Gemeinsames Museumsprojekt Wie in Lingen und Coevorden gerichtet wurde

Besiegelten die neue Zusammenarbeit zwischen ihren Museen: Museumsleiter Andreas Eiynck, Lingen, und Susan Muller, Coevorden, Musealogin Birte Münsterjohann, Projektleiterin Anna Binde vom Emslandmuseum und Gerrit Kleis vom Stadtmuseum Coevorden. Foto: privatBesiegelten die neue Zusammenarbeit zwischen ihren Museen: Museumsleiter Andreas Eiynck, Lingen, und Susan Muller, Coevorden, Musealogin Birte Münsterjohann, Projektleiterin Anna Binde vom Emslandmuseum und Gerrit Kleis vom Stadtmuseum Coevorden. Foto: privat

pm Lingen. Eine gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „grenzenlose Strafen“ planen das Stadtmuseum im niederländischen Coevorden und das Emslandmuseum Lingen für die Saison 2015/2016. Es geht dabei um die Geschichte von Justiz, Folter und Strafe diesseits und jenseits der Grenze. Museumsdirektorin Sandra Muller und Museumsleiter Andreas Eiynck vereinbarten jetzt einen Projektantrag bei der Euregio, die den nötigen Rückhalt der grenzüberschreitenden Museumsaktivitäten durch EU-Mittel unterstützen soll.

Geschichtsexperte Gerrit Kleis aus Coevorden und die Lingener Projektleiterin Anna Binde werden das Ausstellungskonzept erstellen. Dabei geht es um frühe Rechtsquellen wie den „Sachsenspiegel“ und die „Carolina“, bekannt als „peinliche Gerichtsordnung“ Kaiser Karls des Fünften. Aber auch Rechtsdokumente aus der Region wie etwa das mittelalterliche Holzgericht des Speller Waldes oder das Lingener Landrecht mit ihren aus heutiger Sicht sehr grausamen Strafandrohungen werden vorgestellt.

Spannend wird es bei den historischen Kriminalfällen um Raub und Mord, wobei der Schwerpunkt auf grenzüberschreitenden Strafverfahren liegt. Ein Beispiel ist ein mysteriöser Mordfall an der Grenze, bei dem 1545 zwei Leichen an einem Grenzstein bei Rütenbrock entdeckt wurden. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt, weil die Zusammenarbeit der deutschen und niederländischen Justiz damals nicht richtig funktionierte. Statt die Identität der Ermordeten zu ermitteln und den Mordfall aufzudecken verstrickten sich die Justizbehörden in Verfahrensfragen oder erklärten sich für nicht zuständig. Eines haben die Forscher dabei rasch herausgefunden: Grenzen für Verbrecher und Verbrechen gab es auch früher nicht und daher musste auch die Justiz seit dem Mittelalter grenzüberschreitend zusammenarbeiten, wenn Strafverfolgung funktionieren sollte.

Die Museen in Lingen und Coevorden möchten durch die Zusammenarbeit aber auch ihre Marktposition als Kulturanbieter stärken und ihren Bekanntheitsgrad im Nachbarland steigern.