Teamleiter Hüllsiek hat einiges erlebt Kampf des Lingener Bürgerbüros mit dem Spaghettimonster

Von Wilfried Roggendorf

Karl-Hermann Hüllsiek, Teamleiter des Bürgerbüros, füllt am PC den Antrag auf einen neuen Personalausweis aus. Nach 48 Dienstjahren bei der Gemeinde Darme und der Stadt Lingen geht er in wenigen Tagen in den Ruhestand. Foto: Wilfried RoggendorfKarl-Hermann Hüllsiek, Teamleiter des Bürgerbüros, füllt am PC den Antrag auf einen neuen Personalausweis aus. Nach 48 Dienstjahren bei der Gemeinde Darme und der Stadt Lingen geht er in wenigen Tagen in den Ruhestand. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. In Deutschland herrscht Ausweispflicht. „Ab dem 16. Lebensjahr muss jeder auf Verlangen ein gültiges Ausweisdokument vorzeigen können“, erklärt Karl-Hermann Hüllsiek, Teamleiter des Lingener Bürgerbüros. Sonst könne ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro verhängt werden.

In seinen 48 Dienstjahren bei der ehemaligen Gemeinde Darme und der Stadt Lingen hat Hüllsiek, der in wenigen Tagen in den Ruhestand gehen wird, so einiges im Zusammenhang mit Ausweisen erlebt, teilweise auch sehr Skurriles – bis hin zu einer Begegnung mit der Religion des „fliegenden Spaghettimonsters“.

„Aber wir verhängen so gut wie keine Bußgelder“, betont der 64-Jährige zunächst. Ein Grund: Die Stadt schreibe drei bis vier Monate, bevor die zehnjährige Gültigkeitsdauer eines Personalausweises ablaufe, die Inhaber an, erinnere an die notwendige Neubeantragung. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Trotzdem denke die Stadt darüber nach, die Betroffenen erst später anzuschreiben. „Drei Monate sind recht lange, und dann wird das oft vergessen.“ Aber dann würden die Bürger halt noch einmal angeschrieben. „Bevor wir ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Ausweispflicht verhängen, müssten wir die Leute eh noch einmal anhören.“ Wer dann noch keinen neuen Ausweis beantrage, sei selbst schuld: „Dann kann sich keiner mehr mit Unwissenheit rausreden.“

Mehr Probleme würden Ausweise bereiten, die von ihren Besitzern als verloren gemeldet, aber dann doch wieder in deren Händen auftauchen würden. „Der Verlust wird schnell gemeldet, das Wiederauffinden aber leider nicht.“ Wenn dann der als verloren gemeldete Ausweis auch noch benutzt werde, könne dies schnell unangenehme Folgen haben: „Ein Mann hat bei der Einreise nach Mexiko seinen als verloren registrierten Reisepass vorgezeigt“, berichtet Hüllsiek. Die mexikanischen Einreisebehörden waren davon in Zeiten des internationalen Datenaustausches wenig begeistert. „Der durfte sich gleich wieder in den nächsten Flieger Richtung Heimat setzen.“ Ein Bußgeld habe es für den Mann übrigens nicht gegeben. „Der war gestraft genug.“

Bis zu 5000 Euro angedroht hat Hüllsiek jedoch einem anderen Mann. Der ignorierte, dass mittlerweile die Bundesrepublik die völkerrechtliche Nachfolge des Deutschen Reiches angetreten hat. „Der wollte ‚Deutsches Reich‘ statt ‚deutsch‘ als Staatsangehörigkeit in seinen Ausweis eingetragen bekommen.“ Als dies abgelehnt worden sei, habe er seinen Ausweis einfach im Bürgerbüro zurückgelassen. „Nach der Bußgeldandrohung, weil er jetzt ja keinen Ausweis mehr besaß und somit der Ausweispflicht nicht mehr genügen konnte, hat er den Pass wieder abgeholt.“ Bis zu 5000 Euro war dem Mann das „Deutsche Reich“ dann wohl doch nicht wert.

Kopftuch ist erlaubt

Aus religiösen Gründen dürfte auf Passfotos eine Kopfbedeckung getragen werden, wenn dabei das Gesicht erkennbar bleibe, erläutert Hüllsiek. „Beispielsweise ist das Kopftuch für eine Muslima erlaubt.“ Aber auch ein Nudelsieb? „Mit einem Bild samt Nudelsieb auf dem Kopf hat einmal die Anhängerin der Satire-Religion vom „ fliegenden Spaghettimonster “ einen Ausweis beantragt, erinnert sich Hüllsiek. Das Nudelsieb wehre die negativen Einflüsse des fliegenden Spaghettimonsters ab, habe die Antragstellerin – leider vergeblich – argumentiert.

Ausweisdokumente wie Reispass oder Personalausweis können übrigens nicht nur im Bürgerbüro beantragt werden. Auch in den Ortsverwaltungen ist dies möglich.


Ausweispflicht und Beantragung

Das Gesetz über den Personalausweis und den elektronischen Identitätsnachweis schreibt vor, dass jeder Deutsche ab dem 16. Lebensjahr einen Ausweis besitzen muss. Dieser muss bei der Gemeinde oder Stadt persönlich beantragt werden. Lediglich die Abholung ist durch eine mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestatteten Person erlaubt. Die Kosten für die Ausstellung eines Personalausweises betragen für Antragsteller ab dem 24. Lebensjahr 28,80 Euro, darunter 22,80 Euro. Bei einem Umzug bleibt der Personalausweis trotz der darauf angegebenen Anschrift weiter gültig. Die Adresse muss aber geändert werden. Dies gilt auch, wenn der Besitzer des Ausweises innerhalb seiner Gemeinde oder Stadt umzieht. Die Ausweispflicht erfüllen auch die Besitzer eines Reisepasses. Dieser ist allerdings deutlich größer als die im Scheckkartenformat ausgestellten neuen Personalausweise – somit schwieriger mitzuführen.

Für einen Reisepass sind ab dem 24. Lebensjahr 59 Euro zu zahlen. Jüngere Bürger kostet er 37,50 Euro. Fragen beantwortet für Lingener das Bürgerbüro unter Telefon 0591/9144-333. Alle anderen wenden sich an die für sie zuständige Gemeinde- beziehungsweise Samtgemeindeverwaltung.