„Menschen, die etwas bewegt haben“ Bundespräsident Gauck ehrt Lingener Josef Möddel

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Lingen. Das war ein denkwürdiger Moment für Josef Möddel am Montagvormittag im Schloss Bellevue in Berlin: Aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck nahm der Lingener für seinen Einsatz um die jüdischen Mitbürger Lingens den Verdienstorden entgegen.

Der Bundespräsident verlieh die Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Frauen und 21 Männer aus allen Bundesländern. Josef Möddel war der Einzige aus Niedersachsen. Beim Gruppenbild mit den Geehrten stand Gauck genau hinter ihm – ein Zufall, aber im übertragenen Sinne auch ein Bild für den Rückhalt und die Wertschätzung, die Bürger wie Möddel beim Staatsoberhaupt genießen. Es seien lauter Geschichten von Menschen, die etwas bewegt hätten und bewegten, weil sie selbst von etwas erfasst seien, so Gauck.

Der 71-Jährige ist, wie berichtet , Gründer des Arbeitskreises Judentum-Christentum, dem heutigen Forum Juden-Christen. Möddel hatte den Kreis im April 1983 ins Leben gerufen und seitdem gemeinsam mit weiteren Mitstreitern in Lingen Zeichen gegen das Vergessen gesetzt. Die Erhaltung der Jüdischen Schule als Gedenkort und Forum des interkulturellen Dialogs und die Kontaktaufnahme zu früheren jüdischen Mitbürgern Lingens sind Beispiele.

Möddel war am Sonntagabend zusammen mit seiner Frau Angela nach Berlin gereist, wo sie sich mit Sohn Gabriel und dessen Ehefrau Katharina treffen wollten. „Als wir die Einladung bekamen, wollten wir erst gar nicht glauben, was drin stand“, berichtete er im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch der Bundesadler auf dem Einladungsschreiben mit der Adresse des Bundespräsidenten in Berlin hatte ihn nicht so recht überzeugen können. Ein Anruf beim Bundespräsidialamt brachte dann aber endgültige Gewissheit.

Groß ist deshalb auch die Freude bei den Mitgliedern des Forums Juden Christen im Altkreis Lingen, das aus dem Arbeitskreis hervorgegangen ist. „Josef Möddel ist bei allen Schlüsseldaten zur Erinnerung an die jüdischen Bürger Lingens präsent“, sagte Vorsitzender Heribert Lange. Zuletzt habe er an der Gestaltung des neuen Synagogenplatzes an der Jüdischen Schule mitgewirkt. „Der Verdienstorden ist eine Würdigung des Menschen Josef Möddel und ein Ergebnis seiner Arbeit“, so Lange. Er habe dem Gedenken und der Erinnerung ein Gesicht verliehen.

Der frühere Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring bezeichnete die Auszeichnung für Möddel „in hohem Maße als verdient“.

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