Ev.-luth. Kirchenkreistag Luther und die „evangelische Freiheit“ in Lingen

Über „Reformation und Politik“ referierte Landtagspräsident Bernd Busemann. Zum Vorstand gehören (v.l.) Ulrike van der Ven, Thorsten Jacobs, Thomas Claußen, Vorsitzender des Kreiskirchentages, Superintendent Bernd Brauer und Daniel Aldag, Leiter des Kirchenkreisamtes. Foto: Johannes FrankeÜber „Reformation und Politik“ referierte Landtagspräsident Bernd Busemann. Zum Vorstand gehören (v.l.) Ulrike van der Ven, Thorsten Jacobs, Thomas Claußen, Vorsitzender des Kreiskirchentages, Superintendent Bernd Brauer und Daniel Aldag, Leiter des Kirchenkreisamtes. Foto: Johannes Franke

Lingen. Mit einem Gottesdienst in der Johanneskirche haben Pastor Thorsten Jacobs vom Kirchenkreistagsvorstand und Pastor Philipp Wollek mit den Mitgliedern des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim die Sitzung ihres Kirchenkreistages eröffnet.

In seiner Predigt thematisierte Wollek zum ausgehenden Kirchenjahr den Sinn des Lebens und Sterbens. Mit der Feststellung der Beschlussfähigkeit und der Tagesordnung sowie dem Vortrag des Landtagspräsidenten, Bernd Busemann, zum Reformationsjubiläum und diesjährigem Themenjahr „Reformation und Politik“ begann die offizielle siebte Sitzung des Kirchenkreistages in der Wahlperiode 2013 bis 2018.

Die Ausführungen und Überlegungen standen unter der Frage: „Welche Bedeutung kann das Erbe der Reformation heute für eine Politik aus christlicher Verantwortung haben?“ Busemann ging dabei auf das Kloster Frenswegen ein, das in diesem Zusammenhang ein „herausragendes Denkmal und Wahrzeichen“ sei. An seiner Geschichte ließen sich exemplarisch die wechselvollen Beziehungen zwischen den Konfessionen und den wechselnden Staatswesen ablesen. Im historisch-, gesellschafts-politisch und konfessionellen Kontext beleuchtete der die Frage nach „gelebter Ökumene“ in der Grafschaft und dem Emsland.

Im Vorfeld der 500-Jahrfeier des Thesenanschlages ließe sich beobachten, „dass die Bedeutung Luthers als Theologe und Kirchenlehrer auch überkonfessionell besonders wahrgenommen wird.“ So habe die Reformation einen „wesentlichen Anstoß hin zur Entwicklung unserer freiheitlichen, westlichen staats- und Gesellschaftsform gegeben.“

Für ihn seien die wichtigsten theologischen und philosophischen Gesichtspunkte, die uns die Reformation in den Blick gerückt habe, die „Evangelische Freiheit“.

Der Mensch habe nach Luthers Lehre die Freiheit, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Daraus erwachse „Verantwortung für die gesamte Schöpfung, besonders aber für unsere Mitmenschen, für das Gemeinwesen, in dem wir leben.“

Der Landtagspräsident bezog seine Ausführungen auf unterschiedliche Gesellschaftsformen, vor allem auf die freiheitlich-soziale Demokratie, den Rechtsstaat, zu der sich die Kirchen bekennen und für soziale Verantwortung und Subsidiarität einträten.

m Sozialwort der Kirchen hieße es: „Marktwirtschaftliche Ordnungsprinzipien sind ein unverzichtbares Element bürgerlicher Freiheit und die Bedingung innovativen unternehmerischen Handelns.“ Die Bejahung unserer Gesellschaftsordnung durch die Kirchen sei auch deshalb konsequent: „Weil die christlichen Sozialethiken das theoretische Fundament für den Aufbau des freien Deutschlands nach 1945 waren.“

Zu einer Politik in christlicher Verantwortung gehöre für den Landespolitiker auch die „Verteidigung des gewachsenen und bewährten Staatskirchenrechts.“ Die „Evangelische Freiheit“ gelte für das politische Handeln der Mandatsträger, die letztlich ihren Gewissensentscheidungen verantwortlich seien. Respekt vor dem anders denkenden Mitbewerber gehöre für ihn zu einer glaubwürdigen Politik. Abschließend nannte Busemann drei Beispiele für eine Politik aus christlicher Verantwortung: Umwelt- und Naturschutz, Stopp der Verschuldungspolitik auf Bundes- und Landesebene sowie die Zuflucht für eine große Zahl von Flüchtlingen in Deutschland.

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