Der Weg zum neuen „Perso“ Blöd dreinschauen – so wie es das Gesetz vorschreibt

Von Wilfried Roggendorf


Lingen. „Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihr Personalausweis innerhalb der nächsten vier Monate seine Gültigkeit verliert“, heißt es in einem Schreiben der Stadt Lingen, das unser Redaktionsmitglied Wilfried Roggendorf vor zwei Monaten erhalten hat. Solch amtlicher Aufforderung kommt er natürlich nach – hier berichtet er von seinen ganz eigenen Erfahrungen ...

Zwei Monate liegt der Brief der Stadt nun schon auf meinem Küchentisch, ist schon so gut wie vergessen. Als das Thema „Personalausweise“ in der Redaktion diskutiert wird, starte ich den Selbstversuch – auf geht es in das Lingener Bürgerbüro. Ein „Lichtbild mit biometrischen Daten“ soll ich mitbringen, aber leider habe ich gerade keines zur Hand. Doch wofür gibt es einen Fotoautomaten am Eingang der Behörde?

Sechs Euro will der Kasten haben, damit er vier Bilder ausdruckt. Dabei brauche ich doch nur eines. Freundlicherweise wechselt mir Nina Kleene, Pressesprecherin der Stadt, das nötige Kleingeld. Scheine nimmt der Automat nicht. In der Fotokabine wartet die nächste Überraschung: Ich kann mich setzen, wie ich will, den Anweisungen einer ebenso künstlich-monotonen wie unsympathischen Männerstimme folgen, die mir aufträgt, nicht zu lächeln und den Kopf gerade und auf einer bestimmten Höhe zu halten – bei jedem meiner insgesamt sechs Versuche, die ich laut Automat habe, lese ich auf dem Display, das mein Bild nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. So blöd, wie der dämliche Blechkasten es von mir erwartet, kann ich wohl gar nicht schauen.

Seltsamerweise akzeptiert der Computer des Bürgerbüros, wo Minuten später das Foto eingescannt und geprüft wird, ob es den Vorgaben entspricht, das Bild.

Nach dem Foto ist vor dem Fingerabdruck. Im Personalausweis ist der freiwillig, in einem Reisepass verpflichtend. Die Abdrücke meiner Zeigefinger sind, den Auflagen unserer US-amerikanischen Freunde sei Dank, schon als biometrische Daten bei der Ausstellung meines Reisepasses gespeichert worden. Damit habe ich deshalb kein Problem. Sollte ich jedoch versuchen, mein Journalistengehalt durch Aktivitäten aufzubessern, die als Polizeimeldung Eingang in unsere Berichterstattung finden, wäre es wohl ab sofort besser, dabei Handschuhe zu tragen. Ich habe nämlich keine Ahnung, wer alles Zugriff auf meine Fingerabdrücke hat. Es dauert lange, bis der Computer Foto und Fingerabdrücke gespeichert hat. Ohne PC ging das früher irgendwie alles schneller.

Online-Funktion nutzen?

Zum Schluss bekomme ich eine Broschüre zur Online-Ausweisfunktion samt dem Hinweis, mich bei der Abholung entscheiden zu dürfen, ob ich diese nutzen will oder vorerst nicht. Die Online-Ausweisfunktion, mit der ich eine Versicherung abschließen, ein Bankkonto eröffnen oder eine Meldebescheinigung beantragen könne, ist sicher, verspricht die Broschüre. Mehr Informationen finde ich im Internet auf www.personalausweisportal.de . So ganz überzeugt bin ich noch nicht, aber ich habe ja noch zwei bis drei Wochen Bedenkzeit – solange wird es dauern, bis mein neuer Personalausweis im Bürgerbüro auf mich wartet…