreiz für eine Ansiedlung. Zudem hätten Juden oft mit Intoleranz und Konkurrenzneid rechnen müssen. „In Freren sind jüdische Bürger ab 1683 und in Lingen ab 1693 verzeichnet“, berichtete Schüpp.

Literatur über jüdisches Leben im Emsland gebe es kaum. Einen Überblick konnte der Archivar trotzdem geben. Eine gesetzliche Gleichstellung der Juden sei zwar 1842 erfolgt, die Realität habe trotzdem vielfach anders ausgesehen. „Vor allem ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gab es antisemitische Tendenzen. Dabei waren die Juden im reichen Vereinsleben oft integriert. In Lingen gehörten sie zu den Kivelingen und dem Männerturnverein.“

Während des Nationalsozialismus seien jüdische Bürger nicht nur aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben verdrängt, sondern auch physisch vernichtet worden. „139 Juden aus dem Emsland wurden am 13.12.1941 nach Riga transportiert. Die letzten wurden im Juli 1942 abgeholt. Danach gab es kein jüdisches Leben mehr im Emsland .“

Es sei wichtig, jüdische Geschichte auch für kommende Generationen zu erhalten, meinte Projektleiterin Annette Sievers. Sie dankte engagierten Einzelpersonen, die seit Jahrzehnten an der Erforschung dieser Geschichte arbeiten: „Es gibt viele die sich für das Gedenken einsetzen. Dadurch kamen Spuren wie Mahnmale und Stolpersteine hinzu.“ Auf die Arbeit dieser Menschen baue die Broschüre auf.

Illustriert wurde das Heft von der Fotogruppe „Objektiv“ des Meppener Kunstkreises. Aus den Bildern ist eine Wanderausstellung entstanden, die ab dem nächsten Jahr gezeigt wird. Fest steht unter anderem schon, dass sie ab dem 27. Januar in der Alten Molkerei in Freren zu sehen ist.

Das Erscheinen der Broschüre habe zu vielen Anregungen und Nachfragen geführt, sodass im Frühjahr bei einer Tagung ein Arbeitskreis gebildet werden soll, sagte Projektleiterin Annette Sievers.

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