Verantwortungsvolle Aufgabe Zwischen Freude und Stress: Kita-Alltag für Fachkräfte


wivo Lingen. Kindergarten von acht Uhr bis Mittag für die Fünf- und Sechsjährigen, dazu etwas Vor- und Nachbereitung für die Erzieherinnen und hier und da ein kurzes Gespräch mit den Eltern – gab es das einmal? Wenn überhaupt, dann sind diese Zeiten lange vorbei.Zwischen Freude und Stress ist der Arbeitstag für Fachkräfte in einer Kindertagesstätte angesiedelt. Ein Beispiel aus der Kita St. Barbara in Lingen.

Morgens um sieben Uhr beginnt in der Kindertagesstätte St. Barbara in Lingen der Arbeitstag. Die ersten Eltern verabschieden sich von ihren Kindern und geben sie in die Hände von Ulrike Rohoff in der Mäusegruppe, Regina Witt-Westheermann in der Teddygruppe oder Maria Rensen in der Krippengruppe Pusteblume.

Von 7 bis 8 Uhr wird in der Kita an der Thüringer Straße eine Sonderöffnungszeit angeboten, ab 8 Uhr beginnt der reguläre Betrieb. Die Erzieherinnen sprechen am Morgen kurz mit den Eltern, ob das Kind am Mittagessen teilnimmt, wann es abgeholt wird oder über alles, was in den letzten Tagen so passiert ist. Auf den engen Kontakt miteinander wird sehr viel Wert gelegt – vonseiten des Kindergartens wie auch der Eltern. Die Kinder sollen schließlich nicht nur beaufsichtigt, sondern auch gefördert und erzogen werden.

Derzeit ist als Aushilfe in den Herbstferien auch eine Sozialassistentin im Kindergarten. „Gerade in der Ferienzeit ist es schwer, eine ganzheitliche Betreuung sicherzustellen und der angekündigten neuen Vertretungsregelung gerecht zu werden. Durch den Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten gibt es immer mehr Arbeit und entsprechende Personalstellen“, erklärt die Kita-Leiterin Hannelore Kohne. Krankheitsfälle und der Urlaub der Kollegen müssten aber aufgefangen werden. Es werde immer schwieriger, die Mitarbeiter auf Fortbildungen zu schicken, „da dann Personalmangel herrscht“.

Bis spätestens neun Uhr sollten dann alle jungen und Mädchen in der Kita sein. In den drei Gruppen verbringen insgesamt 65 Kinder von einem bis sechs Jahren zusammen ihre Vor- und Nachmittage. Gemeinsam wird ein Frühstücksbuffet vorbereitet, an dem sich alle bedienen dürfen. Vollkornbrot, Käse, Marmelade oder Müsli, die Auswahl ist groß. Sein Frühstück macht sich jeder selber und jeder entscheidet auch, wann er essen möchte. Das ist den Erzieherinnen wichtig, denn es gibt Kinder, die zuhause gegessen haben, andere dagegen noch nicht.

Fantakuchen von Mats

Die Kinder schneiden ihr Obst und Gemüse unter Aufsicht alleine und schmieren ihre Brote. Da es sich um einen katholischen Kindergarten handelt, werden religiöse Feiertage, wie zum Beispiel in der Adventszeit, thematisiert und die Kinder spielerisch daran herangeführt.

In der Mäusegruppe hat Mats Geburtstag. Aufgeregt erzählt er, welche Geschenke er schon bekommen hat. Sein Papa gibt eine Tüte bei der Erzieherin Ulrike ab. Darin befinden sich Mehl, Eier und noch einiges mehr. Denn das Geburtstagskind darf zusammen mit seinen Freunden einen Kuchen backen. Es wird ein Fantakuchen. Mats ist ganz stolz, weil sein Papa ihm auch noch Smarties eingepackt hat, mit denen der Kuchen verziert wird.

