Feier in Holthausen-Biene 40 Jahre Dorfgemeinschaftshaus in Lingen

Von Christiane Adam


Lingen. Untrennbar ist die Geschichte des Dorfgemeinschaftshauses Holthausen-Biene mit der Gebietsreform von 1974 und dem fünf Jahre zuvor erfolgten kommunalen Zusammenschluss von Holthausen und Biene verbunden. Dies ließen Zeitzeugen am Sonntag in eindrucksvollen Rückblicken anlässlich des 40-jährigen Bestehens dieses Hauses Revue passieren.

Johann Högemann, Vertreter des Ortsrates, moderierte durch den Nachmittag und freute sich über das große Interesse. Rund 100 Gäste waren der Einladung von Ortsrat und Pfarrgemeinde St. Marien gefolgt. 40 Jahre seien eine gute Gelegenheit für eine Jubiläumsfeier, denn jetzt seien noch Zeitzeugen greifbar, die aus den Geschehnissen berichten könnten, so Högemann. Als Zeitzeugen und Referenten begrüßte sodann Ortsbürgermeister Uwe Dietrich drei damalige Kommunalpolitiker: Karl-Heinz Vehring, ehedem Oberstadtdirektor, sowie Hans-Joachim Wiedorn und Georg Niemeyer, zwei „Rebellen“ und heutige Ehrenortsratsmitglieder.

Vor dem politischen Rückblick erhielt Diakon Christian Eilers das Wort. Als Vertreter der Kirchengemeinde war er gebeten worden, „etwas Geistliches zu sagen“. 1540-mal, so oft werde das Wort „Haus“ in der Bibel genannt. Ein Haus für die Gemeinde, das sei das Gemeinschaftshaus in der Tat. Pfarrfeste, Tanz zum Pfarrfest, Vereinsjubiläen, Glaubenswochen, Dekanatsmessdienertage, Discoabende, Nikolausfeiern, Prunksitzungen der Landjugend, Karneval der Senioren, grüne, Silber- und Goldhochzeiten und sogar Gottesdienste in Zeiten der Kirchenrenovierung – eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit – verdeutlichte Eilers die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Hauses.

Vehring, von Högemann als Redner bezeichnet, der „jetzt im Rentenalter anders reden darf, als er noch in Amt und Würden war“, schilderte anschaulich, wie sich die Stadt Lingen und ihre umliegenden Gemeinden in der Zeit nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland zeigten. Nicht gut habe es ausgesehen. Arbeitsplätze und Infrastruktur zu schaffen seien die großen Aufgaben der damaligen Zeit gewesen. Die Gebietsreform, bei der am 1. März 1974 die Gemeinde Holthausen-Biene der Stadt Lingen zugeschlagen wurde, stieß bei der Bevölkerung im Prinzip auf Ablehnung. „Holthausen-Biene, Brögbern, Plankorth, Bawinkel und Duisenburg wollten Nordgemeinde sein.“

Dass die Stimmung gegen die Umwälzungen war, konnte auch Wiedorn bestätigen, der einen Backstein in seinem Auto vorgefunden habe, nachdem der Gemeinderat 1969 zunächst für den alleinigen Namen „Holthausen“ gestimmt habe, so der Redner, der „vor 40 Jahren ungläubig mit dem Kopf geschüttelt hätte, wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich sollte heute etwas zum Dorfgemeinschaftshaus erzählen“. Genau dies tat aber Wiedorn, gemeinsam mit Niemeyer. Untermalt mit Fotos von Paul Herbers – die 70er-Jahre-Mode brachte manchen zum Schmunzeln –, plauderten beide über die Planungen zum Dorfgemeinschaftshaus, das unter großem Druck entstanden sei, weil der Baubeginn noch vor dem 1. März 1974 habe stattfinden müssen – also vor der Gebietsreform.

„Im Ort sind wir oft gescholten worden für den „Betonbau“, aber von außerhalb sind wir gelobt worden“, erinnert sich Niemeyer. Vorreiter sei man damals gewesen, denn das Dorfgemeinschaftshaus sei das erste seiner Art in der Region gewesen.

Aber es wurde am Sonntag nicht nur in der Vergangenheit geschwelgt, sondern auch an den Nachwuchs gedacht. So sorgte Dirk Herzog mit dem Musikverein und insbesondere durch Einlagen von Nachwuchsmusikern für Abwechslung. Von lebendigem Gemeinschaftssinn zeugten auch die köstlichen Torten, deren Verkaufserlös der Fugensanierung der Kirche gespendet werden soll.

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