Mit 90 im Internet unterwegs Bei Gelingen in Lingen helfen sich Senioren untereinander

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Helmut Raschke und Ingrid Hermes helfen sich gegenseitig beim Surfen im World Wide Web. Foto: Christiane AdamHelmut Raschke und Ingrid Hermes helfen sich gegenseitig beim Surfen im World Wide Web. Foto: Christiane Adam

Lingen. Mit 90 Jahren aktiv im Word Wide Web unterwegs? Beim Verein Gelingen in der Burgstraße 20 in der Lingener Innenstadt ist nicht nur das möglich.

„Und erst holen wir uns mal ’ne Tasse Kaffee“, das ist unser Leitspruch beim offenen Internetcafé“, erzählt Gertraud Temmen. Sie nutzt gern die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Senioren beim Verein Gelingen die Tiefen des World Wide Web zu erkunden. Temmen ist dabei mit sechzig Jahren ein „junger Hüpfer“.

Helmut Raschke ist dagegen neunzig Jahre alt und geht auch gern und viel ins Internet. „Bevor ich nach Lingen gezogen bin, hatte ich einen PC geschenkt bekommen. Ich konnte in Schermbeck, wo ich bis vor eineinhalb Jahren wohnte, noch rechtzeitig den PC-Grundkurs mitmachen“, erzählt der älteste unter den Teilnehmern des Internettreffs. Nun möchte der Maschinenbauer, der früher eine eigene Firma besaß, weitermachen an seinem Laptop. Der ist allerdings ziemlich langsam. Wolfgang Gebhardt, der 71-jährige Betreuer der Gruppe, grinst nur: „Ja, ich weiß wohl, wie das dort aussieht.“

Ingrid Hermes, die Vorsitzende des Vereins Gelingen, klärt auf: „Herr Raschke hat zu Hause noch einen besseren Laptop. Aber er möchte unbedingt dieses Gerät hier auf Vordermann bringen.“ Gebhardt hat schon so ziemlich alles probiert, den Laptop von Raschke mehrfach neu aufgesetzt und so weiter. Unverdrossen probiert dieser jedoch weiter, mit dem „Patienten“ ins Internet zu kommen. Währenddessen ist Gelegenheit, in aller Kürze seine Lebensgeschichte zu erzählen. Aus Dessau stammend, baute Raschke in Bad Lippspringe eine Maschinenbaufirma auf. „Sie kennen Bad Lippspringe etwa nicht? Das ist aber eine Bildungslücke! Moment mal, wir googlen das mal kurz.“ Im Hintergrund baut sich also die Seite www.bad-lippspringe.com/ auf – langsam, sehr langsam… Wieso Helmut Raschke danach nach Vlotho, schließlich nach Dorsten und eben als Vorletztes nach Schermbeck gezogen ist und seine Tochter, die in Lingen lebt, hier eine passend große Wohnung für ihn suchte, dafür ist Zeit zu erzählen. „Die Wohnung liegt sehr zentral. Sie ist schön, aber leider etwas dunkel“, schließt der Senior-Surfer seine Erzählung ab.

Viel ist der agile Raschke aber ohnehin nicht daheim: Mittwochs ist Gymnastik beim Roten Kreuz angesagt, dann geht er noch zum Radsport, bei Gelingen geht er zum „Kreis von Dichtern und Denkern“ (wie der Denksport scherzhaft bei Gelingen genannt wird), und eben zum Internetcafé.

Endlich ist die Seite der Stadt Bad Lippspringe geladen. Bad Lippspringe, das ist da, wo die Lippequelle ist. Eine alte Burgruine und ein Kriegerdenkmal, das viel hinter sich hat, wie Raschke erzählt, und vieles mehr bietet das hübsche 15000-Einwohner-Städtchen. Die Reporterin verspricht, ihre Bildungslücke demnächst zu schließen.

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