Veraltet und nicht kundenorientiert Kritik an Onlinepräsenz der Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd

Von Wilfried Roggendorf

Verbesserungswürdig sind die Internetauftritte für die Nachteule (linker Bildschirm) und des „Lili“-Busses (rechts). Dessen ist sich VGE-Geschäftsführer Hermann Meyering bewusst, betonte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: Wilfried RoggendorfVerbesserungswürdig sind die Internetauftritte für die Nachteule (linker Bildschirm) und des „Lili“-Busses (rechts). Dessen ist sich VGE-Geschäftsführer Hermann Meyering bewusst, betonte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Kritik äußert ein im Internet verbreiteter offener Brief an die Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd (VGE). Deren Homepage sei veraltet, technisch unzureichend und nicht kundenorientiert. Vorwürfe, die für Hermann Meyering, Geschäftsführer der VGE, nicht neu sind.

„Das Marketing der VGE, insbesondere der Nachteule, ist nicht optimal“, bekennt Meyering. Dies habe auch eine Studie des Campus Lingen zu Optimierungsmöglichkeiten für das Nachtbussystem Nachteule ergeben.

Auch für die im offenen Brief geäußerte Forderung nach einer auf dem Smartphone nutzbaren „Fahrplan-App“ für die Nachteule und die weiteren VGE-Angebote hat Meyering Verständnis: „Wenn man in der digitalen Welt zu Hause ist, mag das wünschenswert sein.“

Doch bei allem Verständnis weist der VGE-Geschäftsführer auf die Kosten hin: „Leider haben wir es bei der Aufstellung des Finanzierungskonzeptes der Nachteule nur so weit gebracht, die Fahrleistungen durchführen zu können.“ Derzeit stehe die VGE mit dem Landkreis Emsland im Gespräch, ob es aus dem Topf der ÖPNV-Regionalisierungsmittel Gelder für ein verbessertes Marketing gebe. „Aus den Fahrpreisen lässt sich das nicht finanzieren“, sagt Meyering.

Dies gelte auch für das Onlineangebot der VGE und des „Lili“-Busses . „Aber digital tätig zu sein ist nicht unser Kerngeschäft. Wir fahren mit Bussen auf der Straße“, so Meyering. Und das koste immer mehr Geld, obwohl die Fahrpreise seit mehreren Jahren stabil geblieben seien. „Da überlegen wir schon, ob wir lieber in einen neuen Bus oder das Onlineangebot investieren.“ Denn Gelder der öffentlichen Hand gebe es für den normalen ÖPNV nicht. Im Gegenteil: Vor Jahren habe der Landkreis eine größere sechsstellige Summe gestrichen.

Trotzdem sieht Meyering in einer Neugestaltung des Onlineangebotes der VGE auch eine Chance. Die bisherigen Internetauftritte von VGE, Nachteule und „Lili“-Bus seien von Mitarbeitern erstellt worden. Auch ein von unserer Redaktion befragter Onlinemarketing-Experte sieht bei diesen Internetauftritten erhebliches Verbesserungspotenzial: „Die Seiten sind unübersichtlich, unprofessionell gestaltet und auf mobilen Endgeräten nur sehr schwer einsehbar. Optisch, technisch und von der Nutzerfreundlichkeit her sind sie auf einem Stand von vor 15 Jahren.“

Meyering verspricht Besserung: „Ein junges Publikum auf digitalem Wege anzusprechen, steht ganz oben auf unserer Wunschliste. Wir überlegen gerade, die Neugestaltung durch ein Fremdunternehmen erarbeiten zu lassen.“ Eine Entscheidung hierüber könne bereits im Dezember fallen. „In einem halben Jahr sollte dann etwas passiert sein“, kündigt Meyering an.

Für eine mangelhafte Vernetzung mit anderen Fahrplanauskunftsportalen im Internet sei die VGE nicht verantwortlich. Meyering: „Wir stellen alle unsere Fahrplandaten in der gewünschten Form der landesweiten Fahrplanauskunft Niedersachsen zur Verfügung.“ Darauf, wie die Daten dort verarbeitet und an wen sie weitergegeben würden, habe die VGE keinen Einfluss. „Die Vernetzung der digitalen Daten ist nicht optimal, aber das geht nicht nur der VGE so.“


Der vollständige Text des offenen Briefes

Liebe Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd,

erst Mal vielen Dank an alle, die zurzeit die NachtEule wiederbeleben. Das ist eine wirklich gute Idee. Besser wäre es natürlich, man würde uns Nutzer der ersten Stunde auch wieder ansprechen und nicht nur den Sauf-Tourismus zwischen den Diskotheken bewerben bzw. sich nur darauf konzentrieren.

