Theaterstück verwirrt Zu viel Klamauk im „Jenseits von Eden“ in Lingen

Cathy (rechts) und ihre Eltern: eine Szene aus der Aufführung des Stückes „Jenseits von Eden“. Foto: Elisabeth TonderaCathy (rechts) und ihre Eltern: eine Szene aus der Aufführung des Stückes „Jenseits von Eden“. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Liebe und Hass, Gut und Böse, Arm und Reich: In John Steinbecks großem Roman „Jenseits von Eden“, dessen Theateradaption als Gastspiel des Euro-Studio Landgraf in Lingen zu sehen war, prallen die Gegensätze aufeinander.

Amerika zwischen Bürgerkrieg und Erstem Weltkrieg: Vor dieser historischen Kulisse spielt die verzweigte Familiensaga um die Familien Trask und Hamilton, in denen sich die Gegensätze der amerikanischen Gesellschaft spiegeln – die einen haben es geschafft, für die anderen bleibt der US-amerikanische Traum Utopie.

Im Mittelpunkt steht Adam Trask, die Rivalität mit seinem Bruder Charles um die Liebe der Eltern, die sich später bei seinen Söhnen Caleb und Aron wiederholt. Seine Frau, die Hure Cathy, verlässt Adam unmittelbar nach der Geburt der ungleichen Zwillinge. Gleich zweimal thematisiert Steinbeck in seinem Roman den Kain-Abel- und den Vater-Sohn-Hass-Liebe Konflikt.

Es geht um die Abgründe der menschlichen Seele, um den Traum vom Glück, um die Frage, warum das Böse eine so große Faszination ausübt, wodurch der Mensch zum wahnhaft Getriebenen wird. „Jenseits von Eden“ ist ein Roman von alttestamentarischer Wucht, von der in der Inszenierung von Alexander Schilling kaum etwas zu spüren ist. Im Gegensatz zu dem Kultfilm von Elia Kazan mit James Dean, der nur den Vater-Sohn-Konflikt im vierten und letzten Teil des Romans zeigt, hat die Dramaturgin Ulrike Syha den gesamten Handlungsverlauf in einen Theaterabend gezwängt. Das kann nicht funktionieren.

Damit die Zuschauer einen Überblick über die komplexen Zusammenhänge und vielen Handlungsstränge bekommen, agieren mehrere Erzähler, die gleichzeitig auch andere Rollen spielen. Das ist viel Stoff, deshalb muss es sehr schnell gehen (den acht Schauspielern gebührt hier ein großes Lob, denn sie schaffen es, bei dem rasanten Sprechtempo verständlich zu sein).

Ständiger Szenenwechsel

Die Szenen wechseln dauernd, die acht Schauspieler wechseln ihre Rollen teilweise mitten auf der Bühne, neue Figuren tauchen auf, die oft schwer zuzuordnen sind, mehrere Rückblenden schaffen weitere Verwirrung. Die Handlung wird durchgepeitscht, die Schauspieler hetzen und schreien viel. Das geht auf Kosten der Emotionen, stattdessen gibt es viel Slapstick und Klamauk, was diesem Stoff nicht angemessen ist. Cathy, die das Böse personifiziert, tritt teilweise wie ein albernes Püppchen auf, ihre Eltern kommen als Schießbudenfiguren daher. Von der düsteren Faszination des Bösen ist nichts spürbar.

Das Beste ist das grandiose Bühnenbild von Stephan Mannteufel, das die Ebenen der Story visualisiert. Ein amerikanisches Blockhaus auf Pfählen symbolisiert den Traum vom Glück, darunter, fahl beleuchtet, die Unterwelt mit dem Bordellbett vor der kargen Landschaft Salinas. Die Szene, in der Caleb die Bretter aus dem Boden des Hauses reißt, um seinem Bruder die Mutter in diesem Bett zu zeigen, ist ergreifend, bleibt aber eine Ausnahme.

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