Arbeitskreis Schule-Wirtschaft zu Gast bei Rosen in Lingen Ziel ist mehr Praxisnähe für die Lehrer im Emsland

Von Carsten van Bevern


Lingen. Rund 30 Pädagogen vom Referendar bis zum Schulleiter haben jetzt die Rosen-Gruppe im Lingener Industriepark besucht. Organisiert hat den Besuch der vor über 30 Jahren gegründete Arbeitskreis Schule-Wirtschaft im Emsland. Wie fördert man die Wirtschaftsnähe von Lehrern? Zu dieser und weiteren Fragen hat sich die Arbeitskreisvorsitzende Irmgard Pöling aus Anlass des Rosen-Besuches in einem Interview mit unserer Zeitung geäußert:

Waren Lehrer vor 30 Jahren zu wirtschaftsfremd – oder warum ist vor über 30 Jahren der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft im Emsland gegründet worden?

Vor 30 Jahren war die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft, wie sie heute zum Beispiel durch Partnerschaften von Schulen mit Wirtschaftsbetrieben vielerorts praktiziert wird, tatsächlich durchaus nicht selbstverständlich. So ging es anfangs darum, den Dialog zwischen Schulen und Unternehmen überhaupt in Gang zu bringen, Informationslücken zu schließen und gegenseitige Vorbehalte abzubauen. Heute noch nutzen Lehrkräfte gern die Möglichkeit, über den Tellerrand der eigenen Fächer zu schauen und sich aus erster Hand über wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu informieren.

Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Seit Bestehen des AK Schule-Wirtschaft Emsland wurden bei rund 160 Veranstaltungen etwa 5200 Teilnehmer erreicht. So ist es gelungen, die Kluft zwischen Schulen und Wirtschaftsbetrieben zu schließen. Hinzu kommt, dass angesichts der rasanten Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsbedingungen und der Globalisierung der Bereich Wirtschaft in den Lehrplänen der Schulen eine viel größere Rolle spielt als früher. Versierte Lehrkräfte greifen hier gern auch auf Unterrichtsbeispiele aus der Region zurück. Gleichzeitig erhalten sie Informationen über verschiedenste Berufe und können ihre Schüler so besser auf den Übergang in die Berufswelt oder ein Studium vorbereiten, Schülerpraktika oder Schulpartnerschaften mit Wirtschaftsbetrieben vereinbaren.

In welchen weiteren Bereichen engagiert sich der Arbeitskreis Wirtschaft-Schule?

Wir bieten von Fall zu Fall noch Fachvorträge zum jeweiligen Jahresthema an. Ich würde mich zudem sehr freuen, wenn es gelänge, die Tradition mehrtägiger Exkursionen und Lehrerfortbildungen in den Ferien wiederzubeleben. Das ist aber nicht zuletzt eine Frage der Finanzierung. Auch die Nachwuchsgewinnung liegt mir weiter sehr am Herzen. Deshalb habe ich vor kurzem in einem Brief an sämtliche Schulen im Emsland noch einmal dargelegt, wie interessant die Eindrücke und Erfahrungen, die man in den Betrieben bekommt, für Lehrkräfte aller Fachrichtungen sind.

Neben dem Arbeitskreis leiten Sie das Studienseminar Meppen , in dem Nachwuchslehrer im Emsland und der Grafschaft Bentheim ausgebildet und zum zweiten Staatsexamen geführt werden: Welche Bedeutung haben dabei praxisnahe Fragestellungen und Kontakte zur Wirtschaft?

Wir sind von jeher sehr bemüht, die Referendare alltagstauglich auszubilden, damit sie möglichst gut auf ihren Dienst als Gymnasiallehrer vorbereitet sind. Und um Schülern die Berufswelt angemessen nahe bringen zu können, sind Kontakte zur Wirtschaft unerlässlich. Deshalb ist das Studienseminar bereits 2005 eine Kooperation mit der RWE am Standort Lingen eingegangen, um dieses Unternehmen als außerschulischen Lernort für die Referendare zu nutzen. Zudem können die Referendare an den Veranstaltungen des AK Schule-Wirtschaft teilnehmen, davon machen sie erfreulicherweise regen Gebrauch.


Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft

Der Arbeitskreis (AK) Schule-Wirtschaft im Emsland ist 1983 auf Initiative des Industriellen Arbeitgeberverbandes Osnabrück-Emsland ins Leben gerufen worden. Gründungsmitglieder waren interessierte Lehrkräfte rund um Hermann Wilmes , der den AK bis 2013 auch leitete. Eine Besonderheit niedersachsenweit ist, dass der AK Emsland von einer Studienseminarleiterin geführt wird.