Schülerakademie in Lingen Die Technik des Lebens in Workshops im LWH

Von Christiane Adam


Lingen. „Die Atmosphäre der 12. Schülerakademie ist in diesem Jahr besonders gewesen, was vielleicht auch daran lag, dass ich bei meinem dritten Mal entspannter war“. Mit diesen Worten hat Michael Brendel, Studienleiter am Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen-Holthausen und seit drei Jahren Organisator dieser Projektwoche, augenzwinkernd die Abschlussveranstaltung resümiert.

Vom vergangenen Montag bis Freitag hatten 94 Schüler aus 14 Gymnasien des Landkreises Emsland und der Grafschaft Bentheim „gebüffelt, statt Ferien gemacht“, wie der Präsident der niedersächsischen Landesschulbehörde, Ulrich Dempwolf, sich in seiner Rede lobend ausdrückte.

Die Ergebnisse dieses Büffelns, das „hier weniger Pauken als vielmehr Freude“ bedeutet habe, werden traditionell in einer Abschlusspräsentation den Schuldirektoren, den Förderern der Schülerakademie, Lehrern und auch Eltern vorgeführt.

Neun Workshops

Die Teilnehmer der Schülerakademie hatten sich im Vorfeld für einen der neun Workshops entschieden. Der Workshop Ethik in der Medizin erweckte mit 20 Teilnehmern anteilsmäßig offenbar das größte Interesse. Möglicherweise, weil selbst im Schulalltag Fragen dieses Metiers auftauchen? In einer gespielten Szene befand sich eine Schülerin im Gewissenskonflikt, ob sie Ritalin zur Konzentrationsförderung und Leistungssteigerung zu sich nehmen sollte oder lieber nicht. Eine Antwort darauf gab es nicht, denn „jede individuelle Meinung ist richtig und angebracht“, so ein Ergebnis der Woche.

Um einen Konflikt ging es auch im Workshop Einführung in das Strafrecht. Ein eifersüchtiger Ehemann erschoss versehentlich seine Frau statt seines Nebenbuhlers. Ist das nun Mord, lag hier Vorsatz vor? Dieser Frage wurde mit Hilfe von Peter Schneider, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht der Universität Bonn, nachgegangen. Dieser bekam auf der Bühne die spontanste und herzlichste Danksagung: Eine Umarmung einer Schülerin mit den Worten: „Sie sind uns sehr sympathisch“.

Weniger emotional aber nicht minder interessant mag es in den technisch-mathematischen Workshops CAD & Rapid Prototyping oder objektorientierte Programmierung mit Java 7 zugegangen sein. Kreativ gearbeitet wurde in den Gruppen Rhetorik und Kommunikation, Film ab!, Diversity und interkulturelle Kompetenz und im Media-Workshop.

Als „der vielleicht künstlerischste Workshop“ von Brendel angekündigt und zugleich der mit der kleinsten Teilnehmerzahl, traten die vier Schüler der Gruppe „Theater – die Kunst der Verwandlung“ auf die Bühne der Aula im LWH. Umso intensiver mag die Beschäftigung mit der Rolle gewesen sein, die unter der Leitung von Dozentin Patricia Ens, Theaterpädagogin am TPZ in Lingen, eingeübt wurde.

Das Stück „Top dogs“ handelt von einer Schattenseite des Lebens: Gekündigte Topmanager versuchen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das Thema wirkte keineswegs abschreckend auf das Plenum im Windthorst-Haus, denn diese kleinste Gruppe erhielt für ihren Auftritt den größten Applaus.