Gesprächskreis trifft sich regelmäßig Angehörige von Demenzkranken: Die Gruppe teilt den Schmerz

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Mit einem Geschenk an Wohnbereichsleiterin Sandra Gevers bedanken sich Vertreter der Angehörigengruppe für die Unterstützung im Haus St. Katharina.Mit einem Geschenk an Wohnbereichsleiterin Sandra Gevers bedanken sich Vertreter der Angehörigengruppe für die Unterstützung im Haus St. Katharina.

Thuine. Sie kommen aus dem Emsland, dem benachbarten Kreis Steinfurt und dem Osnabrücker Land. Sie kannten sich vorher nicht, wissen nun aber sehr gut um die Gedanken und Gefühle der anderen, die auch ihre eigenen sind. Regelmäßig treffen sich Verwandte oder Freunde von demenziell erkrankten Menschen in der Fach-Pflegeeinrichtung in Thuine, um sich auszutauschen.

Moderiert wird die Runde von Heimleiterin Schwester Debora oder der Pflegedienstleiterin Irene Kathmann, die im Gespräch jeden einzelnen der erkrankten Angehörigen vor Augen hat: die bald 80-jährige Mutter zum Beispiel, deren Sohn aus dem mittleren Emsland kommt. Seit Ausbruch der Krankheit habe sie noch viele Jahre selbstständig in ihrer eigenen Wohnung leben können, bis es nicht mehr gegangen sei. „Das, was sie als Persönlichkeit einmal ausgemacht hat, ist nicht mehr da“, sagt er. Seine Mutter sei heute eine fremde Person und er habe gelernt, das zu akzeptieren. Geholfen habe ihm dabei auch das Gespräch mit anderen Betroffenen in der Gruppe. Wichtig sei außerdem, während der Phase der Betreuung eines an Demenz Erkrankten rechtzeitig zu erkennen, wenn es an der Zeit sei, die Abgabe der Pflege zu diskutieren. „Damit aus liebevoller Pflege nicht Pflege und Hass bis hin zur Misshandlung wird“.

Demenz stelle eine besondere Herausforderung für Betroffene und Angehörige dar, betont Pflegedienstleiterin Kathmann. Im Alltag entstünden Situationen, die der Betreuende als Überforderung empfinde. Pflegende Angehörige in Zeiten der Überforderung zu stärken sei eines der Angebote in der Thuiner Einrichtung.

Dort befindet sich auch ein inzwischen 64-jähriger Osnabrücker. Seine Frau hat sich vor zwei Jahren sehr schwer damit getan, ihren Mann abzugeben, obwohl sie sich bewusst für das Haus St. Katharina in Thuine entschieden hatte. „Aber wir haben uns ja auch mal geschworen: ‚In guten wie in schlechten Tagen‘, beschreibt sie ihren Gewissenskonflikt. An einem bestimmten Punkt ging es jedoch nicht mehr weiter. Heute ist sie froh über die getroffene Entscheidung. „Wenn ich hier bin, kann ich mich ganz auf meinen Mann konzentrieren“.

Er befindet sich in der dritten Phase der Alzheimer-Erkrankung. Sie weiß, dass sie eigentlich schon zu Lebzeiten ihres Partners Witwe ist. „Mein Mann erkennt mich nicht mehr, aber er hört mich und spürt, dass es eine vertraute Stimme ist“, interpretiert sie den Blickkontakt.

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe stärken sich gegenseitig. Es sei beruhigend zu wissen, dass es einem nicht allein so gehe, sagt ein anderer Mann, dessen Mutter im Haus lebt. „Man muss sich nicht verstecken und kann offen damit umgehen“. Alle säßen in einem Boot „auf diesem Weg des Abschiednehmens“. Die Mitglieder kennen im Laufe der Zeit auch die Angehörigen der anderen in der Gruppe und schauen nach ihnen, wenn sie zu Besuch sind. Das sei das Schöne an diesem Haus, dass es innerhalb des geschlossenen Gebäudes offen gestaltet sei, heißt es in der Gruppe.

Die Mitglieder haben in den Gesprächen mit Schwester Debora und Irene Kathmann erfahren, dass es wichtig ist, in der Pflege zu Hause seine eigenen Grenzen anzuerkennen. „Wenn ich hierhin komme und meinen Mann besuche, bin ich ausgeruht und gehe positiv auf meinen Mann ein. Wenn ich mich von ihm verabschiede, dann in Frieden“, sagt die Osnabrückerin.

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