Seit 13 Jahren wird geräumt Kampfmittelbeseitigung auf der Nordhorn-Range

Von Wilfried Roggendorf


Nordhorn. Seit die Bundeswehr 2001 den Luft-Bodenschießplatz Nordhorn-Range von der britischen Royal Air Force übernommen hat, werden dort systematisch Altlasten aus dem Boden des 2300 Hektar großen Platzes geräumt. Dabei handele es sich sowohl um Munition aus dem 2. Weltkrieg als auch aus der Zeit, als die Briten die Range betrieben haben, wie Platzkommandant Major Hajo Neue erklärt.

„Jedes Jahr mit Beginn der niedersächsischen Sommerferien beginnen die Räumarbeiten“; so Neue. Dann würde solange gesucht und geräumt, bis der Bodenfrost die Fortsetzung der Arbeiten verhindere. Das Gelände der Range sei in 50 mal 50 Meter große Suchabschnitte eingeteilt worden. „Diese gehen die Mitarbeiter ziviler Kampfmittelbeseitigungsdienste systematisch ab.“ Wie schnell die Arbeiten vorangingen, hänge auch davon ab, wie viel Munition gefunden werde und wie aufwendig deren Beseitigung sei. „Die Funde reichen von harmlosen Patronenhülsen bis hin zu Luft-Boden-Raketen mit scharfem Zünder“.

Das Gelände der Range ist in drei Munitionsbelastungskategorien eingeteilt. Rund 1300 Hektar gehören der Kategorie A an. Dort wird nur eine geringe Belastung erwartet. Die Kategorie B umfasst eine Fläche von 890 Hektar und ist mittelmäßig belastet. Besonders abgegrenzt und mit Warnschildern versehen sind 35 Hektar mitten auf der Range. Sie gehören in die Kategorie C. „Dort herrscht eine große Dichte an Altlasten im Boden“, erklärt der Platzkommandant. Zugleich weist er darauf hin, dass es generell lebensgefährlich sein kann, das Gelände der Range unerlaubt zu betreten.

In diesem Jahr hätten die Kampfmittelbeseitiger bislang rund 34 Hektar geräumt. Dabei seien 96676 Kampfmittel mit einem Gewicht von 52239 Kilogramm gefunden worden. Aber auch Schrott, von der alten Schraube bis zum Stacheldrahtrest, finden die Arbeiter mit ihren Sonden, die auf die Veränderung des Magnetfeldes durch das Altmetall im Boden reagieren. „Davon haben wir dieses Jahr rund 22000 Kilogramm entsorgt.“ Bis jetzt seien seit Beginn der Räumaktionen vor 13 Jahren insgesamt 244 Hektar des Platzes auf diese Art geräumt worden. Bis der Boden von Nordhorn-Range von seinen Altlasten endgültig befreit ist, dürfte es noch viele Jahre dauern.

Welche Abschnitte der Range jeweils geräumt werden, hängt nicht nur vom Belastungsgrad, sondern auch von der jeweiligen Gefährdung ab. Grundsätzlich gingen die Räumtrupps von „außen nach innen“ vor. Aber auch beispielsweise entlang von Wegen werde bevorzugt sondiert und geräumt. Dies treffe auch auf Abschnitte zu, die forst- oder landwirtschaftlich genutzt oder bearbeitet werden sollen.

Altlasten aus der Zeit, seit der die Bundeswehr den Platz betreibt, finden sich auf Nordhorn-Range laut Neue nicht. „Nach jedem Übungsschießen oder Übungsabwurf räumen wir sofort auf“, versichert der Offizier. Rund um die Bombenabwurfziele und hinter den Zielfeldern für das Schießen mit Bordkanonen ist der Boden sauber geharkt. „Dadurch erkennen wir die Einschlagstellen genau und finden alle Rückstände im Boden schnell auf.“ Dies sei durchaus vergleichbar damit, wie an einer Weitsprunggrube in der Leichtathletik gearbeitet würde, erklärt Neue auf Nachfrage schmunzelnd.