Prothese individuell angepasst Neues Verfahren im Lingener Bonifatius-Hospital

Von Wilfried Roggendorf

Astrid Kuipers ist mit ihrem neuen Kniegelenk ebenso zufrieden wie Chefarzt Dr. Holger Alex mit dem Verlauf der Operation und den Fortschritten seiner Patientin danach. Foto: Wilfried RoggendorfAstrid Kuipers ist mit ihrem neuen Kniegelenk ebenso zufrieden wie Chefarzt Dr. Holger Alex mit dem Verlauf der Operation und den Fortschritten seiner Patientin danach. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Schneller als erwartet ist Astrid Kuipers nach einer Operation am 15. Juli wieder auf die Beine gekommen – und dies im wahrsten Sinne des Wortes: Die 57-Jährige hat im Lingener Bonifatius-Hospital ein neues, individuell angepasstes Kniegelenk erhalten.

Weihnachten 2013 fingen bei Kuipers die Beschwerden an. „Ich hatte starke Schmerzen im linken Knie und konnte kaum noch Stehen oder Treppensteigen.“ Ihr Orthopäde überweist Kuipers an das Lingener Bonifatius-Hospital. Dort ist Dr. Holger Alex, Chefarzt der Orthopädie , schnell klar, das die in der Grafschaft Bentheim lebende Niederländerin ein künstliches Kniegelenk benötigt.

Gemeinsam mit seiner Patientin hat sich Alex dafür entschieden, eine individuell auf Kuipers angepasste Prothese einzusetzen. Der Chefarzt erklärt den Unterschied zu den in sieben Größen erhältlichen Standardmodellen: „Bei der individuell angepassten Prothese wird mithilfe von Aufnahmen per Computertomografie ein dreidimensionales Modell des Patientenknies erstellt und danach das Implantat angefertigt.“ Dieses sei auf die Anatomie des Patienten angepasst. So müsse bis zu 25 Prozent weniger Knochen entfernt werden, und auch eine Anpassung beispielsweise der Bänder an die Prothese könne entfallen. „Diese Prothese sitzt wie angegossen.“

Weltweit einziger Anbieter dieser individuellen Kniegelenke ist laut Alex derzeit ein US-amerikanischer Hersteller . In Deutschland werde dieses Verfahren seit vier Jahren angewandt. Nachdem damit „große und renommierte Kliniken“ gute Erfahrungen gemacht hätten, habe er im Juni erstmals ein solches Knieimplantat eingesetzt. „Das war übrigens im Krankenhaus Sögel“, berichtet Alex, der seitdem bereits 20 individuell angepasste Kniegelenke eingesetzt hat.

Der Chefarzt betont, dass er die Indikation nicht alleine stelle. „Den Zeitpunkt der Operation legt der Patient selber fest.“ Wenn der Leidensdruck des Patienten zu hoch werde, sei die richtige Zeit da. Allerdings dauere es rund sieben bis acht Wochen, bis die Prothese angefertigt und aus den USA in Deutschland eingetroffen sei. Die Kosten nur für das Implantat seien mit etwa 4000 Euro mehr als doppelt so hoch wie bei einem Standardmodell. „Ich setze individuell angepasste Prothesen in der Regel bei jungen oder noch sehr aktiven Patienten ein.“ Dann würden die Kosten in der Regel auch von der Krankenkasse übernommen.

Astrid Kuipers kann als „sehr aktiv“ bezeichnet werden. Sie ist Restaurantleiterin im Tierpark Emmen . „Ich habe am 1. Oktober und damit früher als gedacht wieder angefangen zu arbeiten“, berichtet sie. Und das klappe wunderbar. Bereits zehn Tage nach der OP sei sie aus dem Lingener Krankenhaus entlassen worden. „Nach zwei Wochen bin ich bereits wieder Fahrrad gefahren, und das nicht nur auf dem Ergometer in der Reha, sondern auch mit dem richtigen Fahrrad draußen.“

Im nächsten Jahr möchte Kuipers dann ihr rechtes Knie operieren lassen. „Es ist bei Arthrosepatienten sehr häufig, dass beide Kniegelenke betroffen sind“, erläutert Alex. Aber er sieht darin, ebenso wenig wie seine Patientin, kein Problem: „Mit einer solchen Operation wird schließlich ein Stück Lebensqualität wiederhergestellt.“