Rache des verlassenen Stars Musical-Genuss mit „Sunset Boulevard“ im Lingener Theater

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Ihre letzte Rolle: Norma Desmond, dem Wahn verfallen – das Finale im Musical „Sunset Boulevard“. Foto: Peter LöningIhre letzte Rolle: Norma Desmond, dem Wahn verfallen – das Finale im Musical „Sunset Boulevard“. Foto: Peter Löning

Lingen. Als hätte man es geahnt: Das Theater in Lingen füllte sich bis zum letzten Platz für das Musical-Gastspiel „Sunset Boulevard“. Es sollte ein toller Abend werden und die Produktion von Stadttheater Fürth und Euro-Studio Landgraf ein Erfolg.

Die Geschichte mit etwas chaotisch wirkendem Einstieg dreht sich um Norma, einen verblassten Stummfilmstar. Sie trifft auf Joe, der ein erfolgloser Drehbuchautor ist. Er soll für sie das Buch zu einem Film editieren, mit dem sie zurückwill auf die Leinwand; ein hoffnungsloses Unterfangen. Norma verliebt sich in Joe. Joe liebt im Grunde aber Betty, seine ehedem Verflossene. Schlussendlich gibt er beiden den Laufpass, doch – „niemand verlässt einen Star“ – Norma erschießt Joe und verliert darüber ihren Verstand.

Sunset Boulevard, das nicht mehr ganz neue Stück (Uraufführung 1993) von Mr. Musical Andrew Lloyd Webber, ist inspiriert von einem Billy-Wilder-Film mit erfreulich glücklich von Michael Kunze ins Deutsche übersetzten Texten. Es hat Tempo, Witz und vor allem eine Menge schöner Musik, die live und kompetent gespielt aus dem Orchestergraben drang. Einige wunderbare Lieder sind dabei und lassen den durchweg sehr guten Darstellern Raum, in ihren Rollen zu glänzen.

Da ist der doch recht jugendlich wirkende Joe, souverän gesungen von Oliver Arno. Er führte als Erzähler durch diese Geschichte, die mit seinem Ableben endet. Ihm gebührt der Titelsong „Sunset Boulevard“. Klasse! Da ist Norma meisterlich gesungen und grandios gespielt von Cornelia Drese („Träume aus Licht“ bleibt im Ohr). Sie brachte Freud und Leid in die Extreme, vor allem aber brachte sie eine Flut mitunter blendend glitzernder Kostüme auf die Bühne.

Verhaltener und, wie sich erst mit der Zeit herausstellte, doch sehr wichtig in der Geschichte Normas ist Max, der Butler, der einmal ihr Gatte war und ehedem Regisseur. Hardy Rudolz trotzte hier überzeugend technischen Widrigkeiten, war er doch in weiten Strecken der ersten Hälfte von der Mikrofonierung nicht bedacht, was er aber sehr gekonnt überspielte. So sang er halt seine ersten Songs unverstärkt. Erst in der Pause hat wohl jemand die Herren vom Ton geweckt. Die zweite Hälfte klang in jeder Hinsicht besser abgemischt, auch deutlich lauter.

In den Nebenrollen besonders zu erwähnen sind zunächst Betty (Julia Lißel), die ein paar wunderbare Duette mit Joe belebte. Auch Claus Dam als Manfred, der allzu köstliche Herrenausstatter, der Joe zu seinem Geburtstag in Samt und Seide hüllen sollte. Das war fabelhaft. Nicht zu vergessen aber auch das 19-köpfige, sehr gesangsstarke Ensemble, das bei seinen Auftritten für ausdrucksstarke Bilder sorgte.

Ein großes Lob geht an die Bühnenausstattung. Die war trefflich, zweckmäßig, stets in Bewegung und in ganz unterschiedlichen Situationen überzeugend. Schön war hier auch die Umsetzung der beiden Autofahrten. Eine Verfolgungsjagd am Anfang des Stückes war, nur mit Scheinwerfern dargestellt, sehr lebendig auf ein Minimum reduziert. Überaus lustig, wie die später benötigte Staatskarosse in Einzelteilen hereingetragen wurde.

Zusammengenommen war dies ein großer Musicalgenuss, der mit üppigem Applaus honoriert wurde. Eine starke Truppe, ein toller Abend. Ein Erlebnis.


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