Im Haus St. Katharina Ein Hauch von Wärme und Geborgenheit in Thuine

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Liebevoll umsorgen Pflegeschülerin Marleen West (links) und Anleiterin Birte Vohrmann (rechts) Wilma Veldhaus in der Demenz-Einrichtung in Thuine. Foto: Caroline TheilingLiebevoll umsorgen Pflegeschülerin Marleen West (links) und Anleiterin Birte Vohrmann (rechts) Wilma Veldhaus in der Demenz-Einrichtung in Thuine. Foto: Caroline Theiling

Thuine. Es ist ein sonniger Novembertag, als ich das Haus St. Katharina in Thuine betrete. Auch drinnen durch die weitläufigen Flure strömt ein Hauch von Wärme und Geborgenheit. Auf verschiedenen Sitzgelegenheiten sitzen ältere Menschen, ruhig in sich gekehrt. Sie haben alle eins gemeinsam – sie sind an Demenz erkrankt. Und obwohl bei Demenz im Allgemeinen von einer Krankheit gesprochen wird, legt das Pflegepersonal in Thuine Wert darauf, dass die Menschen, die hier betreut werden, Bewohner genannt werden und nicht Patienten.

„Es ist ja auch ihr Zuhause“, betont Sandra Gevers. Sie ist Wohnbereichsleiterin der Gruppe eins (es gibt insgesamt zwei Gruppen) und unter anderem für die Schichtabläufe zuständig. Sie ist eine von sechs Mitgliedern des Pflegeteams, die mir an diesem Tag etwas aus dem Arbeitsalltag erzählen.

„Jeder Bewohner hat feste Bezugspersonen,“ erklärt sie. Dazu gehören eine Fachkraft und ein Pflegeassistent. Auf jede Fachkraft kommen vier bis fünf Bewohner. Da in so einer Einrichtung jedoch im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet wird, haben trotz der festen Zuordnung auch andere Mitarbeiter Kontakt zu den Bewohnern. Assistenten haben in der Regel an einer Qualifizierungsmaßnahme in einer Volkshochschule oder einer anderen Bildungseinrichtung teilgenommen. Die Ausbildung von Fachkräften endet nach drei Jahren mit einem Examen.

„Wir arbeiten hier als großes Team zusammen“, berichtet Maria Hüsers-Lucas. „Dabei ist es wichtig, dass alle die Biografie der Bewohner kennen. Nur so können sie den Menschen dort abholen, wo er gerade ist.“ Das bedeute, so die gerontopsychiatrische Fachkraft, dass man den Bewohner im Ganzen sehen müsse, einen Blick in die Seele des alten Menschen werfen und erkennen, warum er gerade in diesem Moment eine bestimmte Verhaltensweise, zeige und darauf eingehen.

„Hier können und dürfen die Bewohner ihre Demenz leben“, betont Hüsers-Lucas. „Wenn sich beispielsweise jemand auf den Boden legt, darf er dort liegen. Wir bringen dann vielleicht noch eine Decke und ein Kissen und versuchen nicht, ihm zu erklären, dass man das eigentlich nicht macht.“ Damit zeige man, dass man diese Person ernst nimmt und ihr Respekt entgegenbringt.

Ein weiteres Zeichen von Respekt sieht Pflegedienstleiterin Irene Kathmann in der persönlichen Anrede per „Sie“. „Wichtig ist auch, dass man sich nicht verstellt“, ergänzt Silvia Schnieders, die ebenfalls gerontopsychiatrische Fachkraft ist. „Nur wenn man authentisch ist, bekommt man auch viel von den Bewohnern zurück“, ist sie überzeugt. Häufig können die alten Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Demenz sich nicht mehr mit Worten äußern. „Aber wenn sie lächeln, sieht man, dass man sie erreicht hat.“ Der Aussage von Martina Pegel können ihre Kolleginnen nur zustimmen.

„Angehörige werden in den Pflegeprozess mit eingebunden“, berichtet Irene Kathmann. Das seien manchmal die noch gesunden Ehepartner der Bewohner oder deren Kinder. Für jede der aktuell 54 betreuten Personen werden täglich das aktuelle Befinden oder besondere Vorkommnisse dokumentiert und alle vier Wochen evaluiert, ob in der Pflege etwas verändert werden sollte. Hinzu kommen regelmäßige Visiten von Hausärzten und Neurologen.

Im Haus Katharina wird viel Wert auf Fortbildung gelegt. Es gibt Zusatzqualifikationen der Altenpfleger und -pflegerinnen, beispielsweise im Bereich der Gerontopsychiatrie oder der Wundversorgung. „Diese Weiterbildungen umfassen in der Regel rund 280 Unterrichtseinheiten“, erklärt die Pflegedienstleiterin. Das muss im Dienst- und Urlaubsplan langfristig berücksichtigt werden. „Unsere Planung für 2015 ist schon abgeschlossen“, erläutert Kathmann.

„Außerdem arbeiten wir viel mit Qualitätsmanagement“, ergänzt Sivia Schnieders. Auch in der Pflege sei vieles schnelllebig geworden und erfordere Anpassung an Veränderung. Als Beispiel nannte sie die Einrichtung der „Oase“ vor rund einem Jahr, wo Bewohner des schwersten Stadiums der Demenz untergebracht sind. Hier habe man sich bereits zusammengesetzt, um über mögliche Verbesserungen zu beraten.

Nachdem ich mich vom Team verabschiedet habe und wieder den großen Flur betrete, kommt ein älterer Herr auf mich zu. Er streckt mir die Hand entgegen. Ich nehme sie – und auch ich bekomme ein Lächeln.

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