Vorwurf der Vergewaltigung Beziehung früh von Gewalt geprägt

Von Horst Troiza

Die Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs der schweren Vergewaltigung wird am 22. November fortgesetzt. Foto: Ludger JungeblutDie Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs der schweren Vergewaltigung wird am 22. November fortgesetzt. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Am dritten Verhandlungstag im Verfahren wegen schwerer Vergewaltigung vor dem Landgericht Osnabrück hat das Opfer des 44-jährigen Angeklagten aus Lingen ausgesagt. Im Wesentlichen ging es um die gemeinsame Vorgeschichte, die Befragung zur angeklagten Tat fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Kammer hatte am ersten Verhandlungstag Mitte Oktober über einen Antrag der juristischen Vertreterin der als Nebenklägerin auftretenden Frau zu entscheiden gehabt, ob sie während ihrer Zeugenvernehmung in einem anderen Raum untergebracht sein könnte. Nach einem kurzen Gespräch mit der 47-Jährigen aus Nordhorn waren die Richter zu dem Schluss gekommen, die Befragung stelle bei gleichzeitiger Anwesenheit des Angeklagten im selben Saal eine zu hohe psychische Belastung für sie dar.

Wie in solchen Fällen üblich wurden während der Verhandlung Fragen und Antworten mittels einer Videoübertragung zwischen Schwurgerichtssaal und einem anderen Raum des Landgerichts durchgeführt. Chronologisch gab die Zeugin an, wie sie im Januar dieses Jahres über das Internet in Kontakt mit dem Angeklagten getreten war, sich beide einige Wochen später in einem Café getroffen hatten und sie kurze Zeit später bereits tageweise in seinem Haus in Lingen zu Gast gewesen war.

Im April soll es dann zu einem ersten Gewaltakt durch den Angeklagten gegen sie gekommen sein. Nachdem sie sich mit einigen Freundinnen getroffen hatte, war sie gegen Mitternacht zu ihm zurückgekehrt. „Er hatte getrunken und gab zu, auch Tabletten genommen zu haben“. Ihm habe es nicht gefallen, dass sie ihn allein gelassen habe und mit anderen zusammen gewesen war. „Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht mehr sicher gewesen, ob ich überhaupt mit ihm weiter zusammenbleiben wollte. Ich habe meine Tasche gepackt und wollte gehen, aber dann hat er mich angegriffen“. Im Schlafzimmer soll der Angeklagte sie auf das Bett geworfen haben und gewalttätig geworden sein.

Aus Angst sei sie dann bei ihm geblieben. Ein weiterer Versuch, ihn zu verlassen, hatte mehr Glück gezeigt. Die Initiative dazu war von ihren Freundinnen ausgegangen, die ihr dabei halfen, während der Abwesenheit des 44-Jährigen ihre Sachen aus dem Haus zu holen und nach Nordhorn zurückzukehren. Die Trennung hielt nicht lange. „Er hat mich angerufen, um Verzeihung gebeten und sich immer wieder entschuldigt“. Da habe sie schließlich nachgegeben und sei im Mai wieder zu ihm nach Lingen gezogen.

Ab diesem Zeitpunkt soll es wiederholt gewalttätige Übergriffe gegeben haben, wenn sie von Trennung gesprochen hatte. „Ich wurde immer mehr von ihm eingeengt, sollte Kontakte mit meiner Familie und meinen Bekannten aufgeben, weil er mehr Zeit mit mir verbringen wollte. Ich wollte aber auf die anderen nicht verzichten“, erklärte sie.

Zum eigentlichen Gewaltexzess war es dann Mitte Juni gekommen. Da hatte die Frau angekündigt, endgültig fortgehen zu wollen. Ihren Ausführungen nach soll der Angeklagte sie daraufhin mit einem Messer bedroht, sie über mehrere Stunden lang ans Bett gefesselt, sie geschlagen und vergewaltigt haben. Der Prozess wird am 22. November fortgesetzt.