Besinnliche und festliche Werke Orgelkonzert mit Paolo Springhetti in Lingen

Von Peter Löning

Beherrscht die alte Kunst der Improvisation: Paolo Springhetti gastierte in der Kreuzkirche. Foto: Peter LöningBeherrscht die alte Kunst der Improvisation: Paolo Springhetti gastierte in der Kreuzkirche. Foto: Peter Löning

Lingen. Nach Hunderten Politikerreden auf allen Kanälen und einer Flut von mehr oder minder lauten Veranstaltungen ist es sehr wohltuend gewesen, den 9. November mit ein wenig Einkehr und Besinnung zu beschließen. Die Reihe der Lingener „Kreuzkirchenkonzerte“ hat dazu an diesem Abend ein Orgelkonzert mit Paolo Springhetti, Organist in Mailand, angeboten.

Springhetti, der sich als ausgewiesener Spezialist barocker Orgelmusik gab sowie als profunder Kenner der norddeutschen Orgellandschaft, stellte für dieses Konzert ein Programm zusammen, das Bezug nehmen sollte zu diesem Datum, aber auch der von ihm sehr gelobten Flentrop-Orgel in der Kreuzkirche huldigte.

„Frühbarocke Orgelmusik zum Gedenken an die Reichspogromnacht und zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls“ war also der Titel, und es gab Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, Domenico Ziploi, Franz Tunder und einem unbekannten Andreas Kneller, allesamt Vertreter der frühbarocken Musikepoche und wichtig für die damalige sogenannte „norddeutsche Orgelschule“. Besinnlich die einen und wieder festlich die anderen Werke.

In einer kleinen Einleitung mit Informationen auch zu den Komponisten erläuterte Springhetti seine Herangehensweise an diese alte Musik. „Die Genauigkeit in den Orgeltabulaturen kann man vergessen, ähnlich wie heute im Jazz, besser noch im Free Jazz.“ Soll sagen, der Notentext ist für Springhetti eher Anhaltspunkt als Vorgabe.

Improvisation ist, was ihn treibt. Es sei nicht belegt, aber sehr vermutet, dass dieses der eigentlich originalge-treue Umgang mit der Musik sei. Und so klinge ein Werk bei ihm nie zweimal gleich. „Ich verwende nur alte Finger- und Fußsätze.“

Zu Anfang und Ende des Konzertes spielte Springhetti sehr eindrücklich je eine eigene Improvisation, die erste sehr gehalten ruhig und meditativ. Zum Auszug gab es dann eine feierlich-fröhlich stimmende, die das Konzert sehr schön abrunden sollte.

Ein sehr besinnliches, auf seine Weise schönes Konzert, das Orgelfreunden zudem interessante Informationen mitgeben konnte.