17 Regieprojekte aufgeführt Lingener Studierende beherrschen theatralisches Handwerk

Von Meike Blunk


Lingen. Studierende des Instituts für Theaterpädagogik in Lingen haben dem Publikum im Burgtheater wieder einmal wundervolle Momente beschert, in denen sich der Besucher auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte konfrontieren durfte.

Die vier großen Themen „Erziehung“, „Liebe“, „Tod“ und „Warten“, die auf direkte wie auch subtile Weise in vielen Klassikern der Theaterli- teratur behandelt wurden, haben sich die 17 Studierenden des fünften Semesters unter der Leitung von Jörg Meyer, David Gruschka und Nadine Giese zur Grundlage ihres kreativen Schaffens gemacht.

Regie, Dramaturgie und Schauspiel sind die drei großen Studienschwerpunkte, welche die Studierenden zum Umgang theatraler Methodik befähigen sollen. Das bedeutet, dass sie nun selbst als Schauspieler wie auch als Regisseur agieren durften.

Die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stilmitteln, Fragen der Umsetzung sowie des eigenen Führungsstils gingen den drei Aufführungen voraus und verdeutlichten individuelle Stärken.

Herausgekommen sind zum Vergnügen der Zuschauer 17 unterschiedliche, meist sehr kurzweilige und dynamisch gespielte Szenen, in denen unter anderem der Frage nach dem Sinn des Lebens, der Aufklärung oder wie man im konservativen Bayern anarchistischen Bestrebungen am besten trotzt, nachgegangen wurde. Dabei dienten unter anderem Autoren wie Rainer Werner Fass- binder, Henrik Ibsen, Georg Büchner oder Elfriede Jelinek als Vorlage, mit denen teilweise sehr frei umgegangen wurde.

Viel Feingefühl

Mit viel Feingefühl und Sinn für Humor haben die Studierenden sich auch auf die leisen, fast zufälligen Gefühlsäußerungen ihrer Protagonisten und deren psychischen Befindlichkeiten, konzentriert. Entgleisende Handlungen, Brüche und bis zur Selbstaufgabe verinnerlichte Erziehungsmuster wurden sichtbar gemacht.

Die einzelnen Szenen gingen nahtlos ineinander über, wurden unterbrochen und/ oder mit einer anderen Epoche in Beziehung gesetzt. Manchmal erschien es, als würde der Zuschauer per Fernbedienung von einer Szene zu anderen zappen.

Da aber diese Themen in der Menschheitsgeschichte unweigerlich zusammengehören, war es nur konsequent, diese unter Einbeziehung eines gekonnten Spannungsbogens und einer wunderbaren Lichtgestaltung so aneinanderzureihen.

Herrlich grotesk war die Szene „Das Schamhaar“ von Wilfried Happel, in der ein Geschwisterpaar den Kaffeetisch deckt und strenge stereotyp verinnerlichte Erziehungsmuster auf eine verkrampfte Freizügigkeit prallen. Stark war die Szene, in der Hippolytos, der in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht, der Ess- und Sexsucht anheim fällt. Wunderbar, mit einem exzellenten Gespür fürs Timing und grandios eingesetzter Mimik war auch die Szene, in der zwei auf etwas oder doch auf Godot warten. Die Studierenden haben bewiesen, dass sie jetzt wirklich ein theatrales Handwerkszeug besitzen.