Interview mit Vertretern des Gesundheitsnetzwerkes Genial Hentrich: Gemeinschaftspraxis hat Vorteile

Engagieren sich: Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung des Gesundheitsnetzwerkes Genial. Foto: StarkeEngagieren sich: Aufsichtsrat, Vorstand und Geschäftsführung des Gesundheitsnetzwerkes Genial. Foto: Starke

Lingen. Der Trend in der Region zur Etablierung von Gemeinschaftspraxen von Ärzten wird zunehmen. Diese Auffassung hat der Vorsitzende des Gesundheitsnetzwerkes Genial, Wolfgang Hentrich, im Interview mit unserer Zeitung unterstrichen. Weitere Gesprächspartner waren sein Stellvertreter Dr. Hans-Joachim Rosch und Geschäftsführer Christoph Schwerdt.

Herr Hentrich, Sie sind Vorsitzender des seit fünf Jahren bestehenden Lingener Gesundheitsnetzwerkes Genial, das sich eine gute ärztliche Versorgung auch in der Zukunft auf seine Fahnen geschrieben hat. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus, dass die Patienten im Raum Lingen in fünf oder zehn Jahren besser als anderswo versorgt werden?

Hentrich: Wir entwickeln Konzepte zur verbesserten Zusammenarbeit sowohl innerhalb der niedergelassenen Ärzteschaft als auch mit den anderen Anbietern im Gesundheitswesen. Beispiele dafür sind schon jetzt das Besuchsarztmodell für Pflegeheimbewohner und das gemeinsame Wundversorgungskonzept mit dem St.-Bonifatius-Hospital. Hier werden Sektorengrenzen zur Pflege und zwischen ambulanter und stationärer Behandlung überwunden. Das gelingt uns hier in Lingen, weil auch die anderen Berufsgruppen kooperativ und innovativ ausgerichtet sind. Diese Bereitschaft, neue Wege zu gehen, ist hier besonders ausgeprägt. Deshalb wird Lingen einen Standortvorteil entwickeln.

Herr Dr. Rosch, wie beurteilen Sie als zweiter Vorsitzender von Genial die Bemühungen des Landkreises, durch das Meilenstein-Programm jetzt Ärztinnen und Ärzte für das Emsland zu gewinnen?

Rosch: Zunächst muss man das Engagement des Landkreises würdigen. Fachkräfte im Gesundheitswesen werden zukünftig Mangelware sein. Alle Ebenen der Kontaktaufnahme und Kommunikation sind zu begrüßen. Wie effektiv solche Programme sind, wird die Zukunft zeigen.

Herr Hentrich, wird es Ihrer Einschätzung nach auf Dauer in der Region nur noch Gemeinschaftspraxen geben?

Hentrich: Ärzte sind noch Freiberufler. Insofern ist auch die Ausgestaltung ihrer Praxis eine individuelle Entscheidung. Auch wenn eine Einzelpraxis nicht grundsätzlich eine schlechtere Lösung ist als eine Gemeinschaftspraxis, zeigt die Entwicklung eine klare Tendenz zu kooperativen Lösungen. Ich persönlich kenne beide Formen und sehe die Vorteile eindeutig bei der Gemeinschaftspraxis . Langfristig wird die Einzelpraxis in der Primärversorgung nach meiner Auffassung eine Seltenheit werden.

Herr Dr. Rosch, Angestellte in den Arztpraxen können jetzt eine 260-stündige Weiterbildung absolvieren, um durch die neu erworbenen Fachkenntnisse die Ärzte zu entlasten. Bis zu welchem Grad ist das möglich?

Rosch: Die zunehmenden Patientenzahlen bei gleichzeitig abnehmender Anzahl niedergelassener Ärztinnen und Ärzte machen eine Veränderung der Praxisorganisation notwendig. Dafür erwerben Medizinische Fachangestellte zusätzliche Kenntnisse, die es ihnen ermöglichen, zusätzliche Aufgaben wie zum Beispiel Hausbesuche bei älteren Patienten durchzuführen. Diese Tätigkeiten sollen aber nicht die ärztliche Behandlung ersetzen, sondern ergänzen und effektiver gestalten. Ganz ohne ärztliches Wissen wird es auch zukünftig nicht gehen.

Herr Schwerdt, Sie sind als Geschäftsführer für Genial tätig. Wie sieht Ihr Aufgabenspektrum aus?

Schwerdt: Das Aufgabengebiet ist sehr vielfältig. Auf der einen Seite entlaste ich den Vorstand von den bürokratischen und organisatorischen Aufgaben. Auf der anderen Seite gilt es, die Kommunikation innerhalb des Ärztenetzwerkes zu verbessern und zu intensivieren. Die ständige Qualitätssicherung, Fortbildung und Schulung der Ärzte und Angestellten zur Verbesserung der Patientenversorgung ist uns ein großes Anliegen und wird daher von uns im Rahmen von Ärztekongressen, Workshops, Qualitätszirkeln und Ähnlichem mehr sichergestellt.

Die Kommunikation mit Vertretern aus Politik, Gesundheitspolitik, Wirtschaft, Krankenkassen, Krankenhäusern, Altenpflegeeinrichtungen, ambulanten Einrichtungen, Pharmaindustrie gehört ebenso zu meinen Aufgaben. Der fachliche Austausch mit anderen Ärztenetzwerken auf Landes- und Bundesebene ist essenziell und unterstützt uns in dem Bestreben, Genial als anerkanntes Netzwerk zu zertifizieren.

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