Durch videogestütztes System Parkinson soll in Lingen besser behandelt werden

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Das Ärztenetz Genial lud zu der Gesprächsrunde im IT-Zentrum ein. Foto: Roman StarkeDas Ärztenetz Genial lud zu der Gesprächsrunde im IT-Zentrum ein. Foto: Roman Starke

Lingen. Die videogestützte Parkinsontherapie ist nach Ansicht des Lingener Neurologen Dr. Christian Dickopp ein wichtiges Instrument, um Menschen in Pflegeheimen zu helfen, die von dieser Krankheit betroffen sind.

Dickopp sowie der Geschäftsführer der MVB – Medizinische Videobeobachtung GmbH mit Sitz in Koblenz, Alexander Rzesnitzek, stellten die Therapie in einer Veranstaltung des Ärztenetzwerkes Genial im IT-Zentrum vor.

Nach Angaben des Lingener Neurologen ist Morbus Parkinson eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Zwischen 100 und 200 Menschen pro 100000 Einwohner sind davon betroffen; bei Personen, die 65 Jahre und älter sind, steigt die Zahl nach seinen Worten auf 1800. „Mit der Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung ist in Zukunft mit einer weiter steigenden Zahl an Patienten zu rechnen“, betonte der Arzt.

Wie Dickopp weiter erläuterte, verfolgt die Therapie das Ziel, die medikamentöse Behandlung des Patienten im häuslichen Umfeld beziehungsweise im Pflegeheim dem aktuellen Stadium der Erkrankung anzupassen und möglichst stationäre Einweisungen zu verhindern. Dadurch solle dem Patienten die bestmögliche Beweglichkeit über Tag erhalten werden. Es gelte, die medikamentöse Therapie optimal auf den Patienten abzustimmen, um Nebenwirkungen und das Risiko von Folgekomplikationen zu minimieren, betonte der Mediziner.

Die gegenwärtige Situation sei unbefriedigend, weil es in der Regel nur einmal im Quartal einen Arzt-Patienten-Kontakt gebe. Um den Patienten optimal behandeln zu können, sei der Arzt aber auf fortlaufende Informationen über den Zustand des Erkrankten mithilfe der videogestützten Parkinsontherapie angewiesen.

Zwei Minuten Aufnahme

Wie funktioniert das System? Mit einer einfachen Handbewegung wird die Kamera eingeschaltet. Eine Stimme des Gerätes führt durch die Aufnahme. Vor der Kamera werden auf Anweisung einige Bewegungen ausgeführt, zum Beispiel „Laufen Sie auf und ab“. Durch die regelmäßigen Mitteilungen erhält der Arzt zusätzliche Informationen. Nach zwei Minuten ist die Aufnahmezeit zu Ende. Die Aufnahmen werden automatisch verschlüsselt und direkt an den Neurologen gesendet. Zweimal in der Woche nimmt der Neurologe Kontakt mit dem Patienten auf.

Alexander Rzesnitzek meinte, dass die Gefahr bestehe, dass Parkinson-Patienten in Heimen eine zu hohe Dosis an Medikamenten erhielten und dadurch die Gefahr gravierender Nebenwirkungen bestehe.

Der Vorsitzende von Genial, Wolfgang Hentrich, betonte, dass die hiesigen Ärzte bei der Zusammenarbeit mit den Heimen im Interesse der Menschen Neuland beträten. Er forderte dazu auf, nicht länger in alten Strukturen zu denken.

Vertreter von Heimleitungen zeigten sich in der Veranstaltung interessiert an dem vorgestellten Verfahren. Wer mitmachen möchte, wird gebeten, sich beim Ärztenetzwerk Genial zu melden. Ihre Hilfe bietet auch die Ärztin Katharina Alex an, die in Zusammenarbeit mit Genial viele Menschen in Heimen betreut. Falls das System in den Heimen zum Einsatz käme, müssten die Pflegekräfte fortgebildet werden, hieß es.

Lesen Sie zum Thema auch den Bericht „Lingener Neurologe arbeitet mit videogestützter Diagnose.“


Das Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen lädt am Mittwoch, 19. November, um 14.30 Uhr zum ersten Gesundheitstag unter dem Titel „Alt und krank auf dem Land?“ ein. Kooperationspartner sind die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, das Ärztenetzwerk Genial Lingen sowie das Grafschafter Ärztenetz.

Es referiert der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn. An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen teil: Wolfgang Hentrich (Vorsitzender von Genial), Griemhilde Löcken (Pflegeambulanz Nordhorn), Jörg Niemann (Leiter der vdek-Landesvertretung Niedersachsen), Privatdozent Konrad Schoppmeyer (Chefarzt Euegio-Klinik Nordhorn) und Jens Spahn. Als Moderator fungiert der Leiter des LWH, Michael Reitemeyer. Hartmut Görtz (Chefarzt Bonifatius-Hospital Lingen) und Ansgar Siegmund (Chefarzt Euregio-Klinik Nordhorn) erläutern Beispiele aus der Praxis.

Bei der Veranstaltung soll es vor allem um das Spannungsfeld zwischen ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung gehen.

Anmeldung: Tel. 05 91/ 61 02-112, E-Mail: koelker@lwh.de, Internet www.lwh.de

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