Spezialistin für „Weiße Biotechnologie“ Melanie Bonnekessel aus Lingen leitet Labor bei BASF

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Lingen. „Enzyme tunen“, das lässt sich kaum mit einer typischen Handbewegung darstellen. Aber für Melanie Bonnekessel ist es der Alltag. Die gebürtige Lingenerin leitet bei der BASF SE in Ludwigshafen ein dreiköpfiges Laborteam mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung „Weiße Biotechnologie“. Den Anfang ihrer Wissenschaftlerkarriere markieren zwei Wettbewerbe bei „Jugend forscht“.

„White Biotech“ gilt bei BASF als Zukunftstechnologie. Ziel ist es, mit einem geringeren Aufwand an Energie und Ressourcen neue Produkte herzustellen – etwa für die Medizin, den Pflanzenschutz, die Kosmetik und die Ernährung. Dabei entwickelt das Team von Melanie Bonnekessel sowohl biotechnologische als auch chemische Herstellungsverfahren.

Derzeit ist es ihre Aufgabe, ein Pflanzenschutz-Zwischenprodukt in großen Mengen effizient und schnell in die Produktion zu bringen. Weil die Nachfrage hoch und der Zeitdruck groß ist, soll es in einer bestehenden Anlage produziert werden. Bonnekessel erzählt begeistert von ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Biologen, nicht selten in den USA oder Japan. Ihre Begeisterung an der Forschung, „auch wenn es mal nicht so klappt“, hat sie im Unterricht bei ihrem Physiklehrer Christof Tondera entdeckt. Er war es auch, der die Tochter eines Schlossers und einer Bankkauffrau anspornte, bei „Jugend forscht“ mitzumachen. 1995 kam sie gemeinsam mit zwei Mitschülerinnen im Landeswettbewerb auf den 2. Platz für Physik, ein Jahr später sogar auf Platz 1. Dabei nahm sie sich nichts Geringeres vor, als Supraleiter zu untersuchen, Materialien, die den elektrischen Strom bei extrem tiefen Temperaturen verlustfrei leiten.

Studiert hat sie dann Physik und Chemie, sie schrieb ihre Doktorarbeit am Max-Planck-Institut Mülheim über „Eisen-katalysierte Kreuzkupplungen“, forschte eine Zeit lang in den USA – und kehrte doch nach Deutschland zurück. Die oftmals beschworene Gefahr vom „Brain Drain“, dem Abwandern talentierter Wissenschaftler ins Ausland, sieht sie nicht. Am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) habe sie oft mit alten Geräten improvisieren müssen, während sie in deutschen Labors meist gute Bedingungen angetroffen habe.

Die 36-Jährige ist verheiratet, reist gern und liest viel. Als Forscherin ist sie überzeugt, dass ein naturwissenschaftliches Studium für alle Lebenslagen nützlich ist: Lernen zu analysieren, ein Problem an der Wurzel anzupacken und lösungsorientiert zu arbeiten, bringe einen Menschen immer weiter.


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