Schaufensterpuppen „erzählen“ Ausstellung über häusliche Gewalt in Lingen

Von Thomas Pertz


Lingen. Schaufensterpuppen, modisch gekleidet mit den Trends der Saison – die kennt jeder. Solche, wie sie nächste Woche im Ärztehaus Medikus Wesken in Lingen zu sehen sind, nicht. Sie sind Teil der Ausstellung „Angst trifft Mut“und holen das Thema häusliche Gewalt aus der Tabuzone in den öffentlichen Raum.

Die Puppen haben Namen, sie heißen Marianne, Elif oder Hylia. Gewalt an Frauen, ob handgreiflich oder auf die Psychotour, ist keine Frage der jeweiligen Nationalität.

Die Ausstellung organisiert hat ein Arbeitskreis, in dem SkF und SKM, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lingen und die Polizei mitwirken. Diese Institutionen knüpfen in der Stadt Lingen ein Netzwerk an Hilfen, um von Gewalt betroffene Frauen zu unterstützen.

Die Ausstellung dient nicht nur dazu, das Thema häusliche Gewalt aus der Anonymität der eigenen vier Wände zu holen und über die Schaufensterpuppen auch optisch in den öffentlichen Raum zu stellen. Sie will zusätzlich deutlich machen, dass häusliche Gewalt keine Frage der sozialen Schicht ist. Die Puppen stehen für Einzelschicksale unterschiedlicher Herkunft und Nationalität. Die Biografien berichten von Personen, die auch aus Lingen, Lünne oder Lengerich kommen können.

Im Lingener Frauen- und Kinderschutzhaus haben nach Angaben ihrer Leiterin Monika Olthaus-Göbel in diesem Jahr bereits 49 Frauen und 51 Kinder Zuflucht gesucht. Die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) des SkF registrierte 2014 bislang 233 von der Polizei aufgenommene Fälle von häuslicher Gewalt. Hinzu kämen 28 Selbstmelder.

Mut machen

Michael Lammel vom SKM wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Lingen auch spezielle Angebote für Täter gebe. Dieses Antiaggressionstraining sei ziemlich intensiv „und nichts, wo man mal eben so hingeht“, so Lammel.

Die Ausstellung im Medikus Wesken-Haus will aber nicht nur einzelne Schicksale aufzeigen. Sie möchte auch, wie der Name der Ausstellung bereits sagt, Mut machen: Betroffene Frauen müssen diese Demütigungen nicht aushalten, es gibt Hilfen – auch ganz in der Nähe.

Die unmittelbare Nähe der Ausstellung zu den Ärzten im Medikus Wesken-Haus hat außerdem noch einen weiteren Effekt. Sie sensibilisiert die Ärzte, bei Verletzungen von Frauen noch genauer hinzuschauen oder nachzufragen. „Es ist nicht immer der Treppensturz, der blaue Flecken verursacht“, sagte Lammel.

Die Ausstellung im Medikus Wesken, Am Wall Süd 20a in Lingen, ist vom 26. November bis 10. Dezember von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr zu sehen.

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