Da die Kinder sich nicht nur in der eigenen Gruppe aufhalten, sondern zum Spielen auch die Nachbargruppen besuchen, nach draußen oder ins Bällebad dürfen, müssen die Erzieherinnen immer aufpassen, wo sich die Jungen und Mädchen gerade befinden. Dafür melden sich die Kinder selbstständig in ihrer Gruppe ab. „Wir wollen jeden nach seinen Interessen und Fähigkeiten unterstützen und fördern. Das ist auch eine Herausforderung, weil jedes Kind anders ist und wir auf alle eingehen wollen. Der Entwicklungsstand der Kinder wird regelmäßig dokumentiert. Wir arbeiten eng mit den Eltern und Schulen zusammen“, erklärt die Erzieherin Ulrike Rohoff. Die Kinder sollen im Spiel und aus der Situation heraus lernen.

Vor dem Mittagessen geht es dann für die Mäuse- und Teddykinder nach draußen. Die Krippenkinder der Pusteblumengruppe bekommen ihr Essen allerdings schon früher, da einige anschließend noch ihren Mittagsschlaf machen. Dafür gibt es ein eigenes Zimmer, in dem kleine Betten stehen. Auch die Spielgeräte, Waschbecken und Toiletten sind an die Bedürfnisse der Jüngeren angepasst.

Um 13 Uhr findet schließlich das gemeinsame Mittagessen statt. Gleichzeitig werden die ersten Krippenkinder und die Jungen und Mädchen, die nicht zum Essen angemeldet sind, abgeholt. Auch hier wird vor dem Essen gesungen. Heute gibt es Gemüsereis mit Hähnchen und Salat. Ein Kita-Tag darf eben auch schmecken.

Für Kinder, die nicht am Nachmittagsangebot bis 17 Uhr teilnehmen, endet der Tag um 13 Uhr oder bei Inanspruchnahme einer Sonderöffnungszeit bis 14 Uhr – dann inklusive Mittagessen.

In den Gruppen können sich die Kinder wieder ganz nach ihren Interessen entfalten. Es gibt ein Puppenhaus und eine Empore, auf der sie teilweise auch einmal unbeobachtet spielen können, was einen besonderen Reiz darstellt. Und in jedem Gruppenraum steht auch ein Basteltisch. So bietet die Kita auch gemeinsame Bastelaktionen für Kinder mit ihren Eltern an, zum Beispiel ganz aktuell zu St. Martin einer Laterne.

Wenn alle Kinder abgeholt worden sind, ist der Arbeitstag einer Erzieherin gleichwohl noch nicht zu Ende. Regelmäßig müssen die Entwicklungsstände der Jungen und Mädchen dokumentiert werden. Einmal pro Woche findet eine Teamsitzung bis 18.30 Uhr statt.

„Man muss für diese Arbeit berufen sein. Man muss Spaß daran haben, mit den Kindern zu arbeiten. Es kann wirklich stressig werden, aber es macht jeden Tag wieder Freude. Und jeder Tag ist neu,“ beschreibt Rohoff ihren Beruf.


Die Konzeption der Kita St. Barbara in Lingen

Die Kindertagesstätte St. Barbara ist in katholischer Trägerschaft und gehört zur Kirchengemeinde St. Bonifatius. In das pädagogische Konzept fließen der Situationsansatz nach dem sozialpädagogischen Konzept von Jürgen Zimmer und die teiloffene Arbeit mit ein. Die Erzieherinnen haben es sich zum Ziel gesetzt, sich am Wohl des Kindes zu orientieren und es dabei zu begleiten, wenn es im Kindergarten eine neue Gemeinschaft kennenlernt und sich mit anderen Kindern auseinandersetzen muss. St. Barbara spezialisiert sich bewusst nicht auf eine Fachrichtung, wie zum Beispiel das Haus der kleinen Forscher, um den Kindern ganzheitlich gerecht zu werden und aus der Situation heraus Lernansätze zu fördern und das Kind zu fordern. Die Erzieherinnen müssen sich dafür sowohl Zeit nehmen können, um mit einzelnen Kindern oder in Kleingruppen intensiv zu arbeiten, aber auch die ganze Gruppe im Überblick zu behalten. Das Konzept beschreibt die Vorgehensweise der Erzieherinnen und bestimmt teilweise auch den Tagesablauf mit.