Hochschule öffnet sich für alle Seniorencampus Lingen erreicht sein Ziel

Von Wilfried Roggendorf


Lingen. Eine Menge „ältere Semester“ waren jetzt auf dem Campus Lingen zu sehen: Am ersten Seniorencampus der Hochschule haben 150 Interessierte teilgenommen.

Erwin Heinen, Seniorenberater der Stadt Lingen, war zufrieden: „Am Donnerstag stand die Ankündigung in der Zeitung , und Freitagmittag war die Veranstaltung mit 150 Anmeldungen restlos ausgebucht.“ Und Prof. Jürgen Adamek, der die erste Vorlesung der neuen Veranstaltungsreihe auf dem Campus Lingen hielt, enttäuschte seine Zuhörer nicht. Der Hochschullehrer sprach über moderne Mess- und Analysemethoden. Mit seinen praktischen Alltagsbeispielen, die alles andere als nur graue Theorie boten, zog Adamek die Zuhörer in seinen Bann.

So erklärte er den Senioren die gesundheitlichen Auswirkungen, die Schwingungen einer Maschine auf den Bediener haben können, an einem Handmixer. Adamek rechnete die sonst beispielsweise für Baggerfahrer erlaubten Grenzwerte auf das Anrühren des Teigs beim Kuchenbacken um und kam zu einem überraschenden Ergebnis. „Länger als eine Stunde und 48 Minuten täglich mit einem Handmixer zu arbeiten, liegt über den von der EU festgelegten Grenzwerten.“ Für häuslichen Unfrieden in der vorweihnachtlichen Zeit, in der viel gebacken werde, wolle er damit aber keinesfalls sorgen, betone Adamek. „Die Grenzwerte gelten im Beruf. Privat können Sie mixen, solange Sie wollen.“

Seine männlichen Zuhörer dürften sich nach dem Seniorencampus hüten, ihre Autotüren allzu fest zuzuschlagen. Adamek bewies mittels Aufnahmen einer Hochgeschwindigkeitskamera, die bis zu 8000 Bilder pro Sekunde schießt, dass die Seitenscheibe in diesem Fall bis zu vier Zentimetern hin und her schwingt. „Glas ist ein elastisches Material, aber irgendwann ...“

Die Herausforderung, der sich Adamek selbst gestellt sah – „die einen nicht zu langweilen und die anderen nicht zu überfordern“ – meisterte der Professor mit Bravour.

Beigetragen dazu hat die Art, wie Adamek seine Vorlesung gestaltete. Sie glich einer Mischung aus der „Sendung mit der Maus“, „Wetten, dass“ und „Wer wird Millionär“: Der „Maus“, weil Adamek komplizierte technische Sachverhalte anschaulich wie in den bekannten „Lach- und Sachgeschichten“ demonstrierte. „Wetten, dass“, weil er die vorgesehene Zeit von einer Stunde völlig überzog und nur knapp vor der am Mixer gefährlichen Zeit seine Vorlesung beendete. Dem „Millionär“, weil er seinem Publikum immer wieder Fragen stellte, über die es mittels Abstimmungsgerät entscheiden konnte.

Das Abstimmungsverhalten bei der letzten Frage „Wie hat Ihnen die Veranstaltung gefallen?“, dürfte Adamek besonders gefreut haben: 78 Prozent waren der Meinung: „Meine Erwartungen wurden vollständig erfüllt oder übertroffen.“

Dieser Meinung war auch Ursula Ramelow. Die stellvertretende Vorsitzende der Lingener Seniorenvertretung zog ein „positives Fazit“ des Seniorencampus. Sie kündigte an, aus den Teilnehmern einen Arbeitskreis zu bilden, der Themenvorschläge für die Vorlesungen im nächsten Jahr erarbeiten soll. Das Thema für den nächsten, schon ausgebuchten Seniorencampus am 3. Dezember steht bereits fest: Prof. Christian Henig wird die Funktionsweise von Navigationssystemen erklären. Absicht des Seniorencampus ist es, die Hochschule für alle Altersgruppen in Lingen zu öffnen. Passend zum Thema der nächsten Veranstaltung, darf nach der ersten Vorlesung ruhig die Ansage eines „Navis“ zitiert werden: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“