Kleinkunstreihe des TPZ Verhaltenes von Frida Kahlo als Tango-Ersatz in Lingen

Von Meike Blunk

Die Tänzerin Phuong Mai Tran (links) und die Schauspielerin Sibylle Maria Dordel agierten auf der Bühne des TPZ mit dem Stück „Frida Kahlo“. Foto: Meike BlunkDie Tänzerin Phuong Mai Tran (links) und die Schauspielerin Sibylle Maria Dordel agierten auf der Bühne des TPZ mit dem Stück „Frida Kahlo“. Foto: Meike Blunk

Lingen. Die Schauspielerin Sibylle Maria Dordel und die Tänzerin Phuong Mai Tran haben in der Kleinkunstreihe „Studioprogramm“ des Theraterpädagogischen Zentrums (TPZ) im Lingener Professorenhaus in einer vielschichtig durchdachten und auf verschiedenen Ebenen stattfindenden Inszenierung Frida Kahlo, die berühmteste Malerin Mexikos, lebendig werden lassen.

Im Programmheft war Dordel mit dem Musiker Christian Horn unter dem Titel „Tango überm Abgrund“ angekündigt. Aus persönlichen Gründen konnte Horn den Termin nicht wahrnehmen, sodass kurzfristig umdisponiert wurde. Dordel und Tran brachten das Theaterstück „Frida Kahlo – Ich bin eine Taube, die auf einem Vulkan tanzt“ mit.

Am Anfang mimte Dordel darin Adela, eine ehemalige Freundin der lebenshungrigen und leidenschaftlichen Surrealistin Kahlo. Aus der Sehnsucht heraus, Frida und ihrem prallen Leben noch einmal nahe sein zu dürfen, suchte Adela in einer Tanzbar eine junge Frau aus, die so schöne lange Haare und so zarte Pfirsichhaut hat, wie Frida sie hatte. Adela möchte die junge Frau für ihr Spiel gefügig machen. Mit verbundenen Augen führt Adela sie in einen Raum, der ein Bett mit roten Kissen, eine Staffelei mit einem Selbstporträt Kahlos sowie einen Kleiderständer mit vielen Kleidern beherbergt. Dort soll sie unter ihren Anweisungen zu Frida werden.

Erwachsen werden

Dafür bezahlt sie. Die junge Frau wird zum Spielball Adelas, die ihr ein Kleid aus Fridas Kindertagen überstülpt. Von nun an muss diese als Frida agieren. Adela erzählt, dass Frida dreimal erwachsen wurde. Das erste Mal mit sechs Jahren, als sie Kinderlähmung bekam und nicht so wie die anderen Kin- der spielen und hüpfen konnte. Stellvertretend für die echte Frida lag nun Adela steif im Bett und ließ die junge Frau das ausführen, was der echten Frida verwehrt war, aber stets zu ihren Wunschträumen gehörte: Seil springen, Karussell fahren und tanzen.

Das Spiel im Spiel verdichtet sich immer mehr und die junge Frau begibt sich mehr in die Rolle der Frida, die mit 18 Jahren einen schweren Busunfall erlitt. Eine Eisenstange durchbohrte ihre Wirbelsäule, das Becken und ihr Schambein. Diese Erfahrungen ließ sie das zweite Mal erwachsen werden. Tran stellte dieses Unglück tanzend mit einer Stange dar.

Spiel und Erzählung wechselten sich mit musikalischen Untermalungen ab. Adela ruft der im Korsett liegenden Frida zu, dass sie aufstehen möge, da die echte Frida sich auch nicht aufgegeben hat. Ihre lebensbejahende Einstellung sowie ihr überschäumendes Temperament haben ihr Kraft und Stärke verliehen. Adela dirigiert mit viel Tequila. Sie möchte Kahlos Liebesbeziehungen zu Frauen und Männern erlebbar machen.

Der Maler Diego Rivera und Kahlo heiraten. Dordel und Tran verkörperten, mit stets wechselnden Kostümen (in der Konsequenz zu viel des Guten) die unterschiedlichen Rollen. Glaubhaft und ausdrucksstark agierten beide Darstellerinnen, doch insgesamt war das Spiel eher verhalten. Ein bisschen mehr expressiver Tanz und die Auseinandersetzung mit Kahlos Malerei hätten dem Stück mehr Biss gegeben.