Haydns Schöpfung Oratorium in Lingener Kirche wird mit Chören zum Fest

Von Sebastian von Melle

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Über 100 Mitwirkende  waren bei Haydns Schöpfung in der Lingener St.-Bonifatius-Kirche beteiligt. Foto: Sebastian von MelleÜber 100 Mitwirkende waren bei Haydns Schöpfung in der Lingener St.-Bonifatius-Kirche beteiligt. Foto: Sebastian von Melle

Lingen. Es ist immer ein Ereignis, wenn Kirchenmusikdirektor Joachim Diedrichs in St. Bonifatius ein großes Chorkonzert gibt: nach dem Verdi-Requiem 2012 nun „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn.

„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, hatten wir das nicht in der Schule? In der Tat fällt es auch dem musikalischen Laien nicht schwer, sich einzuschwingen in die Lautmalereien der Erschaffung der Welt mit allem, was da kreucht und fleucht.

Lebensbejahend und aufklärerisch zugleich kommt der Katholik und Freimaurer aus Wien daher mit seinem großen Oratorium , das in drei Teilen vom Chaos „im Anfange“ bis zum Liebesglück der ersten Menschen das ganze Universum in sich vereinigt. Menschenbild und Rollenverteilung zwischen Frau und Mann sind heute zwar etwas differenzierter als 1798, sodass bei der Arie „Mit Würd’ und Hoheit angetan“ und dem Duett „Holde Gattin – Teurer Gatte“ ein Lächeln unvermeidbar scheint.

Der von Natur aus neugierige Haydn aber hätte sich gefreut über die Erfolge der Raumfahrt und Philaes Landung womöglich nachträglich in sein Epos eingebaut. Leichtfüßig illustriert der Komponist mit großem Orchester die einzelnen Schöpfungstage, die Erschaffung des Lichtes in strahlender C-Dur, den funkelnden Sternenhimmel, den Aufgang von Sonne und Mond, die verschiedenen Tiere im Wasser, zu Lande und in der Luft. Da war viel Leises und Zartes zu hören, Strahlendes, auch Lautes, Hohes und Tiefes.

Mit allen Registern wartet Haydn auf, von denen das Kontrafagott am meisten auffällt. Concertino Lingen (Leitung: Dirk Kummer), Bläser der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und weitere Gastmusiker bildeten einen homogenen und zuverlässigen Klangkörper, der den Solisten viel abverlangte. Die Sopranistin Martina Rüping aus Berlin (mit schönem Staunen beim ersten Einsatz), der flexible Tenor Max Ciolek aus Osnabrück und der starke Bassbariton Thilo Dahlmann aus Solingen waren gut aufeinander eingestellt und vor allem in den Duetten und Terzetten überzeugend. Ihre Rezitative und Arien hätten noch etwas mehr Wärme in den großen, voll besetzten Sakralraum bringen können.

Größter Schöpfungsglanz jedoch lag in den Chören, die die einzelnen Abschnitte des Oratoriums zum Fest werden ließen. Gut zu verstehen und exakt phrasiert konnte der bestens vorbereitete Kirchenchor sogar manche Temposteigerung mitmachen, wo viele andere ausgestiegen wären. Die Fugen „Alles lobe seinen Namen“ und „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit“ werden im Lingener Gedächtnis bleiben. Diedrichs und den über 100 Mitwirkenden war selbst bei der Zugabe „Vollendet ist das große Werk“ keine Er-Schöpfung anzumerken. Wir dürfen auf das nächste Chor-Ereignis in St. Bonifatius gespannt sein.

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