Restrisiko international bekannt Lachen und Weinen mit Lingener TPZ-Seniorentheater

Von Selina Sprick

Immer gut drauf: die Seniorentheatergruppe Restrisiko vom TPZ Lingen. Foto: Selina SprickImmer gut drauf: die Seniorentheatergruppe Restrisiko vom TPZ Lingen. Foto: Selina Sprick

Lingen. Sie sind ein munteres Völkchen, die Damen und Herren der Lingener Theatergruppe Restrisiko, zugehörig zum Theaterpädagogischen Zentrum der Emsländischen Landschaft (TPZ), die wöchentlich miteinander proben. Mit ihren Theaterstücken und Sketchen sind sie mittlerweile bundesweit bekannt.

Jeden Dienstagmorgen trifft sich die Seniorentheatergruppe im TPZ Lingen. Fröhlich und frisch wirken die Damen und Herren, sie machen neckische Späße miteinander. In einem Stuhlkreis begrüßt sie ihre Regisseurin Myra Schulte. Sogleich geht es mit Aufwärmübungen los. Die Senioren sollen sich durch den Raum bewegen, Augenkontakt zueinander aufnehmen und sich nicht berühren. Wer körperlich nicht mitmachen kann, bleibt erst einmal sitzen und wird bei jeder Gelegenheit wieder in das Geschehen eingebunden. Weiter geht es mit Atem- und Sprechübungen.

Ein paar Senioren haben schon viel Theatererfahrung, andere weniger. Wendelin Heffner gehört zu den Anfängern der Gruppe und ist über das Welt-Kindertheater-Fest zum Theaterspielen gekommen. „Man fühlt sich von der Gruppe getragen“, sagt er.

Heidi Fuest ist von einem Gruppenmitglied angesprochen worden, ob sie mitmachen möchte. Zunächst wollte sie nur im Hintergrund mitwirken. „Aber die haben mich einfach nicht losgelassen“, erinnert sie sich und steht heute gerne im Scheinwerferlicht.

Zu denjenigen, die sich schon lange zum Theater hingezogen fühlen, gehört Uwe Vollmer. „Meine Frau sagt, ich würde immer Theater spielen“, schmunzelt er.

Wilma Tietz ist bereits mit sechs Jahren als Rumpelstilzchen über die Bühne gehuscht. Viel Lampenfieber hat sie heute noch, doch da darüber sieht sie hinweg.

Das Publikum berühren

Karin Winschermann hat sich in ihrem Leben leidenschaftlich gerne mit Musik beschäftigt und ist viel gereist, hat aber irgendwann keine Lust mehr dazu gehabt. Nun ist Restrisiko ihr neues Hobby. „Es fehlte nicht der Stress, sondern der Applaus“, gesteht sie. „Jetzt kann ich auch mal Nein sagen.“ Und die 88-jährige Erna Cieslik ist bereits seit der Gründung der Gruppe vor 22 Jahren dabei.

Manche Aufführungen der Senioren sind zum Lachen, andere zum Weinen. So spielt Restrisiko auf Geburtstagen und anderen Feiern eher lustige Sketche, während sie sich auf der Bühne gerne mit „schwerer Kost“ wie Demenz, Gewalt in der Pflege und Qualitätsmanagement auseinandersetzen.

Sowohl Alltagserfahrungen als auch Recherchen aus Zeitungen und Internet fließen in die Stücke ein. Das hat bereits Personalchefs großer deutscher Kapitalgesellschaften auf Veranstaltungen in Berlin und anderen Großstädten beeindruckt. Die Senioren wissen, dass ihre Hilferufe auf der Bühne das Publikum berühren.

Zurzeit arbeitet Restrisiko jedoch an einem Märchen. „Wir wollen mal etwas Skurriles machen, was man nicht von uns erwartet“, verrät Gruppenleiterin Myra Schulte. Das Stück soll im Frühjahr 2016 erstmals aufgeführt werden.