Aber vielleicht ist es auch richtig, sich primär um die jüngeren Partygänger als Zielgruppe zu bemühen. Aber, warum gibt es dann von euch die Fahrpläne als „ausgedruckte“ Bilddatei? Wo ist eure Präsenz beim Kunden, wo führt ihr den Dialog?

Apps sollten verlinkt werden

Verlinkt doch mal wenigstens die „Fahrplaner App“. Die gibt es nämlich für Android- und iOS-Geräte! Das sind sog. Smartphones, so was benutzen die hippen jungen Leute heutzutage. So hört man.

Die genannten gibt’s hier, AppStore: http://itunes.apple.com/de/app/fahrplaner-die-vbn-fahrplanauskunft/id478311038?l=de&ls=1&mt=8 und hier, Google Playstore: http://play.google.com/store/apps/details?id=de.hafas.android.vbn .

Wobei das nicht daran ändert, dass das „Update“ beispielsweise nicht unter den Haltestellen zu finden ist. Und der „Joker“ in Lingen ebenso wenig. Ihr müsst doch keine Fahrpläne und Auskunftsdienste als Verlaufsdokumentation für die Busfahrer erstellen! Die Kunden als potenzielle Fahrgäste müssen schnell und zielsicher erkennen, wie und wo sie einsteigen und mitfahren können.

Homepage ist ein Witz

Die gesamte Homepage der VGE-Süd unter www.vge-emsland-sued.de ist ein Witz! Fängt beim Layout an und hört mit der Einbindung der www.fahrplan.de-Seite als „Fahrplanauskunft“ noch lange nicht auf: „Die Zahlen, die hier genannt werden, basieren auf dem Stand vom 14.12.2009.“? Das glaube ich euch sofort. Die gesamte Seite ist für den Stand der Technik für das augenscheinliche Veröffentlichungsjahr 2011 schon eine Blamage. Aber drei Jahre später mit dem gleichen starren Überwurf für Inhalte von Kooperationspartnern und Verbundmitgliedern sich weiter so durchzumogeln, das geht einfach nicht!

Im Liniennetzplan fehlt die Hälfte

Stichwort „Liniennetzplan“: (Das Logo von Adobe Acrobat ist, nebenbei erwähnt, völlig veraltet und der hinterlegte Hyperlink läuft auf der Adobe-Seite in eine 404-Leere.) Aber richtig gut ist Folgendes: Aufgrund dieser vielen Fremdinhalte steht auf eurer eigenen Homepage, „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir für die Fahrplanangaben trotz sorgfältiger Übernahme keine Gewähr übernehmen können.“– Wer sollte denn bitte sonst Verantwortung übernehmen oder zeigen? Dass dann im Liniennetzplan auch noch die Hälfte der Buslinien fehlt – oder wird die Lili bewusst von reise-freunde.de ignoriert? – macht dann den Braten auch nicht mehr fett. Schön wäre es jedoch, wenn ihr unter „Infos zu Fahrscheinen“ auch brauchbare Informationen hinterlegen könntet, beispielsweise den Preis der verschiedenen Tickets! Unglaublich ...

Homepage löschen und neu machen

Bitte, bitte, bitte – liebe Verkehrsgemeinschaft Emsland Süd (eigentlich jetzt mit oder ohne Bindestrich??)! Organisiert einfach weiter die Schülerbeförderung; da kann sich nämlich niemand aussuchen, ob er oder sie mitfahren will und legt die Organisation eines kundenorientierten Bussystems in unserem schönen Altkreis endlich in fähige Hände.

Und die Homepage? Löschen. Neumachen. Inklusive der E-Mailadresse vge.verkehrsgemeinschaft@ewetel.net – Eine @ewetel.net-Adresse, ich fasse es nicht.